Biberist
Gemeinderat sagt Ja zu Tempo 30 im Bleichenberg

Der Biberister Gemeinderat will den Autoverkehr bremsen, doch Fussgängerstreifen machen Sorgen.

Christof Ramser
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Der Fussgängerstreifen bei der Bäckerei Staudenmann soll weg.

Der Fussgängerstreifen bei der Bäckerei Staudenmann soll weg.

Christof Ramser

Im Biberister Bleichenberg ist ein Generationenwechsel im Gang. Viele junge Familien zügeln in das ruhige und stadtnahe Quartier. Sie ärgern sich über den Durchgangsverkehr. Denn um die Hauptstrassen zu meiden, nutzten zahlreiche Autofahrer zwischen Zuchwil und Gerlafingen das Wohngebiet als Schleichweg – gerade in Stosszeiten mit riskanten Manövern. Kinder seien als Fussgänger besonders gefährdet.

Der Gemeinderat hatte letztes Jahr eine Motion erheblich erklärt, die das ändern will. Inzwischen wurde ein Projekt ausgearbeitet, um die Geschwindigkeit auf der Bleichenbergstrasse, der Unterbiberiststrasse und der Poststrasse zu drosseln und den Schleichverkehr zu verbannen. Auch damit ist der Rat einverstanden. SP und CVP setzten sich gegen die Ratsrechte durch, die mit Ausnahme des Gemeindepräsidenten der Temporeduktion nicht zustimmte.

Tobias Weiss (SP) begrüsste das Projekt, das nur minimale bauliche Massnahmen vorsehe, dafür aber mehr Sicherheit bringe. „Denn heute wird dort gerast“, weiss er. Die Sicherheit im Quartier werde abnehmen, sagt dagegen Markus Dick (SVP) voraus, weil mit Tempo 30 auch die Fussgängerstreifen aufgehoben werden. „Wir hätten diese gerne beibehalten“, informierte Baukommissionspräsident Uriel Kramer. Doch davon will der Kanton in Tempo-30-Bereichen nichts wissen – ausser es gälten besondere Vortrittsbedürfnisse, etwa von Kindern oder Senioren. Lediglich die Übergänge beim Alterszentrum Heimetblick und beim Kindergarten Fällimoos bleiben bestehen.

«Berliner Kissen» geben zu reden

Stimmt die Gemeindeversammlung am 22. Juni zu, wird Tempo 30 auf der Bleichenbergachse noch dieses Jahr eingeführt. Der Gemeinderat war sich einig, dass das Geschäft so rasch als möglich vor die Stimmbevölkerung soll. Stephan Hug (SP) riet am Montagabend davon ab, in die Detailplanung einzugreifen, weil die Planung sonst noch einmal vom Kanton begutachtet werden müsse. „Wir sollten eine Grundsatzdiskussion führen und nicht an den Details schrauben.“

Die Gesamtkosten betragen 100'000 Franken. Fünf Fussgängerstreifen werden aufgehoben und im Abstand von 200 Metern werden Schwellen aufgepflastert, so genannte Berliner Kissen. Diese zwingen die Autofahrer zum abbremsen, wollen sie nicht durchgeschüttelt werden. Priska Gnägi (CVP) berichtete von Beobachtungen im Zuchwiler Birchi: „Es ist erschreckend, wie viele Autos die Berliner Kissen dort umfahren.“ Weil die Strassen eng sind, würde sich deshalb die Situation auf den Trottoirs verschärfen.

Motionär Eric Send will den Massnahmenplan bis zur Gemeindeversammlung analysieren, wie er auf Anfrage sagt. Die Aufhebung des Fussgängerstreifens bei der Bäckerei Staudenmann und beim Charcutier Jenny ist zwar ein Wermutstropfen, durch die verringerte Geschwindigkeit und die Abnahme des Umfahrungsverkehrs erhofft sich Send jedoch mehr Sicherheit.

«Befreiende» Rechnung

Ein Plus resultiert in der Gemeindekasse. Die Rechnung 2016 schliesst mit einem Überschuss von 4,4 Millionen Franken. Mit dem Grossteil des Geldsegens habe man nicht rechnen können, präzisierte Verwaltungsleiter Stefan Hug-Portmann. Budgetiert war ein geringes Defizit. Gemeindepräsident Martin Blaser (FDP) freute sich über die Zahlen. „Das wirkt befreiend und entlastet.“ Damit könnten wie geplant die Schulhäuser renoviert werden. Bei solch grossen Differenzen müsse man sich allerdings fragen, wie verlässlich die Budgetierung sei. Sibylle Kaufmann, Bereichsleiterin Finanzen, erklärte die Abweichungen. Wegen den vielen ausserordentlichen Einnahmen warnte sie davon, das Ergebnis nicht über zu bewerten.

So zahlte die Versicherung nach dem Brand der Asylunterkunft 450'000 Franken. Die grösste Abweichung ergibt sich im Sozialwesen. Weil die kantonale Ausgleichskasse ihre Pendenzenberge abarbeitete, konnte sie vorgeschossene Beiträge für Ergänzungsleistungen an die Gemeinde zurückzahlen. Richtig eingeschenkt hat ein Extremfall, wo drei Kinder fremdplatziert wurden. Auf einen Schlag floss so eine Million Franken zurück. Schliesslich wurden dank der Firmen eine halbe Million mehr Steuern eingenommen. Der Mehrertrag fliesst in das Eigenkapital.

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