Der Verein Pro Wasseramt führte lange Zeit ein kümmerliches Dasein. Das sollte sich ändern, als vor einigen Jahren Recherswils Gemeindepräsident Hardy Jäggi das Präsidium übernahm. Doch nun fordert Jürg Krämer, Gründer des Vereins, 20'000 Franken von Pro Wasseramt. Denn dem Vorstand rund um das Präsidium von Hardy Jäggi sei es gelungen, neue Gelder für den Verein zu generieren. Deshalb sei es nur gut und recht, wenn zuerst die alte Schuld beglichen wird, bevor neue Tätigkeiten aufgenommen werden sollen.

Unterstützung erhält Krämer beispielsweise von Marco Vescovi, Mitgründer des Vereins, der inzwischen aber ausgetreten ist. Vescovi schreibt Krämer: «Wir alle wussten, dass Du als Präsident (ehrenamtlich) und als Firma (im Auftrag des Vorstandes) viel geleistet hast.» Auch Urs Linder, ehemals Vorstandsmitglied, bestätigt schriftlich, dass Krämer immer wieder seine Forderungen gegenüber dem Verein zurück gestellt habe. «Nun bin ich der Meinung: der Verein hat viele finanzielle Almosen erhalten, und es scheint, als sei er wenigstens finanziell aus seinem Dornröschenschlaf erwacht.» Es sei Krämers Recht, seine früheren Aufwendungen und Kosten einzufordern.

Auf Granit stösst Jürg Krämer mit seiner Forderung bei Vereinspräsident Hardy Jäggi. «Ich habe nirgends Verträge oder Aufträge gefunden, insofern bestreiten wir diese Forderung, bis Krämer sie richtig belegt hat. Ich habe ihn deswegen schon mit eingeschriebenen Briefen avisiert, ohne Rückmeldung zu erhalten.» Auch stimme es nicht, dass der Verein neue Gelder erhalten habe. «Die dazugestossenen Einwohnergemeinden zahlen je 80 Franken pro Jahr, und für die Repla könnten wir ein Projekt übernehmen zur Förderung des ländlichen Raums, das mit 10 000 Franken alimentiert würde.»

Weg von Krämers Internetseiten

Das Einfordern der alten Schuld ist das eine. Das andere ist die Zielsetzung des Vereins. Diese entspricht nicht mehr den Ideen der Gründer. Dazu schreibt der frühere Vorständler Linder im Brief an Krämer: «Unser Ziel war es immer, mit dem Tourismus und Gastgewerbe das Wasseramt als attraktives Kleinod für jeden Ausflug ins Mittelland zu präsentieren. Ich glaube, dass sich die Politik nun durchgesetzt hat und der Verein ein politisches Podium für die Präsentation von anderen Interessen gebraucht wird.» Hardy Jäggi meint wenig unzimperlich: «Der Verein war ein Vehikel für Herrn Krämers unzählige Internetportale. Viele Jahre war er der Verein, und die Gemeinden wollten nichts mit ihm zu tun haben.» Mit dem Repla-Projekt habe er aber die Gemeinden überzeugen können, dem Verein beizutreten. Im sechsköpfigen Vorstand wirken heute eine Gemeindepräsidentin und vier Gemeindepräsidenten aus dem Wasseramt mit. «Als Krämer mich als Präsidenten holte, habe ich ihm gesagt, dass der Verein Pro Wasseramt nicht mehr auf die Schiene Tourismus setzen werde. Heute wirken wir als Standortförderung für das Wasseramt. Wir wollen weg von den Suchmaschinen Krämers hin zu einem Internetportal Wasseramt.»

«Pseudokomitee»

Obwohl der Verein Pro Wasseramt eine eigene Internetseite hat, kommt man auf der Suche nach Angeboten im Wasseramt nicht an den Internetportalen von Jürg Krämer vorbei. Dort wird auch immer wieder Werbung für Markus Grütter gemacht. Grütter war Präsident des Patronatskomitees des Vereins Pro Wasseramt. Auch Grütter hat sich in die Auseinandersetzung eingebracht – an der Seite von Jürg Krämer. In einer Mail schreibt er Krämer: «Was ist eigentlich los bei Pro Wasseramt? Ihr scheint total inaktiv geworden zu sein.» Grütter kritisiert die Website, bemerkt dass die Zusammenarbeit zwischen Verein und Krämer nicht mehr vorhanden ist, dass gar das Patronatskomitee abgeschafft scheine. Und er fordert Krämer auf: «Könntest Du in Deiner Eigenschaft als Initiator des Vereins mich gelegentlich aufklären?» Weshalb sich Grütter direkt an Krämer und nicht den aktuellen Präsidenten richtete, sei zufällig geschehen, weil er gerade in Kontakt mit Krämer gestanden sei, so Markus Grütter. Und warum er auf seiner eigenen Internetseite der Verein Pro Wasseramt nicht mit deren Internetseite, sondern mit derjenigen von Jürg Krämer verlinkt ist, wird auch klar: «Weil Krämer meine Internetseite macht und damit die Verlinkungen.»
Zum Verein erklärt Markus Grütter: «Ich weiss nicht, was da los ist.» Er habe gehört, dass das Patronatskomitee abgeschafft worden sei, und er habe nun als Mitglied keine Einladung zur Generalversammlung erhalten. Jäggi widerspricht. «Das war ein Pseudokomitee, das nie etwas für den Verein gemacht hat. Wir haben es vor vier Jahren im Vorstand im Beisein von Jürg Krämer aufgelöst.»

Kommt es zur Vertrauensfrage?

Es sei seine letzte Möglichkeit zu mobilisieren, begründet Krämer seine Forderung an den Verein. «Wir haben bis jetzt mit unserer Arbeit und unserem Geld bezahlt», sagt er. Nun soll «das Gewerbe aus dem Verein gedrängt werden». Wird seine Schuld nicht beglichen, werde er weitere Ungereimtheiten auf den Tisch bringen. An der bald stattfindenden Generalversammlung würden möglicherweise nicht nur die Schulden des Vereins gegenüber Krämer thematisiert. Er habe einen entsprechenden Antrag rechtzeitig gestellt. An der Versammlung könnte es soweit kommen, dass sich der Vorstand der Vertrauensfrage stellen muss. Hardy Jäggi glaubt auch schon zu wissen, wen Krämer zum Präsidenten vorgeschlagen würde, sollte er die Vertrauensfrage gewinnen – Markus Grütter.