Auch die zweite Version des Koordinationsprotokolls der SIL (Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt) ist gemäss Gemeinderat Selzach unbefriedigend. In seiner Stellungnahme, die einstimmig angenommen wurde, kritisiert der Rat als alarmierend, dass die landwirtschaftliche und ökologische Planung erst in einem späteren Schritt folgen sollen, denn die Auswirkungen auf Landwirtschaft und Natur seien gross. «Jede Interessensabwägung verdient ihren Namen nicht, wenn sie die Nachteile und vor allem auch die Kosten von Kompensationsmassnahmen nicht berücksichtigt», findet der Rat.

Das Schweizer Mittelland sei für die Geschäftsfliegerei bereits sehr gut erschlossen, womit ein solcher Eingriff fraglich erscheine. Ungewiss seien auch die erhofften betriebs- und volkswirtschaftlichen Vorteile. Die Relationen zwischen Eingriff und Nutzen wären ganz klar unstimmig. «Hier scheint eine traditionelle Flugbegeisterung die Oberhand gewonnen zu haben», wird in der Stellungnahme argumentiert. Dazu bleiben die Einwände der Stellungnahme zur ersten Version erhalten, da diese in der zweiten Version nicht widerlegt wurden. Er fordert, dass sowohl auf Bundes- wie auf Kantonsebene keine Weichen gestellt werden, bevor die Entscheidungsgrundlagen in der erforderlichen Qualität vorlägen.

Kritik erntete auch das BAZL, das voreingenommen sei. Dabei bräuchte es laut Rat eine unabhängige Leitbehörde, um eine umfassende Interessensabwägung vorzunehmen. Der Gemeinderat behält sich vor, diese Einseitigkeit in späteren Verfahren vor Gerichten zu beanstanden.

Artversorgung soll gewährleistet sein

In Selzach wird es, wenn nichts unternommen wird, bald keinen Arzt mehr geben: Thomas Reinhart wird im nächsten Frühjahr in Pension gehen. Seine Tochter wechselt diesen Herbst nach Gerlafingen. Beide arbeiten je fünfzig Prozent. Die PraxaMed Center AG, eine Organisation für die Beratung und den Aufbau von Ärztezentren, will sich diesem Fall annehmen und für Selzach die attraktivste Lösung finden. In Ärztezentren arbeiten Hausärzte in Teams und in Teilzeitpensen (siehe Kasten). 

PraxaMed will in Selzach zunächst einen Übergangsarzt und danach die Nachfolgeärzte suchen, ehe die Bauplanung und der Aufbau des Ärztezentrums erfolgen sollen. Werner Bill, Geschäftsleiter der PraxaMed betonte, dass für Selzach wenig Zeit bleibe, denn wäre die ärztliche Versorgung einmal weg, würde es chancenlos sein, sie zurückzuholen.

Bisher wurden mehrere Ärztezentren erfolgreich aufgebaut, es gab keine Misserfolge. Doch eine hundertprozentige Garantie für den Erfolg könne PraxaMed nicht sprechen. Da in der Finanzierung niemand bereit sei, die ersten Schritte zu unterstützen, beantragt die Organisation, dass sich die Gemeinde mit 65'000 Franken beteilige.

Der Gemeinderat ist sich einig: Selzach ist im Wachstum und attraktiv und braucht deshalb Ärzte. Die Bevölkerung schätzt dieses Angebot. «Wir sehen die ungleiche Behandlung der Branchen, aber bei der Ärzteversorgung geht es um Leben», so Vizegemeindepräsident Christoph Scholl. Die Menschen werden immer älter. Doch die genauen Leistungen für das Geld sind dem Rat zu wenig transparent.

Da in den Sommerferien keine Sitzung mehr stattfindet und die Zeit drängt, entschied der Rat einstimmig, den Betrag aufzuteilen: Damit die Organisation weiterarbeiten kann, sollen in einer ersten Phase 25'000 Franken bezahlt werden, unter der Voraussetzung dass die Organisation eine zufriedenstellende Offerte für die beiden Phasen vorlege. In der Sitzung Ende August solle PraxaMed die Zwischenbilanz offenlegen. Sollte sie auf den Erfolg des Projektes hinweisen, wird die Gemeinde es weiter unterstützen.

Hundeverbot aufgehoben

Aufgrund der unerwarteten Beschwerden zum Hundeverbot beim Spielplatz Schänzli entschied der Gemeinderat, das Verbot aufzulösen. Es wird durch Leinenpflicht ersetzt.