Gemeindewahlen
Bekommt Niederwil einen Gemeinderatssitz oder gar zwei?

In Riedholz treten sechs der sieben bisherigen Gemeinderäte wieder an. Die SVP zieht sich zurück.

Urs Byland
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Keine Lust mehr auf Dorfpolitik: Stephanie Ritschard (SVP).

Keine Lust mehr auf Dorfpolitik: Stephanie Ritschard (SVP).

zVg

Sieben Gemeinderäte zählt die Gemeinde Riedholz. Sechs von ihnen werden bei der Gemeinderatswahl wieder antreten. Die als Kantonsrätin wieder gewählte Stephanie Ritschard geht nicht mehr ins Rennen. Neben den sechs Bisherigen bewerben sich drei Neue für einen Sitz im Gemeinderat.

Nicht nur Ritschard (SVP) verzichtet auf einen Dorfwahlkampf, auch ihre Partei hat keine Liste eingereicht. «Ich habe es mir wirklich lange überlegt», erklärt Stephanie Ritschard. Aber sie wolle keine «Parteisoldatin» sein, sagt sie in Anspielung auf eine selbstbeschreibende Aussage von Gemeindepräsidentin Sandra Morstein bei der letzten Gemeindepräsidentenwahl, und sie passe nicht mehr in die Dorfpolitik von Riedholz. Die momentane Zusammensetzung des Gemeinderates behage ihr nicht. «Ich habe jetzt 20 Jahren Dorfpolitik gemacht, das ist genug.» Zudem habe sie erfolgreich in Niederwil geworben und mit der Parteilosen Nadine Müller eine würdige Nachfolgerin gefunden. Nicht als SVP-Politikerin, aber als politisch interessierte Niederwilerin, die in der Gemeindepolitik mitwirken wolle. Darauf sei sie stolz.

Es sei aber auch möglich, dass ihr künftiger Lebensmittelpunkt nicht mehr Riedholz sein wird, erklärt Ritschard, die sich geschäftlich neu orientiert und davor stehe ein KMU zu übernehmen. Weil sich gleichzeitig auch die gewählten Ersatzgemeinderäte der SVP zurückziehen, verliert Riedholz vorläufig eine politische Kraft.

Kommt Bewegung in die politische Landschaft?

Von den etablierten Parteien treten sowohl die FDP als auch die SP mit ihren bisherigen Gemeinderäten an. Bei der FDP sind dies Michel Aebi (1966), Markus Moll (1964) und Michael Järmann (1968). Die SP kommt mit Sandra Morstein (1965) und Beat Graf (1971). «Wir haben intensiv Interessierte gesucht und mit Personen Gespräche gesucht, die mir oder Beat Graf in der laufenden Legislatur aufgefallen sind», erklärt Sandra Morstein. Aber am Ende habe sich niemand zu einem Engagement entschliessen können. «Ich bedaure das sehr, habe aber auch Verständnis, denn wer engagiert ist und zudem Familie und Job unter einen Hut bringen muss, überlegt es sich zweimal, ein weiteres Engagement einzugehen.»

Sie gehe aufgrund der Kandidaturen von neuen Interessierten bei den anderen Parteien davon aus, dass etwas Bewegung in die politische Landschaft komme. «Ich finde neue Kandidaturen und eine Auswahl für die Wählerinnen und Wähler grundsätzlich gut, hätte es jedoch begrüsst wenn es noch mehr Kandidaturen von neuen, auch jüngeren Personen und Frauen gegeben hätte.» Die erneute Kandidatur von ihr und Beat Graf sehe sie positiv. «Wir beide haben uns in der laufenden Legislatur sehr engagiert für eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde in allen Bereichen, ökologisch, finanziell und sozial, eingesetzt und gewährleisten dies im Fall unserer Wahl auch für die nächste Legislatur.»

«Gute Zusammenarbeit im Gemeinderat»

Auch die FDP Riedholz hätte die Kandidatenliste gerne aufgestockt. Aber: «Es ist jetzt zu Coronazeiten schwierig, den Kontakt zur Bevölkerung und zum Nachwuchs, der uns sehr am Herzen liegt, zu halten», erklärt Michael Järmann. «Letztlich mussten wir uns begnügen mit uns drei Bisherigen.»

Früher sei Riedholz ein FDP-Dorf gewesen, aber man sei zufrieden, wenn die bisherigen drei FDP-Gemeinderäte wieder gewählt würden. «Wir hatten in den letzten zwei, drei Jahren eine gute Zusammenarbeit im Gemeinderat und ziehen alle am gleichen Strick in die gleiche Richtung.» Deshalb würde es ihn auch freuen, wenn die anderen Bisherigen die Wahl schaffen würden.

CVP Riedholz hat neue Kräfte gefunden

Überrascht war Marcel Eheim, Präsident der CVP Riedholz, dass die übrigen Parteien nicht weitere Kandidatinnen oder Kandidaten nominiert haben. Er hat gut reden, denn die CVP Riedholz steigt mit ihrem bisherigen Gemeinderat, Martin Reber (1974), sowie Peter Baumann (1957) und Carsten Spichiger (1978) ins Rennen.

Baumann ist als Leiter Bau und Planung in Zuchwil weitherum bekannt. «Er wäre sicher eine gute Ergänzung im Gemeinderat, weil er aus dem Baufach kommt und Riedholz künftig diesbezüglich einige Geschäfte behandeln wird.» Mit Carsten Spichiger kam Eheim dank einem Aufruf der CVP Riedholz im «Azeiger» in Kontakt. «Mit Carsten Spichiger wäre der Ortsteil Niederwil sehr gut im Gemeinderat vertreten.»

«Ich bin nicht partei- sondern themenorientiert»

Das ist vielleicht ein Pluspunkt für die CVP Riedholz, ist es doch das Anliegen aller Parteien, dass die Bevölkerung des Dorfteils Niederwil im Gemeinderat vertreten ist. Aber Spichiger ist nicht der einzige Kandidat aus Niederwil. Auch Nadine Müller (1988) will den Dorfteil «besser» im Gemeinderat von Riedholz vertreten. Sie tritt auf einer eigenen Liste als Parteilose an. Sie habe sich selbst etwas überrascht mit dieser Kandidatur, erklärt Nadine Müller.

Sie sei angefragt worden, wie oben erwähnt von Stephanie Ritschard, habe aber nichts mit deren Partei zu tun. «Ich bin nicht partei- sondern themenorientiert», erklärt Nadine Müller. «Ich will mich vor allem für Niederwil einsetzen.» Sie habe schon in einigen Angelegenheiten erlebt, dass die Niederwiler in Riedholz nicht den gleich hohen Stellenwert haben.

Die Kandidatinnen und Kandidaten

CVP – die Mitte
Peter Baumann
Martin Reber (bisher)
Carsten Spichiger 

FDP die Liberalen
Michel Aebi (bisher)
Michael Järmann (bisher)
Markus Moll (bisher)

Parteilose
Nadine Müller

SP
Beat Graf (bisher)
Sandra Morstein (bisher)