In die Diskussion der Erfolgsrechnung, wie nach dem neuen Rechnungsmodell HRM2 die bisherige Laufende Rechnung heisst, startete der Gemeinderat mit einem Aufwandüberschuss von 1,73 Mio. Franken bei einem Ertrag von 38,6 Mio. und einem Aufwand von 40,3 Mio. Franken.

Weil dies nicht so bleiben konnte, traf sich im Vorfeld der rätlichen Budgetaussprache die Finanzkommission (FiKo) mit allen Kaderangestellten und Ressortleitungen zur «Krisensitzung», um nötige Kürzungen in der Haushaltsprognose vorzunehmen. «Trotz neuem Finanzausgleich in Höhe von 3,6 Mio. Franken ist unser Budget immer noch nicht im Lot», bedauerte FiKO-Präsident Werner Rutsch, der dem Rat eine Liste mit Einsparungen und Mehreinnahmen in Höhe von 1,14 Mio. Franken präsentierte.

Allein rund 400'000 Franken mehr glaubt die FiKO bei den gemäss Gemeindeverwalterin Katalin Kulcsar «sehr vorsichtig veranschlagten Steuereingängen» verbuchen zu können. Immerhin spreche das Bevölkerungswachstum und die Höhe alljährlicher Nachtaxationen für diese fiskalischen Mehreinnahmen. «Aber wir sind keinesfalls blauäugig», begründete Rutsch die aus der CVP kritisch hinterfragte Annahme.

Dazu kommen weitere Verzichte, dem die Verantwortlichen mit Blick auf die tatsächlichen Verbrauchs- und Erfahrungszahlen der letzten Jahre zugestimmt hatten. Der Gemeinderat unterstützte einstimmig diesen ersten Rotstifteinsatz für ein besseres Ergebnis, das laut Gemeindepräsident Peter Jordi «unsere Gemütslage um Etliches entspannt». In der Detaillesung aller Konten gab es besonders im Bauressort noch kleine Kostenreduktionen, die das Defizit am Ende indes nicht unter eine halbe Million drücken konnten.

Gemeindevizepräsident Christian Holderegger warnte, angesichts der Systemänderung in der Rechnungslegung mit ihren verschiedenen Variablen nicht noch zusätzlich «ins Fleisch hineinschneiden» zu wollen, um zu sparen. Das neue Modell müsse sich erst konsolidieren. «Winzige Einsparungen bei kleinen Positionen machen den Braten auch nicht feiss». Denn das Problem der Gerlafinger Gemeindefinanzen sei struktureller Art, stimmte der Rat überein.

Das Steuersubstrat (2016: 12,8 Mio. Franken) sei für alle kommunalen Aufgaben zu gering, zumal auch der Steueranteil von juristischen Personen innerhalb der letzten sechs Jahre von 4,6 Mio. auf 0,6 Mio. Franken geschrumpft sei.

Die Jahresrechnung 2014 mit ihrem Ertragsüberschuss von ausnahmsweise 3,2 Mio. Franken sei nur durch mehrere glückliche Faktoren wie Landverkäufe und Nachsteuern zustande gekommen, pflichtete der Rat der Gemeindeverwalterin bei. Vom laufenden Haushalt ist festzustellen, dass er prima vista ganz passabel aussieht. Der Steuerfuss für 2016 stand bei den Beratungen nicht im Fokus. Zuhanden der Gemeindeversammlung verabschiedet der Rat das Budget mit allen Aenderungen am 26. November.

Viele Fragen

Zu allen gegenüber den Vorjahren sichtbaren Budgetänderungen gab der ausführliche, gedruckte Kommentar Auskunft. Darüberhinaus wurden einzelne Positionen intensiv betrachtet. Beispielweise höhere Sitzungskosten, wie sie laut Bauverwalter Ewald Kaiser wegen des Schulbauprojektes «Rochade» und in Vorbereitung der Ortsplanungsrevision anfallen.

Besondere Aufmerksamkeit widmete der Rat der Fertigstellung  der neuen Geschäftsräume der Sozialregion Wasseramt Süd an der Kriegstettenstrasse. Da auf den Grundriss des gemieteten Gebäudeteils kein Einfluss zu nehmen war, stehen jetzt statt 420 neu 460 Quadratmeter zur Verfügung nebst fünf nicht budgetierten Parkplätzen in der Tiefgarage, die allerdings vermietet werden sollen.

Natürlich fanden auch die neuen Schülerpauschalen von fast 900 000 Franken für die gesamte Kreisoberstufe (inklusive Jugendliche aus Recherswil und Obergerlafingen) Beachtung, die bei Bildungskosten von netto 9 Mio. Franken die bisherigen Lehrerbesoldungssubventionen in Höhe von 70 Prozent wohl kaum ausgleichen, wie Ratsstimmen urteilten. Für den Kindergarten gibt es 210 000 Franken und für die Primarschule 1.3 Mio. Franken. Mehraufwand zeigt auch die Soziale Wohlfahrt, deren Budget über 4,1 Mio. Franken von der regionalen Plenarkommission zuhanden der Leitgemeinde Gerlafingen verabschiedet wurde.

Die geplanten Investitionen umfassen für unterschiedliche Projekte 6,33 Mio. Franken. Schwergewichtig mit 4,28 Mio. Franken ist die Sanierung und Schulhausaufstockung «Rochade» im Kirchacker daran beteiligt.  «Zu diesem Budget können wir wirklich stehen» betonte der Gemeindepräsident abschliessend mit Dank an alle daran Beteiligten. Eine kurze Einführung in die neue Rechnungslegung HRM2 hatte zuvor Paul Dubach seiner Ratskollegenschaft vermittelt.