Nach acht Jahren Gemeindepräsidium zieht sich Erika Pfeiffer (1963) von diesem Amt zurück. Auf der Terrasse ihres Einfamilienhauses, das sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern (16 und 19 Jahre alt) bewohnt, zieht sie Fazit.

Erika Pfeiffer, Sie übernahmen in einer für Lommiswil heissen Phase das Gemeindepräsidium. Das brauchte Mut.

Erika Pfeiffer: Das kann man sagen. Ich hatte glücklicherweise etwas Erfahrung, weil ich vorher auf der Gemeindeverwaltung arbeitete.

Dennoch brauchte es Mut, den amtierenden Gemeindepräsidenten herauszufordern.

Wir hatten in Lommiswil eine etwas depressive Stimmung. Ich fand, das darf nicht sein. Das war meine Motivation.

Ihr Mann war damals auch im Gemeinderat?

Ja, die Legislatur vorher. Er war zwei Amtsperioden für die Gemeinde tätig und ich danach nun ebenfalls zwei.

Sie wollten die negative Stimmung verbessern und dachten wohl, diese Gemeinde kann doch nicht immer nur Defizite schreiben?

Ich habe daran geglaubt, dass der Tiefpunkt erreicht ist und dass es wieder besser wird, auch ohne grundlegende Änderungen. Das war das Problem, dass man nicht mehr daran glaubte, dass es besser kommt.

Wieso ging es eigentlich der Gemeinde finanziell so schlecht?

Das ist auch heute noch nicht ganz klar. Ich bin der Meinung, dass es mit den Hypothekarzinsen zu tun hatte, die seit 2006 fielen, worauf die Besitzer der Einfamilienhäuser verstärkt renovierten. Da braucht es nur wenig, dass ein Loch in der Kasse gähnt. Und gleichzeitig griff eine Steuergesetzrevision. Die Spirale ging nach unten.

Warum hängen Sie nicht noch eine Legislatur an?

Vom Alter her wäre es möglich, aber die Ressourcen sind aufgebraucht. Ich hatte das Gemeindepräsidium nicht gesucht, dachte aber, es müsse etwas gehen. Ich hatte auch gehofft, dass ich nach vier Jahren wieder gehen könnte.

Sie sehen sich als Troubleshooterin. Was hat Sie darin bestärkt, diese Aufgabe übernehmen zu müssen? Hat dies auch mit Ihrer Erwerbsarbeit beim Kanton zu tun?

Nein. Man hatte sich jahrelang geweigert, in Lommiswil Abfallgebühren einzuführen. Dieses Verhalten wurde vom Kanton bestraft. Das wurde aber von der Bevölkerung nicht wahrgenommen. Das hat sich auch im Finanzausgleich ausgewirkt. Aber eben die fehlenden Steuereingänge und der frische Wind, den wir brachten, hat schon dazu geführt, dass die Leute helfen wollten. Wir konnten den Steuerfuss erhöhen. Vorher wurde dies zweimal an der Gemeindeversammlung abgelehnt.

Musste das Leiden zuerst gross genug werden?

Ich habe auch aufgezeigt, wie die Steuererhöhung sich für die Steuerzahler auswirkt. Sie haben gemerkt, das ist kein wahnsinnig hoher Betrag, wenn man dafür auf der anderen Seite wieder handlungsfähig wird.

Was in der Gemeinde auf fruchtbaren Boden fiel.

In der Amtsperiode zuvor wurden keine Legislaturziele mehr gefasst aus dem Gefühl heraus, man könne sowieso nichts machen.

Mit dem Vorgänger kam es nicht eigentlich zu einer politischen Auseinandersetzung?

Ich bedaure dies eigentlich. Er hat mir nie verziehen. Er wollte sein Pensum als Lehrer reduzieren und hatte das Gefühl, wenn er reduziert, habe er dann mehr Zeit für das Gemeindepräsidium und könne dann die Probleme lösen.

Seltsamerweise demissionierte er vor dem 2. Wahlgang.

Der 2. Wahlgang sollte erst spät durchgeführt werden. Ich ging zu ihm und fragte, ob wir den Wahlgang nicht vorziehen können. Das hat ihn derart furchtbar aufgeregt, dass er zurückgetreten ist. In der Solothurner Zeitung wurde geschrieben, dass in Lommiswil eine Kandidatin – wie in Honduras – das Gefühl habe, man könne mit einem selbst gesponserten Wahlgang Wahlen herbeiführen. Richtig war: Er sagte mir damals, man könne keinen separaten Wahlgang durchführen, das koste etwa 2000 Franken. Ich sagte, das wäre es mir noch wert.

Die Gesundung der Finanzen liess nicht lange auf sich warten. Sogar der Kanton hatte Mitleid und half.

Insgesamt hat der Kanton uns mit 75 000 Franken unter die Arme gegriffen. Also nicht viel. Aber wir erhielten die Einwilligung, aus der Spezialfinanzierung Abwasser Eigenkapital in den Steuerhaushalt zu transferieren. Das wird in Ausnahmesituationen bewilligt.

Wie erlebten Sie das für Sie neue Amt?

Gerade die Gemeindeversammlungen habe ich als sehr kooperativ empfunden. Wenn man die Fakten und den Hergang auf den Tisch legt, dann findet man Goodwill. Und wenn dies nicht auf Anhieb klappte, brachte ich das Geschäft später noch einmal.

Kritik gab es aber immer wieder.

Mir war es schon wichtig, dass die Kritiker zu Wort gekommen sind und nicht, dass sie das Gefühl erhalten, wenn sie etwas sagen, gehen sie mit kurzen Hosen nach Hause. Gerade in den Diskussionen wird oft eine Lösung möglich, die sinnvoll ist.

Was zählen Sie zu Ihren Erfolgen?

Eine Folge des Finanzproblems und der Depression war, dass eine Fusion ein Thema wurde. Man hatte das Gefühl, alleine könne man es nicht mehr schaffen. Wir haben dann in einer Klausur die Frage thematisiert, wollen wir eine Fusion anstreben oder gibt es noch etwas anderes? Daraus entstand das Beteiligungsprojekt «Üses Lommiswil».

Das besteht immer noch?

Nicht wirklich. Es war selbst für die Gemeinderatsmitglieder schwierig, den Sinn davon zu sehen. Die Vereine haben es gar nicht goutiert. Aber ich bin der Meinung, dass dieses Projekt mitgeholfen hat, für die neue Amtsperiode vier neue Gemeinderatsmitglieder zu finden. Teile der Bevölkerung begannen sich zu überlegen, was ihnen das Dorf wert ist.

Was hat das Projekt gebracht?

Schwierig zu sagen. Unser Hausarzt beispielsweise, den wir als Nachfolger von Doktor Fischer gewinnen konnten, sagte, er sei vier Jahre in Lommiswil und wolle dem Dorf nun einen Dienst erweisen. Das sind Sachen, die man nicht wirklich zuordnen kann, die aber schon damit zu tun haben, wie sich die Einwohner damit auseinandersetzen, was ein Dorf ausmacht. «Üses Lommiswil» wurde auch eine Plattform für Künstler, Kulturschaffende und die etwas Alternativen, die sich heute noch privat treffen. Das ist schon auch eine Folge der Initiative «Üses Lommiswil».

Das Motto Ihrer Partei Freie Liste lautete «Wir bringen frischen Wind», warum?

Es gab viele Leute im Dorf, die etwas bewirken wollten, aber nicht innerhalb einer Partei. Daraus entstand die Idee einer Freien Liste. Hauptsache, man packt an.