Oekingen
Gemeindepräsident hört auf: «Ich bin nicht krank, aber ich will es auch nicht werden»

Die Gemeindeversammlung Oekingen wurde mit der Demission von Marcel Linder auf Ende Juni 2018 überrascht.

Lea Reimann
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Marcel Linder gibt im nächsten Juni 2018 nach 13 Jahren im Amt das Gemeindepräsidium weiter.

Marcel Linder gibt im nächsten Juni 2018 nach 13 Jahren im Amt das Gemeindepräsidium weiter.

Felix Gerber

Die Überraschung kam am Ende der Gemeindeversammlung: Gemeindepräsident Marcel Linder gab seine Demission per Ende Juni 2018 bekannt. Linder betonte, dass er nicht mit Groll zurücktrete. Im Gegenteil, er sei sehr zufrieden und führe sein Amt sehr gerne aus. Wegen gesundheitlicher und beruflicher Umstände müsse er nun aber Prioritäten setzen und wolle deshalb von seinen Ämtern zurücktreten. «Ich bin nicht krank, aber ich will es auch nicht werden», erklärte Linder und sprach damit die mit zunehmendem Alter intensiver werdende Doppelbelastung von Berufsleben und Gemeindepräsidium an. Am 20. Juni wird die letzte Gemeindeversammlung unter seiner Leitung stattfinden.

Zuvor eröffnete Marcel Linder die Budgetdiskussion. «Das Budget der laufenden Rechnung sieht sehr gut aus.» Es sei Zuversicht angesagt, die Gemeinde stehe gut da. «Trotz der Steuerfusssenkung vor einem Jahr können wir einen ausgeglichenen Voranschlag präsentieren», erklärte Linder. Es zeige sich somit, dass diese Entscheidung richtig gewesen war.

Budget mit Überschuss

Der Voranschlag schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 64'453 Franken und wurde von den 59 Stimmberechtigten einstimmig genehmigt. Marcel Linder ging als Ressortleiter Finanzen auf verschiedene Positionen ein und nannte etwa die Bildung, die teurer geworden ist. 753'000 Franken werden an die Kreisschule Hoek (Primarstufe) bezahlt, 370'000 an den Schulverband OWO (Oberstufe). Auch die Beiträge an die Ergänzungsleistungen AHV und an die Sozialregion Wasseramt Süd sind gegenüber dem letztjährigen Budget gestiegen. Hingegen hat man die Steuererträge rund 200'000 Franken höher budgetiert als für das Jahr 2017, diese zuversichtliche Prognose dürfe man wagen, so Linder.

Die Nettoinvestitionssumme beträgt 137'200 Franken. In die Beleuchtung der Gemeindestrassen werden 36'200 Franken investiert, Sanierungen im Abwasserbereich kosten 45'000 Franken und der Anteil an ein neues Feuerwehrfahrzeug beträgt 20'000 Franken. In die Investitionsrechnung fällt auch der Treppenlift für den Mehrzweckraum, welcher einstimmig genehmigt wurde. Seit der Sanierung des Mehrzweckraums im ersten Stock des Werkhofs wird dieser rege genutzt, insbesondere auch von der Gruppe Oekingen 60+. Dem Wunsch nach einem Treppenlift, der an der Gemeindeversammlung vor einem Jahr geäussert wurde, kann man nun entsprechen. Der Souverän genehmigte den Kredit von 30'000 Franken für den Einbau eines Treppenliftes einstimmig.

Schulräume im Keller

Ebenso wurde ein Kredit von 80'000 Franken separat genehmigt und zwar für die Erweiterung des Schulraumes. Durch die Sanierung des Schulhauskellers entstehen zwei zusätzliche Räume, mit denen man die Raumsituation verbessern kann. So muss künftig bei der Organisation des Unterrichts nicht mehr auf die zu knappen räumlichen Ressourcen Rücksicht genommen werden. Jakob Baumgartner (Ressort Bau und Werke) informierte, dass diese Räume für den Unterrichtsablauf sehr geeignet seien, weil sie schnell erreichbar und so auch für kürzere Sequenzen brauchbar sind.

Ein Anwesender kritisierte dieses Vorhaben, fand den Keller für Kinder ungeeignet und fragte nach, ob man nicht stattdessen den Dachstock ausbauen könnte. Jakob Baumgartner erklärte daraufhin, dass man den Ausbau des Dachgeschosses zwar in Betracht gezogen, aber wieder verworfen habe: «Da müsste man viel mehr Geld für weniger Raum investieren.» Zudem machte er deutlich, dass die Räume im Keller keine zukünftigen Klassenzimmer werden, sondern lediglich für Einzel-, Gruppen- und Halbklassenunterricht zur Verfügung stehen – die Kinder seien also nicht den ganzen Tag im Keller. Bei drei Gegenstimmen wurde der Antrag grossmehrheitlich genehmigt. Die Ausführung wird 2018 und 2019 in zwei Etappen à je 40'000 Franken erfolgen.

Delegiertensystem für Hoek

Bei zwei Enthaltungen genehmigte die Versammlung auch die neuen Statuten der Kreisschule Halten/Oekingen/Kriegstetten (Hoek) ohne Gegenstimme und erreichte damit genau das gleiche Abstimmungsresultat wie Halten am Abend zuvor. Nachdem Kriegstetten den Vertrag für die gemeinsame Kreisschule Hoek letztes Jahr gekündigt und eine institutionelle Neugestaltung gefordert hatte, haben sich die drei Anschlussgemeinden Halten, Oekingen und Kriegstetten nun mit neuen Strukturen auseinandergesetzt. Es wurde entschieden, neu ein Delegiertensystem einzuführen. Dieses ersetzt die bis anhin jeweils stattfindende Schulgemeindeversammlung, die meist nur spärlich besucht wurde.

Die Delegiertenversammlung umfasst 17 Mitglieder, wobei jede Gemeinde Anspruch auf drei Delegierte hat und die restlichen nach Einwohnerzahlen verteilt werden. Somit stellen Halten und Oekingen je fünf Delegierte, Kriegstetten stellt sieben. Der Kreisschulrat zählt neu nicht mehr neun, sondern nur noch sechs Mitglieder, nämlich zwei pro Gemeinde.
Ausserdem genehmigte die Versammlung einstimmig den Beitritt zum Zweckverband Bevölkerungs- und Zivilschutz Aare Süd sowie dessen Statuten.

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