Oberdorf
Gemeindeversammlung entscheidet, ob das Hallenbad vor die Urne kommt

In Oberdorf soll eine ausserordentliche Gemeindeversammlung über das endgültige Schicksal des Hallenbades entscheiden.

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Das Hallenbad in Oberdorf soll für 1.6 Millionen Franken saniert werden. Eine Mehrheit des Gemeinderates plädiert für eine Schliessung.

Das Hallenbad in Oberdorf soll für 1.6 Millionen Franken saniert werden. Eine Mehrheit des Gemeinderates plädiert für eine Schliessung.

Hanspeter Bärtschi

Die Energiewende ist in Oberdorf nah. Mit der von der gleichnamigen Spezialkommission sowie dem Gemeinderat unterstützten Schliessung des Hallenbades wäre ein grosser Schritt getan. Am 26. September ist die Sanierungs-Vorlage an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung traktandiert.

Die Sanierung wird nötig, weil insbesondere die technische Infrastruktur erneuert werden muss. Die letzte grössere Hallenbadsanierung fand 1996 statt. Zwei Hauptgründe führen Gemeinderat und Spezialkommission gegen eine Sanierung an.

Die finanzielle Belastung für die Gemeinde sei zu gross. Investitionen von 1,6 Millionen Franken für die Sanierung des Hallenbads, 150 000 Franken für die Bereinigung der Parkplatzsituation entlang der Reinertstrasse sowie jährliche Betriebskosten von 80 000 Franken könnten eingespart werden. Über die letzten fünf Jahre hat Oberdorf für das Hallenbad 800 000 Franken ausgegeben, die Einnahmen schlagen mit gut 300 000 Franken zu Buche.

Der zweite Hauptgrund betrifft die Ökologie. Mit einer Schliessung des Hallenbades würden zirka 50 Prozent des Energieverbrauchs der Schulanlage eingespart. Das sind 30 000 bis 35 000 Franken pro Jahr. Zusätzlich könnten über 5000 Kubikmeter Wasser, 3300 Kilogramm Schwefelsäure und weitere 450 Kilogramm Chemikalien jährlich eingespart werden. Bei einer Sanierung kann im Übrigen der Wasserverbrauch ebenfalls erheblich reduziert werden.

Gut für die Volksgesundheit

Gegen Schliessung und für Sanierung spreche laut Botschaft des Gemeinderats an die Einwohner das Argument Volksgesundheit. Schwimmen sei ein gute und gelenkschonende Sportart für gesunde Kinder und Erwachsene ebenso wie für übergewichtige Personen oder Menschen mit einer Behinderung. Zudem gehöre Schwimmen zu den grundsätzlichen Fähigkeiten und zur Allgemeinbildung.

Angeführt wird auch ein Standortvorteil für die Gemeinde sowie die hohe Auslastung, auch weil es in der Region nicht mehr viele Alternativen gibt. Nach dem Wegfall des Hallenbades im Schulhaus Hermesbühl in Solothurn bleiben noch die Hallenbäder in Zuchwil, in Subingen und in Solothurn (neben der Pädagogischen Hochschule) übrig. Weitere (teils) öffentliche Hallenbäder finden sich in Bettlach, Grenchen und Arch.

«Soziale Einrichtung»

Das Hallenbad dient in erster Linie der Primarschule und den Kindergärten. Von Seiten der Lehrpersonen ist das Engagement gross, die Bevölkerung für eine Sanierung des Hallenbads zu gewinnen. Man sei sich der Kosten bewusst, die ein Hallenbad verursache.

Aber beim Hallenbad handle es sich um eine «soziale Einrichtung», die allen Bevölkerungsschichten eine sinnvolle sportliche und kostengünstige Freizeitaktivität erlaube. In den letzten 20 Jahren lernten über 400 Oberdörfer Schulkinder im Hallenbad das Schwimmen.

Der Schwimmunterricht biete eine willkommene Abwechslung im Schulalltag. Mit einem grossen Argumentarium und mit dem Hinweis, eine finanzielle Beteiligung der Nachbargemeinden anzustreben, versucht die Lehrerschaft den Befürwortern einer Schliessung Wind aus den Segel zu nehmen.

Wird an der Gemeindeversammlung auf das Geschäft eingetreten, kommt es zur Urnenabstimmung über die Zukunft des Hallenbades. Wird nicht eingetreten, hat das Hallenbad spätestens Ende 2017 keine Zukunft mehr.

Wird an der Urne auf Schliessung entschieden, endet das Kapitel Hallenbad für Oberdorf schon nach den Sommerferien 2017. Der Gemeinderat empfiehlt einstimmig Eintreten an der Gemeindeversammlung. Im Weiteren empfiehlt eine Mehrheit des Gemeinderates, die Sanierung an der Urne zu verwerfen.

Stimmen von Nutzern des Hallenbads

Neben der Schule und der Öffentlichkeit wird das Hallenbad von weiteren Gruppen (Schwimmvereine, Schwimmkursanbieter etc.) genutzt. Martina Canonica-Höpfner beispielsweise organisiert ihre Kinderschwimmschule Aquafitness Subingen im Oberdörfer Hallenschwimmbad.

«Die Kinder haben immer weniger Möglichkeiten, schwimmen zu lernen. Es ist schlimm, eine Katastrophe», kommentiert sie die mögliche Schliessung. In fünf Lektionen bringt sie jeden Samstagmorgen 100 bis 120 Kindern das Schwimmen bei. «Es geht nicht nur um meine Schule, ich hätte eine Alternative, aber eine wesentlich weniger gute als in Oberdorf.»

Auch Kathrin Zollinger vom Schwimmclub Solothurn bietet im Hallenbad Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene an. Sie weist auf die Schliessungen der Hallenbäder in Bellach und Rüttenen hin.

Und sie weiss, dass umliegenden Schwimmschulen aus Kostengründen Angebote eindampfen müssten. «Alles konzentriert sich auf die noch bestehenden Hallenbäder, diese haben schon enorme Engpässe wegen den Kapazitätsgrenzen», sagt Zollinger.

Die Mietstunden seien komplett ausgelastet. Als Konsequenz müsse man mit den Kursen in die Sommerferien und in die Freibäder ausweichen, was sich aber als schwierig erweise, weil man damit witterungsabhängig ist. Die Konsequenz sei: «Immer weniger Kinder können schwimmen.»

Ein weiterer Mieter des Hallenbades ist der Physiotherapeut Urs Baumann. Er bietet während 10 Stunden in der Woche Aquafit-Kurse an. Genutzt wird das Angebot von etwa 140 Personen wöchentlich im Alter von 18 bis 92 Jahren.

«Ohne das Hallenbad Oberdorf wäre das Angebot nicht mehr durchführbar», sagt Urs Baumann. Ersatz könne er nicht anbieten. Damit würde ein wichtiger Teil der Gesundheitsförderung wegfallen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind am «Bibbern», wie entschieden wird. Das Aquafit erfülle für sie auch die soziale Funktion eines Treffpunkts. (uby)

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