Wasseramt
Gemeindepräsidenten wollen Kahlschlag im Poststellennetz nicht hinnehmen

An der Konferenz der Gemeindepräsidenten aus dem Wasseramt war die drohende Schliessung mehrerer Poststellen im Wasseramt ein Thema. Gefährdet sind die Filialen in Deitingen, Etziken, Kriegstetten und Subingen

Rahel Meier
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Die Poststelle Etziken wird schon bald geschlossen. Noch verhandeln die Behörden, weil es allenfalls einen neuen Dorfladen geben könnte.

Die Poststelle Etziken wird schon bald geschlossen. Noch verhandeln die Behörden, weil es allenfalls einen neuen Dorfladen geben könnte.

hanspeter baertschi

Emotional diskutiert wurden die angekündigten Poststellenschliessungen im Wasseramt. Die Pläne der Post sehen eine Überprüfung der Poststellen in Deitingen, Etziken, Kriegstetten und Subingen vor. Garantiert bis ins Jahr 2020 sind Biberist, Derendingen, Gerlafingen, Lohn-Ammannsegg und Zuchwil. «Die Post darf nicht nur nach rein betriebswirtschaftlichen Grundsätzen funktionieren», meinte Peter Jordi (Präsident Gemeindepräsidentenkonferenz Wasseramt, GPKW). «Die Post gehört zum Service public.» Er schlug vor, einen Brief zu schreiben, in dem bekräftigt wird, dass die Wasserämter Gemeinden sich als Gesamtheit gegen die geplanten Schliessungen wehren.

Bruno Meyer (Etziken) machte klar, dass nur der Druck via Politik auf Bundesebene in Bern den Erfolg bringen könne. «Der Bund hat definiert, wie die Post arbeiten muss. Diese funktioniert heute wie ein Unternehmen.» Die Etziker Behörden befinden sich zurzeit in Diskussion mit der Post, da die Poststelle geschlossen werden soll. «Ich habe festgestellt, dass es in Etziken nicht eine Post gibt, sondern drei», meinte Meyer.

Eine Firma der Post sei zuständig für die Zustellung, die zweite für die Immobilie und die dritte betreibe die Poststelle. «Wir arbeiten darauf hin, einen Neubau zu realisieren, in dem wieder ein Dorfladen angesiedelt werden könnte. Dann haben wir eine Chance, dass wir eine Postagentur erhalten. Gelingt dies nicht, dann wird der Hausservice eingeführt.» Die Post entscheide dies selbstständig, die Unterstützung der Gemeindepräsidentenkonferenz nütze da wenig.

Zusammenschluss wird geplant

Der Zweckverband Familien-, Mütter- und Väterberatung Wasseramt und der gleichnamige Verband im Bucheggberg möchten zusammenschliessen. Ein erster Anlauf, der vor Jahren genommen wurde, scheiterte. Bereits heute arbeiten die beiden Verbände aber eng zusammen und die Sitzungen werden gemeinsam abgehalten. Es gibt aber immer noch zwei Vorstände, zwei Delegiertenversammlungen, zwei Jahresberichte, Budget und Rechnung müssen getrennt geführt werden und auch die Protokolle müssen für den Zweckverband und den Verband im Bucheggberg separat geschrieben werden.

«Weil wir im Wasseramt als Zweckverband organisiert sind, ist der Zusammenschluss nicht ganz so einfach», erklärte Vreni Müller (Präsidentin Zweckverband Wasseramt) an der Gemeindepräsidentenkonferenz. Die gemeinsame Arbeit würde erleichtert, wie auch Nicole Stuber (Präsidentin Verband Bucheggberg) bekräftigte. Man sei aber unsicher, welchen Weg man einschlagen solle. «Wir möchten vor allem wissen, was die Gemeinden denken, deshalb sind wir hier.»

Die Wasserämter Gemeindepräsidenten sahen kein Hindernis darin, dass sich die beiden Verbände zusammenschliessen. Einzig die künftige Form müsse gut überprüft werden. «Macht den Fächer weit auf, klärt alle Varianten bis hin zur Gründung einer GmbH ab», meinte Hardy Jäggi (Recherswil), der darin auch von Bruno Meyer (Etziken) und Eduard Gerber (Halten) unterstützt wurde. (rm)

Eduard Gerber (Halten) erklärte, dass er sich als Bürger zweiter Klasse fühlte. «Wir haben keine Poststelle mehr und müssen heute nach Kriegstetten. Wir wurden von der Post aber nicht darüber informiert, dass Kriegstetten überprüft wird.» Halten werde einen Protestbrief verfassen, auch wenn die Gemeinde nicht dazu aufgefordert wurde, sich zu äussern.

Unterschriften übergeben

Bereits aktiv wurde man in Subingen. Es gab eine Unterschriftensammlung, die dem Regierungsrat übergeben wird. «Man kann das Rad sicher nicht zurückdrehen, und ich verstehe, dass die Post einen Leistungsauftrag hat», so Gemeindepräsident Hans Ruedi Ingold. «Ich bin aber davon überzeugt, dass es sehr wohl etwas nützt, wenn es schweizweit zu Unterschriftensammlungen kommt, und sich Politiker aller Stufen für den Erhalt der Poststellen einsetzen.»

Mindestens bis die Studie abgeschlossen ist, die aufzeigen soll, wie es mit der Post weitergehen soll, dürften keine weiteren Poststellen geschlossen werden.

«Bundesrätin Doris Leuthard verhält sich sehr distanziert, wenn es um die Post geht», meinte Kuno Tschumi (Derendingen). Der Gemeindeverband habe mehrmals interveniert in Bern. Laut Tschumi gehen die Bestrebungen der Post gar so weit, dass nirgends mehr Poststellen geführt werden, sondern die Post nur noch den Service und die Angebote bereitstelle. «Ich bin dafür, dass die GPKW deutlich macht, dass die ganze Region die Schliessungspläne daneben findet und das auch so formuliert.»

«Das Agenturmodell funktioniert nicht», meinte Bruno Eberhard (Deitingen). Die Post in Deitingen haben Zulauf aus Luterbach, seit dort die Post geschlossen wurde. Einzig Martin Rüfenacht (Horriwil) setzte sich zugunsten der Post ein. «Die Post setzt den Auftrag um, der ihr von der Politik gegeben wurde», meinte er. Nur gegen die Schliessungen zu protestieren, nütze nichts. Man müsse auch eine Zusammenarbeit anbieten.

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