Subingen
Gemeinde plant ein neues Zentrum mit Läden, Dorfplatz und 100 Wohnungen

Im Wasserämter Dorf gibt es derzeit noch 10 Bauplätze, von denen jedoch keiner auf dem Markt ist. Deshalb soll in den nächsten 15 Jahren der Ortskern entwickelt werden.

Christof Ramser
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Die Gemeindeversammlung spricht 8,5 Millionen Franken zum Kauf von Liegenschaften im Dorfkern. Dort soll ein gestaltetes Dorfzentrum mit Wohnhäusern, Geschäften und öffentlichen Einrichtungen entwickelt werden.

Die Gemeindeversammlung spricht 8,5 Millionen Franken zum Kauf von Liegenschaften im Dorfkern. Dort soll ein gestaltetes Dorfzentrum mit Wohnhäusern, Geschäften und öffentlichen Einrichtungen entwickelt werden.

Illustration: zvg/AZ

Innere Verdichtung heisst das Zauberwort. Was seit 2013 im eidgenössischen Raumplanungsgesetz verankert ist, schlägt nun allenthalben auf Kantone und Gemeinden durch. Um die Zersiedelung der Landschaft einzudämmen, soll Landwirtschaftsland besser geschützt werden. Wer Wachstum will, muss das bestehende Siedlungsgebiet verdichten. «Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt und wollen die Weichen für die Zukunft stellen», sagte Gemeindepräsident Hans Ruedi Ingold am Montagabend vor der Subinger Gemeindeversammlung. Im Wasserämter Dorf gibt es derzeit noch 10 Bauplätze, von denen jedoch keiner auf dem Markt ist. Deshalb soll in den nächsten 15 Jahren der Ortskern entwickelt werden. «Damit Subingen für junge Einwohner und Familien attraktiv bleibt», so Ingold. Sonst drohe der Gemeinde bald eine Überalterung.

«Im Zentrum brodelt es»

Im Fokus steht das Dreieck zwischen Luzernstrasse, Bahnhofstrasse und Sagibach mit 13 500 Quadratmetern Fläche. Dort stehen auf 12 Parzellen diverse Liegenschaften, deren Eigentümer in die Jahre gekommen seien, wusste Gemeinderat Michael Kummli. «Im Dorfzentrum brodelt es.» Viele Hausbesitzer liebäugelten mit einem Verkauf. Auch das Restaurant Kreuz, im Besitz einer Erbengemeinschaft, ist zu haben. Lasse man die Eigentümer gewähren, wolle jeder so viel Geld wie möglich aus dem Boden herausholen, so Kummli. Resultat wären hingewürfelte Mehrfamilienhäuser – eine Zersiedelung im Siedlungskern. Stattdessen soll die öffentliche Hand die Innenentwicklung leiten. Geplant sind Läden, ein Restaurant oder ein Café, ein Gemeindesaal sowie Wohnungen. Dazu haben zwei Architekturbüros Studien erstellt; wobei das städtebauliche Projekt eines Basler Büros als zu urban, sprich als zu dicht bebaut angesehen wird. Dieses sieht 9 bis 11 drei- bis fünfgeschossige Neubauten vor, flankiert von 60 oberirdischen Parkplätzen.

Für 8,5 Millionen aufkaufen

Auf mehr Sympathien stösst die Vision der Solothurner Flury und Rudolf Architekten. Diese sieht die Beibehaltung des Restaurants Kreuz vor, wobei fraglich ist, ob die Bausubstanz auch in Zukunft ausreicht. Eine Beiz, so ist man sich in Subingen einig, soll an diesem Ort erhalten bleiben. «Wir wollen dort keinen Kebabladen», meinte Ingold. Die favorisierte Studie sieht zudem einen Dorfplatz vor, auf den hinaus künftig die Gartenwirtschaft eingerichtet werden könnte. Auch das Café Flury könnte weitergeführt werden. Der Dorfplatz sei die Stärke des Projekts, zumal dort die Maichilbi und die Fasnacht gefeiert werden könnten. Kommt hinzu, dass das Solothurner Projekt mit vier bis fünf bis zu viergeschossigen Bauten viel weniger städtisch wirkt. «Wir sind überzeugt, dass dies für das Dorf besser verträglich ist», sagte Ortsplaner Uriel Kramer. Allerdings ist durch die kleinere Bruttogeschossfläche und die geringere Dichte auch die Wirtschaftlichkeit tiefer.

Um den Boden für die Überbauung zu legen, will die Gemeinde die Liegenschaften für maximal 8,5 Millionen Franken aufkaufen und abreissen. Die finanziellen Auswirkungen sind laut Finanzverwalter Roland Kummli verträglich. Weder das Vermögen noch der Steuerfuss würden deswegen angetastet. Auch auf den Finanzausgleich würde sich der Häuserkauf nicht negativ auswirken. Nächstes Jahr fliessen vom Kanton 880'000 Franken Ausgleichszahlungen nach Subingen.

Investorin steht bereit

Offen ist, ob die Grundeigentümer mitmachen. Nach ersten Gesprächen zeigt sich Hans Ruedi Ingold zuversichtlich. «Wir glauben, dass wir an ein Ziel kommen werden.» Wer nicht verkaufen wolle, könne alternativ seine Liegenschaft in die Planung einbringen und einen Teil der Neubauten übernehmen. Klar ist: Die Vision wird nur Realität, wenn ein Grossteil der Landbesitzer mitzieht. Für Ingold steht zudem fest, dass die Gemeinde weder zur Landspekulantin verkommt noch im «Kreuz» wirten werde. Stattdessen sollen umgehend Dritte in die Realisierung der rund 100 Wohnungen einbezogen werden. Bereits zeige eine Investorin konkretes Interesse, versicherte Ingold, ohne den Namen nennen zu können.

Bei den 89 anwesenden Stimmberechtigten stiess die Vision auf Zustimmung. Offene Fragen bestehen bei der Verzinsung des Kredites sowie beim zusätzlichen Verkehr. Noch wisse man nicht, wie viele Fahrten die Überbauung auslöst. Ingold erhofft sich eine Aufwertung der Bahnhofstrasse, allenfalls durch eine Temposenkung. Eine Einwohnerin wollte wissen, ob sich die Gemeinde für Alterswohnungen einsetzen wird. «Wir wollen Wohnungen für den dritten Lebensabschnitt», bekräftigte Ingold. Das gab Zuspruch im Plenum. «Macht weiter so», war zu hören.

Schwarze Null in Aussicht

Gutgeheissen wurde an der Gemeindeversammlung das Budget mit einem Ertragsüberschuss von 12'000 Franken. Der Steuersatz bleibt bei 128 Prozent. Die diversen Neubauten schlagen sich auf der Einnahmenseite nieder. Seit 1997 wuchsen die Steuereingänge in Subingen insgesamt von 4,5 Millionen auf 10 Millionen Franken an. Rückgängig sind seit Jahren die Firmensteuererträge. Genehmigt wurde der Beitritt zur neuen Zivilschutzorganisation Aare Süd. Diese soll 2019 starten und umfasst mit dem Wasseramt und dem Bucheggberg gegen 60'000 Einwohner. Ausserdem hat die Gemeindeversammlung die Dienst- und Gehaltsordnung angepasst, um eine Nachfolge für Bauverwalter Hans Ruedi Ingold aufzugleisen, der nächstes Jahr pensioniert wird. Zudem wurde eine Senkung der Abwassergebühren beschlossen. Genehmigt wurde schliesslich der Kauf eines neuen Atemschutzfahrzeugs für 246 000 Franken. (crs)