Zuchwil

«Gelesen wird noch immer, aber anders»: Gemeindebibliothek feiert 100-Jahre-jubiläum

1500 Leserinnen und Leser sind heute bei der Gemeindebibliothek registriert.

1500 Leserinnen und Leser sind heute bei der Gemeindebibliothek registriert.

Die Gemeindebibliothek Zuchwil ist 100 Jahre alt und feiert dies an der Erzählnacht am kommenden Freitag.

Eigentlich ist es einem Zufall zu verdanken, dass die Gemeindebibliothek Zuchwil am kommenden Freitag, anlässlich der Erzählnacht, ihr 100-Jahre-Jubiläum feiert. 26 Jahre lang haben sich Esther Bichsel und Ruth Röthlisberger um die Leitung der Bibliothek gekümmert. Seit Juni 2019 ist Röthlisberger aber pensioniert – und beim Aufräumen ihrer Unterlagen ist ihr ein Hinweis auf das Gemeinderatsprotokoll vom 20. November 1919 in die Hände gefallen. Darin steht: «Von Johann Siegenthaler wird der Antrag eingebracht, die in kleinem Umfang schon bestehende Volksbibliothek auf Kosten der Gemeinde zu erweitern. Durch sofortige Anschaffung vermehrter Bücher.»

Diese erste schriftliche Erwähnung der Bibliothek Zuchwil zeigt, dass diese sogar noch länger besteht. Damals wurde vom Gemeinderat ein Kredit von 500 Franken genehmigt. Lehrer Oskar Schenker, den man zum Bibliothekar ernannte, wurde ermächtigt, in ein paar Schränken in einem Schulzimmer im Pisoni-Schulhaus eine kleine Bibliothek einzurichten.

Neue Medien haben Einzug gehalten

Steht man heute in der Gemeindebibliothek in Zuchwil, wird einem bewusst, dass nicht nur viele Jahre, sondern medientechnisch auch Welten zwischen der ersten und der aktuellen Bibliothek liegen. Bestand das Angebot zu Beginn aus ein paar Handvoll Büchern, so stehen heute rund 18 000 Bücher, DVDs, Hörbücher, Spiele und Zeitschriften zur Verfügung. Auch das Leseverhalten hat sich geändert. Ruth Röthlisberger und Esther Bichsel sind sich einig: «Gelesen wird immer noch, aber anders als früher. Anstatt ein Lexikon zur Hand zu nehmen, fragt man Google – und Romane werden auch auf dem E-Reader gelesen.» Was sich aber nicht geändert hat: Das spezielle Gefühl, wenn man ein Buch in die Hand nimmt, darin blättert und überlegt, ob es genau dieses Exemplar ist, welches einen in den nächsten Tagen in seinen Bann ziehen soll. Oder die Ruhe, die ein Kind ausstrahlt, wenn es sich lesend in eine andere Welt hineinziehen lässt.

Bis 1994 blieb die Bibliothek im Pisoni-Schulhaus, danach wechselte sie in den Lindensaal. 96 Leserinnen und Leser waren damals registriert, heute sind es 1500. Und auch das Angebot wurde ausgebaut. «Wir informieren uns, was aktuell ist. Und wir kennen unsere Leserinnen und Leser so gut, dass wir beim Kauf eines Buches schon eine Vorstellung haben, wer dieses Buch als erstes in den Händen halten wird», erklärt Esther Bichsel, die die Bibliothek zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen führt.

Schnell wurde es auch im Lindensaal zu eng. Der Bau des Kijuzu war darum ein Glücksfall: Räumlichkeiten für die Bibliothek wurden von Anfang an eingeplant und die Kombination von Jugendzentrum, Mütter-/Väterberatung und Spielplatz sei ideal: «Die Bibliothek ist ein sozialer Treffpunkt, wo das Kleinkind der 90-jährigen Frau begegnet – und wo sich Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen über den Weg laufen.» Darum will die Bibliothek mit einem breiten Angebot viele Menschen erreichen. Das Projekt Buchstart wird gepflegt und Zuchwiler Schulklassen besuchen regelmässig die Bibliothek.

Ein Highlight ist die jährliche Erzählnacht, welche sich in Zuchwil zu einem wichtigen kulturellen Anlass entwickelt hat: «Bis zu 300 Leute hören unseren Erzählerinnen zu, wenn sie Geschichten für Jung und Alt erzählen.» Aus diesem Grund habe man beschlossen, das Jubiläum im Rahmen dieses Anlasses zu feiern. Am 8. November können Kinder und Erwachsene darum nicht nur Geschichten lauschen, sondern es gibt zusätzlich noch ein paar Überraschungen.

Nachhaltige Erlebnisse bleiben

Rückblickend hat Ruth Röthlisberger viele gute Erinnerungen an die Bibliotheks-Zeit. Es hat sie immer gefreut zu sehen, wie Kinder Schritt für Schritt Freude am Lesen entwickeln: «Und wenn uns dann unverhofft ein junger Mann schreibt, dass er sich als Erwachsener gerne an die Märlistunden in der Bibliothek erinnert, dann wird bewusst, was Bücher und Geschichten für eine nachhaltige Wirkung haben können.»

www.kijuzu.ch

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