2011 hat die SP Derendingen eine Motion eingereicht, um das Label Energiestadt zu erlangen. Die Gemeindeversammlung hat dieses erheblich erklärt, weshalb der Gemeinderat eine Vorlage aufgegleist hat. Die Arbeit wurde aber durch den Fusionsprozess Solothurn Top 5 unterbrochen.

Nun scheint das Projekt wieder zum Leben zu erwachen. Christian Leuenberger, Energiestadtberater, und Monika Tschannen, Regionalleiterin Nordwestschweiz, besuchten den Gemeinderat, um nochmals über das Projekt zu informieren. Mit dem Label werden Gemeinden ausgezeichnet, die eine «fortschrittliche Energiepolitik» fördern. Dabei gibt der Trägerverein Energiestadt 54 Massnahmen vor, von denen 50 Prozent umgesetzt oder beschlossen werden müssen. Den Fokus lege die Gemeinde selbst fest.

Diese Massnahmen seien «Dinge, die die Gemeinden sowieso tun», erklärte Tschannen. Dazu gehörten etwa Sanierungen von Gemeindegebäuden. Wozu dann ein Label? Hinter diesem steht der Trägerverein Energiestadt, der Unterstützung bietet. Als Mitglied bezahlt die Gemeinde jährlich 2600 Franken. Dafür erhält sie Hilfsmittel, wie Coaching und Computerprogramme. Die Planung der Massnahmen wird anteilsmässig durch den Verein bezahlt, das Jahresgehalt für den Energiestadtberater übernimmt dieser vollständig.

Bereits 43 Prozent umgesetzt

Eine erste Abklärung habe ergeben, so Leuenberger, dass Derendingen bereits 43 Prozent der Massnahmen umgesetzt habe. Der Wert könne mit kurzfristigen Massnahmen gesteigert werden, etwa mit einer Energieplanung. Eine solche Planung nutze beispielsweise jenen Gemeinden, die mehrere Energienetze hätten. So könne verhindert werden, dass die Netze einander konkurrieren.

Sollte die Gemeindeversammlung die Vorlage annehmen und Derendingen den Schwellenwert von 50 Prozent erreichen, würde Phase 2, die Zertifizierung, erfolgen. Dabei wird das Zertifikat vom Trägerverein vergeben. Hat die Gemeinde das erreicht, kann sie sich aber nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, denn alle vier Jahre erfolgt eine Re-Zertifizierung. Wie Tschannen betonte, sei es von Vorteil, wenn die Bevölkerung aktiv einbezogen werde.

So können etwa Workshops oder auch Bonusbeiträge für Eigentümer angeboten werden. Dies schaffe Anreize für Investitionen, etwa in Sanierungen von Heizungen. Da diese Investitionen in der Region getätigt werden, könne die Wirtschaft gestärkt und Arbeitsplätze gesichert werden. Das Engagement habe also nicht nur Vorteile im Bereich Energie. 

Wie Gemeindepräsident Kuno Tschumi auf Anfrage erklärte, sei der Rat derzeit gespalten. Die einen begrüssen die Verfolgung des Labels, die anderen betonen, man sei in der Energiepolitik schon auf einem sehr guten Weg. Sie befürchten durch das Label Einschränkungen und Mehrbelastungen. Der Rat wird nun eine Vorlage ausarbeiten und der Gemeindeversammlung vorlegen.

Gerechtere Anschlussgebühren

Im Anschluss an die Information hielt der Gemeinderat seine ordentliche Sitzung ab. Dabei informierte Roger Spichiger, Leiter Bau und Planung, dass einige Unternehmen unverhältnismässig hohe Anschlussgebühren bezahlen müssten. Dies, da die Gebühren nach der Fläche berechnet würden. Um für gerechtere Anschlussgebühren zu sorgen, werde seit 2010 mit einem provisorischen Arbeitspapier gearbeitet.

Dieses neue Reglement «Grundeigentümerbeiträge und –gebühren» muss aber noch von der Gemeindeversammlung und vom Regierungsrat genehmigt werden, weshalb einige Rechnungen für die Anschlussgebühren erst als Akonto-Rechnungen ausgestellt werden konnten. Der Gemeinderat hat das Reglement samt Gebührentarif genehmigt und wird dieses der Gemeindeversammlung vorlegen. Im gleichen Zug hat der Rat die Senkung der Verbrauchsgebühren für Frischwasser auf 1.00 Franken gesenkt, um nicht noch mehr Geld in der Spezialfinanzierung anzuhäufen.