Luterbach
Gemeinde soll das «Rössli» übernehmen

Der Gemeinderat Luterbach hat den Kauf an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung traktandiert.

Urs Byland
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Das zentral gelegene «Rössli» soll als Gaststätte erhalten bleiben. Die Gemeindeversammlung soll deshalb über einen Kauf der Liegenschaft entscheiden.

Das zentral gelegene «Rössli» soll als Gaststätte erhalten bleiben. Die Gemeindeversammlung soll deshalb über einen Kauf der Liegenschaft entscheiden.

hanspeter baertschi

Luterbach hat nicht nur an seinen Grenzen zu kämpfen. Etwa mit Projekten wie der Emmenspitz-Brücke, dem Aareuferpark oder der Hochwassersanierung Emme. Die Gemeinde des früheren SP-Bundesrates Willi Ritschard hat auch im Innern zu kämpfen. Die SP-Lokalpartei hat sich aufgelöst.

Die politische Führung der Gemeinde, der Gemeinderat, hat Mühe, immer wieder Interessenten für die politische Nebenbeschäftigung zu finden. Gemeindepräsident Michael Ochsenbein (CVP) will mit einem Befreiungsschlag eine politische Erneuerung einleiten und mehr Luterbacherinnen und Luterbacher wieder in die Dorfpolitik involvieren. Statt wie bis anhin 9 soll der Gemeinderat künftig 19 Mitglieder erhalten.

An seiner Sitzung hat der Gemeinderat nun die Teilrevision der Gemeindeordnung durchgezogen. Die angekündigte Unterscheidung in Gemeinderat mit 19 Personen (zirka 4-mal jährlich für strategische Geschäfte) und Gemeinderatskommission mit 9 Personen (die wie der heutige Gemeinderat funktioniert) findet im Text der Gemeindeordnung ihren Niederschlag. Dieses Geschäft wurde mit einer Mehrheit zuhanden der ausserordentlichen Gemeindeversammlung am Donnerstag 27. Oktober um 19.30 Uhr in der alten Turnhalle verabschiedet.

Strategischer Kauf

An der Ausserordentlichen wird neben der Teilrevision der Gemeindeordnung ein weiteres brisantes Geschäft behandelt, das eine Institution betrifft, die eben auch zum «Innern» von Luterbach gehört: das Restaurant Hotel Rössli im Zentrum von Luterbach. Die bisherigen Pächter haben ihre Pacht auf Ende Jahr gekündigt, weil die Besitzerin die Liegenschaft verkaufen will, und deswegen die Unsicherheit für sie zu gross wurde.

Die Verkaufsabsichten haben den Gemeinderat auf den Plan gerufen. Urs Rutschmann (SVP), Ressort Hochbau, stellte den Antrag, das Restaurant zu kaufen. Das Gebäude soll langfristig als Gaststätte erhalten bleiben, so seine Begründung. Jürg Nussbaumer (FDP), zuständig für Planung, handelte schnell. Die Liegenschaft wurde geschätzt, und Verhandlungen über den Verkaufspreis wurden aufgenommen. Zusammen mit dem Gemeindepräsidenten wurden Überlegungen angestellt, wie die Liegenschaft übernommen werden soll. Der Gemeindeversammlung sollen drei Anträge vorgelegt werden. Gründung einer GmbH mit 20 000 Franken durch die Gemeinde, Genehmigung eines Kredits von 1,55 Millionen Franken für den Kauf der Liegenschaft, sowie Übertrag des Kredits an die GmbH.

Der Gemeinderat hat

- nach Gesprächen mit den Einsprechern über die Verkehrsmassnahmen an der Nordstrasse beschlossen, die verstrickten Themen Tempo 30 und Parkierung wieder zu trennen. Tempo 30 vorübergehend beim Baustellenbereich werde akzeptiert. Die Parkierung soll später beschlossen werden;

- hat sich einverstanden erklärt, dass im «Bachacker», wo die Gemeinde eine Planungszone verhängte, nun die beiden Landbesitzerinnen gemeinsam einen Gestaltungsplan vorlegen. Eine der Besitzerinnen ist die «Landi»;

- hat diverse noch zu erstellende Massnahmen bei der Abnahme der Erweiterung Golfplatz Wylihof zu Kenntnis genommen;

- n auf ein Submissionsverfahren für die Vergabe der Ortsplanung verzichtet. Das bisher tätige Ortsplanungsbüro soll eine verbindliche Offerte einreichen;

- eine positive Stellungnahme der Einwohnergemeinde zum kantonalen Zonen- und Gestaltungsplan Emmenspitz Zuchwil gutgeheissen. Einzig die Parkierung in der Bauzeit soll anders geregelt werden. (uby)

«Es ist nicht Aufgabe der Gemeinde, eine Beiz zu führen oder zu finanzieren, aber wir müssen aus strategischen Gründen eingreifen», so Ochsenbein. Er erinnert an das unrühmliche Ende des Restaurants Kreuz, das zu Wohnraum umfunktioniert wurde und heute eine sozialtherapeutische Wohngruppe beherbergt. Damals habe es die Gemeinde verpasst, steuernd einzugreifen.

Gar nicht einverstanden mit dem Kauf war Kurt Hediger (CVP), Ressort Finanzen. Er werde jeden Gemeinderat einzeln zur Verantwortung ziehen, wenn dieser Kauf zum Fiasko für die Gemeinde werde, polterte er. Die übrigen Gemeinderäte liessen sich nicht beeindrucken. Parteikollege Hans Rothenbühler erinnerte Hediger daran, dass das «Rössli» Heimat für Vereine und Dorffasnacht ist. «Ich will nicht nochmals ein Restaurant im Dorf verlieren.» Neben dem «Rössli» finden sich im 3250-Seelen-Dorf noch die «Krone», die Pizzeria Restaurant Safari, das Golfrestaurant und das Tea-Room Bäckerei Flury sowie die Bar Club 33. Auch Erich Herrmann (CVP) und Philipp Keel (Grüne) sprachen sich für den Kauf des «Rösslis» aus.

Rückzieher beim Emme-Steg

Ein Emmesteg beim Emmenspitz werde für den kantonalen Tourismus und die Regionalplanungsorganisation Repla Espace Solothurn zu einem Prestigeprojekt, so Gemeindepräsident Michael Ochsenbein. Bis anhin sprach sich der Luterbacher Gemeinderat klar gegen diesen Übergang aus, weil er vor allem eine Belastung für das Auengebiet befürchtet. Zudem will man sich finanziell nicht beteiligen und glaubt nicht an ein friedliches Nebeneinander von Fussgängern und Radfahrern. In einem Gespräch mit der Repla kamen Vorschläge, die die Haltung Luterbachs ändern sollten. Der gemergelte Weg der Emme-Aare entlang soll verbreitert werden, um «Veloland»-tauglich zu werden, Er soll beidseitig mit einem Hag befestigt werden, damit man den Weg nicht verlassen kann. «Das wäre tatsächlich eine Verbesserung, weil auch Hunde nicht mehr in den Auenwald gehen könnten», so Ochsenbein. Die Kosten für Luterbach sollen unter 50 000 Franken betragen, und es sollen zwei getrennte Wege für Fussgänger und Velo erstellt werden.

Die Meinungen gingen im Gemeinderat auseinander. Trotz Änderungen sprachen sich Patrick Probst (SP) und Erich Herrmann gegen den Steg aus. Hans Rothenbühler stimmte nach finanziellen Zugeständnissen zu. Der Anteil Luterbachs soll den symbolischen Franken nicht übersteigen. Die übrigen Gemeinderäte, und damit die Mehrheit votierte für den Steg.