Drei Höfe
Gemeinde prüft Kauf eines Teilareales der Firma Wyss

Der Gemeinderat der Drei Höfe möchte ein Landstück von 11'000 Quadratmetern von der Firma Wyss kaufen. Angedacht ist, das Areal in eine Wohnzone W2 zu überführen. Die Gemeindeversammlung hat zugestimmt, das Projekt weiterzuverfolgen.

Patric Schild
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Das Teilgebiet der Firma Wyss, auf dem noch mehrere Gewächshäuser stehen, soll in Wohnzone eingezont werden.

Das Teilgebiet der Firma Wyss, auf dem noch mehrere Gewächshäuser stehen, soll in Wohnzone eingezont werden.

Urs Byland

Im Zuge der Genehmigung des räumlichen Leitbildes der Gemeinde Drei Höfe durch die Stimmberechtigten im Jahr 2016 behielt sich der Souverän vor, im Falle von Veränderungen auf dem Areal der Firma Wyss Samen + Pflanzen AG aktiv mitzureden. Im Rahmen der Ortsplanungsrevision hat sich der Gemeinderat mit dem Grundstück befasst und ist nun mit einer möglichen Idee an die Gemeindeversammlung gelangt.

Konkret geht es um jenen Bereich des «Chrüzfeld»-Areals, welcher der Gewerbezone zugeteilt ist. Dieses umfasst ein Gebiet von 11'000 Quadratmetern. Zudem ist die Nutzung begrenzt und nur auf den Gartenbau zugelassen. Der weitaus grössere Teil liegt in der Landwirtschaftszone und verbleibt als solcher auch im Besitz der Wyss AG. Für eine Weiterführung des Gewerbegebiets besteht von Seiten der Firma jedoch kein Interesse mehr, da die zuvor am Standort betriebene Pflanzenaufzucht in der Schweiz wirtschaftlich nicht mehr rentabel ist.

Aktuell wird das Gelände zur Zwischennutzung als CBD-Hanfplantage genutzt, was der Gemeinde aber mehr Probleme als Nutzen beschere. Wie also weiter mit der Gärtnereizone? Zumal das Gelände mit seinen alten Treibhäusern auch nicht gerade eine Augenweide darstellt, wie Uriel Kramer vom Ingenieurbüro W+H AG aus Biberist anmerkte.

Wohnzone statt «normale» Gewerbezone

Angedacht war eine Umnutzung in eine «normale» Gewerbezone. Dies hätte für die Gemeinde allerdings einen immensen Aufwand in Sachen Infrastruktur und damit verbundene hohe Kosten nach sich gezogen. Grund dafür sind die Auflagen betreffend Löschwasserschutz. So sei Löschwasser im gesamten Gemeindegebiet eher spärlich vorhanden, und die Gärtnereizone befinde sich erst noch ganz am Rande der Wasserversorgung. «Für eine Wohnzone reicht es aus, aber eine Gewerbezone braucht eine dreifach höhere Löschwassermenge», erklärt Kramer.

Daher soll eine Überführung in eine Wohnzone W2 weiterverfolgt werden. In diesem Zusammenhang möchte der Gemeinderat die 11'000 Quadratmeter von der Firma Wyss erwerben. Die Verhandlungen haben ergeben, dass ein Kauf durch die Gemeinde für 1.28 Mio. Franken möglich wäre.

Der Vorteil eines Erwerbs liegt darin, dass die Gemeinde die weitere Entwicklung selber steuern kann. Andernfalls besteht das Risiko, dass ein Immobilieninteressent das Grundstück kauft, der das Land wiederum möglichst rasch komplett überbauen will. «Im Rahmen der Ortsplanung möchte man aber lieber eine kontinuierliche Entwicklung als einen sprunghaften Anstieg», so Kramer.

Zumal das Gebiet ein Potenzial von bis zu 50 neuen Einwohnern für die 750-Seelen-Gemeinde birgt. Die Gemeinde würde dabei nicht als Immobilienhändlerin auftreten, sondern das Land baureif gestalten und anschliessend stückweise an Bauinteressenten weiterverkaufen. Das Vorgehen wurde von den Stimmberechtigten grossmehrheitlich gutgeheissen. Somit kann der Rat das Projekt weiterverfolgen, und er wird voraussichtlich im Frühjahr die Bevölkerung erneut informieren.

Budget mit Überschuss im Ertrag

Finanzverwalter Andreas Winistörfer wurde nach 20 Jahren im Dienst der Gemeinde mit Applaus in die Pension verabschiedet. Seine Nachfolge wird Jacqueline Wenger antreten. Sie verlässt hierfür nach drei Jahren den Gemeinderat. Zuvor durfte Winistörfer noch zum letzten Mal das Budget präsentieren.

Das Budget 2021 weist Aufwände in der Höhe von 3,09 Mio. und Erträge von 3,18 Mio. Franken auf, wodurch ein Ertragsüberschuss von 90'947 Franken resultiert. Das positive Ergebnis kam vor allem aufgrund der Auflösung der Neubewertungsreserven in der Höhe von 158'000 Franken zustande. Die Neubewertungsreserven wurden im Zuge des Übergangs von HRM I zu HRM II geschaffen. Das dadurch entstandene Depot von rund 778'000 Franken wird ab 2021 in einem Zeitrahmen von 5 Jahren Schritt für Schritt aufgelöst. Mit Verweis auf den Finanzplan ermahnte Christoph Kaufmann die Gemeinde sorgfältig zu haushalten.

Zwar verfügen die Drei Höfe im Moment über eine gesunde Finanzlage, doch mit Blick auf die Zukunft gebe es einige unsichere Faktoren. Einerseits würde die Auflösung der Neubewertungsreserven die Ertragslage der Gemeinde in den nächsten fünf Jahren enorm beschönigen. Andererseits bestehe beim Finanzausgleich seit einigen Jahren eine Besitzstandswahrung von 260'000 Franken, die eines Tages wegfallen werde. «Dann werden wir jährlich rund 300'000 Franken Verlust machen», sagt Kaufmann. Bis Ende 2019 haben die Drei Höfe noch über ein feudales Nettovermögen von 7200 Franken pro Kopf verfügt. Dieses werde im Jahre 2025 jedoch auf unter 3000 Franken sinken, sollte es so weitergehen.

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