Horriwil
Gemeindeschreiberin kündigt: «Für mich ist eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich»

Die Horriwiler Gemeindeschreiberin hat genug vom unkollegialen Umgang im Gemeinderat und kündigt per Ende September.

Rahel Meier
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In der Gemeindeverwaltung wird es bald personelle Veränderungen geben.

In der Gemeindeverwaltung wird es bald personelle Veränderungen geben.

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Die Gemeindeschreiberin in Horriwil hat per Ende September gekündigt. Sie hat dies bereits nach der Sitzung vom 6. Juni, an der es um die Abrechnung von Spesen und Taggeldern des Gemeindepräsidenten ging, per Mail angekündigt und das entsprechende Schreiben dann fristgerecht per Ende Monat deponiert. Der Kündigungsgrund ist einfach: «Ich bin unter diesen Umständen nicht mehr gewillt, meine Funktion als Gemeindeschreiberin auszuüben.

Wenn dies die Art und Weise ist, wie man miteinander umgeht und dies das Verständnis darüber sein soll, wie man mit vereinten Kräften das Beste für die Bürger erreichen will.» Für Wilma Flückiger ist klar, dass nicht der Gemeindepräsident in dieser Sache das Vertrauen der Einwohnerinnen und Einwohner missbrauche, sondern die drei Gemeinderäte Kissling, Spirig und Loser, die sich gegen die Auszahlung der Spesen und Taggelder sperren und das Thema nutzen, den Gemeindepräsidenten zu diffamieren.

Der einzige Vorwurf, den man dem Gemeindepräsidenten machen könne sei, dass er seine Abrechnung erst kurz vor der Fertigstellung der Rechnung einreichte.

Pascal Kissling hat demissioniert

Anschliessend an die Sitzung vom 6. Juni hat Pascal Kissling seine Demission als Gemeinderat per Ende September eingereicht. Er war vier Jahre Gemeinderat in Kyburg-Buchegg und sechs in Horriwil. Dabei habe er alle Facetten der Gemeindepolitik kennengelernt. In den letzten Jahren habe er sich mit viel Herzblut für die Schule eingesetzt. «Ein gemeindepolitisches Engagement kann ich jedem herzlich empfehlen.». Für Kissling wird Man Beglinger nachrücken.

«Die Rückmeldungen waren stets positiv»

Wilma Flückiger trat ihre Stelle im Februar 2017 ein. «Martin Rüfenacht war seit März 2017 mein direkter Vorgesetzter. Er zeigte stets sehr viel Präsenz auf der Verwaltung und bot jedem seine Hilfe an, der sie wollte», erklärt sie auf Anfrage. Und meint weiter: «Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung waren stets positiv und Horriwil wurde wieder als aktive und attraktive Gemeinde wahrgenommen» Wilma Flückiger betont, dass sie gerne für die Horriwilerinnen und Horriwiler gearbeitet und auch immer gerne ein bisschen «mehr Dienstleistung» geboten habe. Aber sie sei zutiefst enttäuscht von einzelnen Gemeinderäten, welche die positive Entwicklung nun torpedieren.

Die Finanzverwaltung in Horriwil ist seit vielen Jahren an die Gemeinde Subingen ausgelagert. Eine schriftliche Aufforderung aus dem Gemeinderat Horriwil, die Finanzverwaltung solle eine Aufstellung aller auf diverse Konten verteilten und so verdeckten Bezüge von Gemeindepräsident Martin Rüfenacht erstellen, bewog Subingens Gemeindepräsident Hans Ruedi Ingold, sich als Vorgesetzter von Finanzverwalter Roland Kummli, zu diesem Verlangen detailliert in Kenntnis setzen zu lassen.

Ingold nimmt zu dem unterschwelligen Ersuchen aus Horriwil deutlich Stellung. «Die Finanzbuchhaltung wird in Subingen und in Horriwil strikt nach Gesetz und exakt nach den Vorgaben von HRM2 geführt. Es wird nichts verteilt und nichts versteckt. Es wurden zu keinem Zeitpunkt nicht rechtsgültig Auszahlungen oder Buchungen gemacht.»

Er wisse, dass die von Martin Rüfenacht vorgelegte Sitzungsgelder- und Spesenaufstellung teilweise nicht akzeptiert und zum Teil nachträglich wieder zurückgewiesen wurden. «Die nicht akzeptierten Sitzungsgelder und Spesen wurden aber auch nie ausbezahlt und es wurde schon gar nie versucht etwas unbemerkt vorbeizuschleusen, wie das in der Gemeinderatssitzung vom 6. Juni in Horriwil angedeutet wurde», so Ingold deutlich.

12 valable Bewerbungen

Ende Mai – und damit noch vor der Kündigung von Wilma Flückiger – wurde eine Stelle als Gemeindeschreiber/-in in einem Pensum von 80 bis 100 Prozent für die Gemeinde Horriwil ausgeschrieben.

Die Gemeindeverwaltung ist heute mit zwei Angestellten besetzt, die je 40 Prozent arbeiten. Eine der beiden Frauen ist aber bis Oktober abwesend (Militärdienst). Zudem ist geplant, der Gemeindeverwaltung weitere Aufgaben, wie etwa die Führung des Bausekretariates und des Schulsekretariates zu übergeben. «Generell ist die Verwaltung bereits jetzt mit ihren 80 Prozent am unteren Limit dotiert, verglichen mit der tatsächlichen Arbeitsbelastung», erklärt Gemeindepräsident Martin Rüfenacht auf Anfrage.

Stand heute seien in Horriwil zwölf Bewerbungen für die Stelle als Gemeindeschreiber/in eingegangen, die meisten davon «qualitativ hochwertig». Man suche nun nach der besten Lösung für die Gemeinde. «Als Erstes werden wir die Bewerbungen der Personen verfolgen, die sich gemeldet haben, weil sie rasch verfügbar und zu 40 Prozent arbeiten können.» Damit könne die Vakanz, die durch den Militärdienst entsteht, ab Anfang August abgefangen werden und es sei sichergestellt, dass die Verwaltung weiterhin arbeits- und handlungsfähig fähig ist.

Parallel dazu versuche man Wilma Flückiger dazu zu bewegen, länger, als bis Ende September, wie nach ihrer Kündigungsfrist vorgesehen, zu bleiben. So habe man genügend Zeit die weiteren Bewerbungen zu prüfen und die solide Nachfolgeregelung sicherzustellen.