50 stimmberechtigte Oekingerinnen und Oekinger fanden sich zur Rechnungsgemeinde in der Turnhalle ein, um ein letztes Mal den Ausführungen von Präsident Marcel Linder zu lauschen. Ob er denn nervös sei, wurde im Vorfeld gefragt. «Zumindest weniger als beim Ersten mal», antwortete er. Besonders erfreut zeigte er sich darüber, dass sich auch ein Kind unter den Anwesenden befand. Bei gelöster Atmosphäre führte er dann die Oekinger ein letztes mal souverän durch die Versammlung.

Die Rechnung schloss höchst erfreulich mit einem Ertragsüberschuss von 215 000 Franken. Dies habe zwei Gründe: Zum einen konnte das Budget fast überall eingehalten, teilweise sogar unterschritten werden. Zum anderen sind die Steuereinnahmen um einiges höher ausgefallen als erwartet.

Einzig bei der Bildung und der sozialen Sicherheit kam es zu Überschreitungen des Budgets. Insbesondere bei der sozialen Sicherheit zeige sich ein «unschöner Trend». Ursache dafür sind die hohen Kosten der Sozialregion. Die aber insgesamt sehr positive Rechnung wurde einstimmig genehmigt. Auch wegen dieser positiven Rechnung konnte der ehemalige Finanzier Linder zu seinem Abschluss auch noch eine Herzensangelegenheit durchbringen. Der Steuerfuss wird um fünf Prozentpunkte auf neu 114 Punkte gesenkt werden.

Laufende Projekte

Die Gemeindeversammlung schritt zügig voran, sodass bei Linder dann doch noch etwas Wehmut aufkam: «Jetzt müssen wir es schon noch etwas hinauszögern.» Der Gemeinderat erfüllte ihm diesen Wunsch und informierte die Anwesenden über laufende und anstehende Projekte.

Im Rahmen der Ortsplanungsrevision wollte die Gemeinde mehr Bauland generieren. Der Kanton hat diesem Anliegen aber einen Riegel vorgeschoben. Es gebe genug Bauland im Dorf, so seine Begründung. Nur gehöre dieses mehrheitlich Privaten, die es nicht verkaufen. Gebundene Hände also für die Gemeinde. Das habe aber auch seine positiven Seiten, wie Linder hervorhebt: «Wir haben insgesamt sehr grosse Parzellen pro Kopf und wollen ja auch nicht unendlich wachsen. Wir erhalten so unsere hohe Lebensqualität.»

Ungelöst präsentierten sich Probleme mit der Sozialregion. Gerlafingen sei nicht mehr bereit, alle Kontingente für Flüchtlinge selber zu übernehmen. Man sei deshalb auf der Suche nach Unterkünften im Dorf, auch bei Privaten.

Weiter hatte der Unihockeyclub des Dorfes Erfolge zu vermelden. Zum Zweiten mal in Folge holten die Frauen auf dem Kleinfeld den Schweizer-Meister-Titel und den Cupsieg. «Wir können stolz darauf ein, dass die besten Kleinfeldunihockeyanerinnen der Schweiz in dieser Turnhalle trainieren», so Gemeinderätin Andrea Schenker.

Ein Gedicht zum Abgang

Dann war es aber doch soweit, die letzte Gemeindeversammlung von Linder als Präsident neigte sich dem Ende zu. Er habe einmal den Wunsch geäussert, dass seine Verabschiedung in lyrischer Form stattfinden würde. Priska Gasche, Vizepräsidentin, hat sich dies gemerkt. In einem Gedicht würdigte sie Linders Engagement und seine Erfolge. Und wies gleich noch daraufhin, dass am 15. September am Dorftreff eine «ordentliche» Verabschiedung des Gemeindepräsidenten folgen würde.

Linder blickt zurück auf 13 Jahre Gemeindepräsidium. Zuvor war er bereits für die Finanzen der Gemeinde zuständig. Schon letztes Jahr habe er eigentlich zurücktreten wollen, da sei aber die Nachfolge noch nicht geregelt gewesen. Jetzt nicht mehr: Etienne Gasche, bisheriger Ersatz Gemeinderat, ist in stiller Wahl gewählt. Glücklich blickt Linder auf die Gründung des Vereins «60 Plus Aktiv», auf eine offenbar sehr erinnerungswürdige 750 Jahr Feier der Gemeinde und auf die Vertonung des Oekinger Gedichts zurück. Und dass zum Ende hin noch die Steuern gesenkt werden konnten, damit habe er auch sein persönliches Ziel erreicht.
Er bedankte sich für die gute Zeit und entschuldigte sich gleichzeitig: «Es tut mir leid, wenn ich jemandem auf die Füsse getreten bin. Aber im Interesse der Allgemeinheit geht es manchmal einfach nicht anders.»