Lüsslingen-Nennigkofen

Gemeinderat überlegt, wie es mit der eigenen ARA weitergehen soll

Die ARA in Lüsslingen

Die ARA in Lüsslingen

Der Gemeinderat beschäftigte sich mit einer Zukunftsstudie der eigenen ARA. Dabei wurden drei Varianten miteinander verglichen. Es kam heraus, dass ein Anschluss der ARA Nennigkofen-Lüsslingen an die ZASE die wirtschaftlich beste Lösung wäre.

Ende Januar/Anfang Februar wird die Ausschreibung des Elektronetzes in der Doppelgemeinde erfolgen. Damit ist Nennigkofen-Lüsslingen den übrigen AEK-Partnergemeinden, die ebenfalls eine Expertise zu einer technischen Erfassung aller Anlagen, zu einer Beurteilung der damit verbundenen Produkte und der Tarifstruktur gestartet haben, einen Schritt voraus.

Noch vor Jahresende lag dem Gemeinderat Nennigkofen-Lüsslingen eine erste im Rat kritisch gelesene Version vor, die in der Zwischenzeit unter dem Einfluss von Bauverwalter Kuno Eberhard und Gemeindeschreiberin Madeleine Stuber korrigiert und «aufbereitet» wurde.

Einen wichtigen Punkt in der Aussprache mit dem beauftragten Ingenieurunternehmen, in der alle Beteiligten nochmals genau hinschauten, bildete die Vergleichbarkeit der beiden Netzbereiche, in denen es um erneute Netzverpachtung oder die definierte Auslagerung von Dienstleistungen an Dritte geht.

Neben allen wichtigen Details einigte sich der Rat auf eine künftige Vertragsdauer von fünf Jahren und eine Kündigungszeit von 24 Monaten. Mit der Ausschreibung werden regionale Anbieter zur Offertabgabe eingeladen, über die dann – gestützt auch auf Kostenzusammenstellung und den zugesichert «eingefrorenen» Strompreis – die Gemeindeversammlung am 21. Juni entscheidet.

Damit die Bevölkerung sich ein plastisches Bild der künftigen Kosten pro Haushalt oder Betrieb machen kann, sollen diese in Referenzbeispielen für vier Kundenkategorien erläutert werden. Das Energieangebot soll zu 100 Prozent aus erneuerbarer Quelle stammen. «Am liebsten wäre uns mit Blick auf alle Optionen eine Elektra-Lösung für beide Ortsteile: für die genossenschaftliche in Nennigkofen und die kommunale in Lüsslingen», hiess es aus dem Rat.

ARA: kein akutes Problem

Selina Jörg (Holinger AG, Bern) stellte dem Rat eine Studie zur ARA Lüsslingen-Nennigkofen vor. Auftraggeber dazu ist das Kantonale Amt für Umwelt. Die kommunale Abwasserreinigungsanlage sei zwar schon älter, doch ganz akut sei eine völlige Änderung in der Abwasserbehandlung nicht geboten. Auf Nachfrage skizzierte sie einen Zeithorizont von bis zu fünf Jahren, in dem die Gemeinde notwendige Investitionen für bauliche Massnahmen in ihren Finanzplan aufnimmt.

Jörg stellte drei Varianten einander gegenüber. 1. Anschluss der ARA Nennigkofen-Lüsslingen an die ZASE mit Anschluss an das Leitungsnetz im aarenahen Ortsteil Biberist, 2. Anschluss unter der Aare hindurch an die ARA Bellach und 3. Weiterbetrieb mittels Sanierung der eigenen ARA.

Die wirtschaftliche Gegenüberstellung und eine alle Kosten und Beiträge umfassende Vergleichsrechnung sprachen jedoch für einen Anschluss an die ZASE. «Zumal die Grösse der Anlage am Emmenspitz und deren Standard der Abwasserreinigung bezüglich der vorgeschriebenen Mischwasserbehandlung und demnächst der Trennung von Mikroverunreinigungen langfristig in den Jahreskosten am günstigsten und erst recht vorteilhaft für die Umwelt ist», sagte die Referentin.

Auf den ersten Blick wirke die Ableitung nach Bellach mit Kosten von rund 1 Miollion zwar überzeugend, doch in Würdigung der Folgekosten sei der ZASE-Anschluss mit 1,9 Miollionen Franken langfristig betrachtet günstiger und besser. Gut für die Gemeinde sei zudem, argumentierten Ratsmitglieder, dass die gesamte kommunale ARA-Anlage auch bezüglich Werterhalt in den Besitz der ZASE übergehe. Vereinbar im Sinne von Synergie sei ausserdem, dass der Leitungsbau nach Biberist für den ZASE-Anschluss gemeinsam mit dem Bau des geplanten Velowegs an der Bürenstrasse realisiert werden könnte.

Die technische Aufrüstung der kommunalen ARA würde rund eine halbe Million beanspruchen. Unabhängig von der Variantenwahl wären hier aber schnell wirkende Eingriffe nötig, die neben der Mischwasserbehandlung für 188'000 Franken Aufwendungen für Steuerungen und eine neue Rechensiebanlage umfassen.

Weiter hat der Gemeinderat einen Nachkredit für die durch den Sturm geknickten und ausgerissenen Hochstamm-Obstbäume bewilligt. Zusätzlich zu den budgetierten Kosten zur Anlagenerweiterung von 1500 Franken sprach der Rat einen Sturmschaden-Nachtrag von 4000 Franken.

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