«Vielleicht will der Kanton Solothurn endlich auch ein Stauwerk erhalten.» Die Vermutung von Selzachs Bauverwalter Thomas Leimer entspringt seinem Ärger über die Verfügung des Bundesamtes für Energie. Dieses will den Geschiebesammler Lindli beim Lochbach dem Stauanlagengesetz unterstellen. Dagegen hat die Gemeinde eine Beschwerde eingereicht, die der Gemeinderat nun nachträglich genehmigte.

Der Geschiebesammler Lindli entstand in den Jahren 1971 und 74 nach dem katastrophalen Murgang 1970, der Geschiebe bis hinunter an die Aare spülte (siehe Box). Er dient auch als Rückhaltebecken, wenn im Lochbach das Wasser hoch steigt. Damit bietet der Damm dem Dorf Selzach einen einzigartigen Schutz vor Hochwasser. Durch das kurzfristige Aufstauen der Niederschlagsspitzen und das gedrosselte Weitergeben verringert sich die maximale Wassermenge, welche im Lochbach durch das Dorf fliesst. Dieser Nutzen komme bei jedem Starkniederschlag zur Geltung, erklärt Thomas Leimer. Mit der heute möglichen Drosselung fliessen 2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab. Die maximal 6000 Kubikmeter Wasser, die zurückgehalten werden können, fliessen innerhalb weniger Stunden wieder ab, wenn der Niederschlag abnimmt.

«Besondere Gefährdung»

Das Gesetz gilt für Stauanlagen, deren Stauhöhe 10 Meter beträgt, oder mindestens 5 Meter und die Anlage einen Stauraum von mehr als 50'000 Kubikmeter hat. Mit einer Höhe von 7 Metern und einem Stauraum von 6000 Kubikmeter erreicht «Lindli» die Kriterien nicht. Aber der Kanton sieht ein «besonderes Gefährdungspotenzial», was ebenfalls ein Kriterium sein kann, und hat entschieden, das Bauwerk dem Stauanlagengesetz zu unterstellen und beim Bund eine entsprechende Verfügung veranlasst. Der Geschiebesammler Lindli wäre demnach die einzige Stauanlage im Kanton Solothurn.

Die besondere Gefährdung liege darin, dass im Extremfall, wenn das Rückhaltebecken voll ist und gleichzeitig irgendwie der Geschiebesammler völlig auseinanderbricht, alles zusammen den Lochbach hinunterstürzt und in Selzach grossen Schaden anrichtet. «Meines Wissens war das Rückhaltebecken noch nie ganz gefüllt», so Leimer. Hier werde völlig über das Ziel des Stauanlagengesetzes hinausgeschossen, ist er überzeugt. In der Begründung schreibt der Anwalt, dass der Lochbach im Bereich des Dammes über die meiste Zeit des Jahres kein Wasser führt. Das Rückhaltebecken werde nur bei einem sehr grossen Hochwasserereignis (alle 100 Jahre) überhaupt vollständig gefüllt. Statistisch gesehen trete die vom Kanton angenommene Randbedingung (gefüllter Speicher vor Bruch) nur alle 100 Jahre einmal auf und dann auch nur für wenige Stunden.

Fällt «Lindli» unter das Stauanlagengesetz, bedeutet dies einen aus Sicht der Gemeinde unsinnigen Aufwand. «Die Bäume neben der Mauer müssten gefällt werden, das Bauwerk müsste unterhalten und eventuell gar überwacht werden.» Den Kompromissvorschlag des Kantons, das Bauwerk um zwei Meter zu kürzen, sei «ein Witz».

«Entscheiden wird jemand in Bern vom Bürotisch aus. Deshalb ist davon auszugehen, dass wir unterliegen», so Leimer. Die Gemeinde soll den Kontakt mit Kanton und Bund suchen, fordert darauf Gemeinderat Thomas Studer. «Hier muss Vernunft walten!»

Beitrag für Sanierung Kirche

Der von der Gemeindepräsidentin Silvia Spycher vorgeschlagene Beitrag zur Sanierung der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt blieb in der zweiten Lesung unbestritten. Sie beantragte in der ersten Lesung 200'000 Franken. Inzwischen hat die Kirchgemeinde entschieden, die Sanierung mit Kosten von fast 3 Miollionen Franken in Angriff zu nehmen. Die Idee, ein Gebäude zu erwerben und so, den Katholiken unter die Arme zu greifen, hat sich nach Gesprächen zerschlagen, erzählt Spycher. Neben dem Beitrag ist der Gemeinderat bereit, mit einem Darlehen zu helfen, wenn denn eine Anfrage von der katholischen Kirchgemeinde gestellt würde. Beides müsste der Rechnungsgemeindeversammlung vorgelegt werden.