Inkwilersee
Gegen Verlandung soll 15'000 Kubikmeter Sediment abgesaugt werden

Die Kantone Solothurn und Bern erlauben ökologisch schwerwiegende Eingriffe beim Inkwilersee.

Rahel Meier
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2105 wurde versuchsweise Sediment im Inkwilersee abgesaugt. Die Leitung wurde bereits im Herbst 2014 erstellt.

2105 wurde versuchsweise Sediment im Inkwilersee abgesaugt. Die Leitung wurde bereits im Herbst 2014 erstellt.

Rahel Meier

Im Winter 2014/15 wurde im Inkwilersee versuchsweise mit einem Saugbagger Sediment entnommen. Der Versuch brachte wichtige Erkenntnisse für die Erarbeitung der kantonalen Nutzungsplanung für die Sanierung des Sees. Im Dezember hat der Solothurner Regierungsrat die Planung, mit der die Sedimententnahme geregelt wird, genehmigt. Gleichzeitig wurden auf der Solothurner Seite des Sees der Perimeter des Schutzreservates erweitert und die Schutzbestimmungen angepasst.

Im Kanton Bern braucht es für die Sanierung ein Baubewilligungsverfahren, das bereits durchgeführt wurde. Die Nutzungsplanung wurde von den Kantonen Bern und Solothurn in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden Bolken, Etziken und Inkwil sowie diversen Natur- und Landschaftsschutzvereinen erarbeitet. Zusätzlich fand im Mai 2017 eine Mitwirkung statt, in der sich alle nochmals äussern konnten.

15 Eingaben wurden in der Mitwirkungsfrist eingereicht. Geäussert haben sich neben Privatleuten auch der Fischereiverein Inkwil, Pro Natura und der Gemeinderat Inkwil. Die Bandbreite der Anliegen, die eingereicht wurden, war breit. So ging es unter anderem um das einzuführende Velofahrverbot rund um den See oder die Entkrautung des Siphons beim Auslauf des Sees.

Der technische Bericht, der zur Nutzungsplanung gehört, wurde nach der Mitwirkung mit Aussagen zum Notfallkonzept ergänzt. Dabei geht es beispielsweise um die Folgen eines Unfalls des Saugbaggers auf dem See und die Folgen, falls Treibstoff ausläuft. Explizit ergänzt wurde auch, dass die Seegasse in Inkwil nicht mit grossen Lastwagen befahren werden darf.

Tiefste Stelle misst 5,2 Meter

Der Inkwilersee ist durchschnittlich nur noch 2,5 Meter tief und verlandet 20- bis 30-mal schneller, als das normalerweise geschehen würde. Die Verlandung wurde durch die hohen Nährstoffeinträge aus der Siedlungsentwässerung und die intensive landwirtschaftliche Nutzung des Einzugsgebietes zusätzlich begünstigt.

Im Jahr 2011 wurde das bestehende Sanierungskonzept überarbeitet. Einige der darin enthaltenen Massnahmen sind bereits umgesetzt und zeigen Wirkung. Die Sedimententnahme ist eine der drei Hauptmassnahmen. Tatsächlich hat sich über all die Jahre eine mächtige Faulschlammschicht im See gebildet. Ufernahe Sedimentkernbohrungen zeigen Mächtigkeiten von bis zu sieben Metern Faulschlamm. Erst darunter folgen sandige, mineralische Schichten.

Aus diesem Grund soll in der ufernahen Zone auf einem 15 Meter breiten Streifen ein Meter in die Tiefe Sediment mit vorwiegend organischen Material abgesaugt werden. Zusätzlich gibt es damit in der sauerstoffarmen Zeit im Sommer mehr Platz für die Fische und weitere Lebewesen.

Bei den Arbeiten ist ein Abstand von zwei Metern zum Schilfgürtel einzuhalten. Ausgelassen werden die archäologischen Fundstellen und einige spezielle Schonbereiche für Flora und Fauna. Die Verantwortlichen rechnen mit 15'000 Kubikmeter Sediment, die entnommen werden.

Sediment für die Landwirtschaft

Das Sediment wird in sogenannten Geotubes entwässert und danach gelagert. Dafür ist ein Platz vorgesehen, der rund zweieinhalb Jahre lang mit den nötigen Installationen belegt werden kann. Das entwässerte organische Sediment soll später in der Landwirtschaft wieder verwertet werden.

Kommenden Oktober soll die erste Etappe der Sedimententnahme ausgeführt werden. «Die Arbeiten im See sind nur in den Wintermonaten möglich», erklärt Philipp Staufer (Abteilungsleiter Wasser, Amt für Umwelt Kanton Solothurn) den Zeitplan. Die Verantwortlichen in den Kantonen Bern und Solothurn rechnen damit, dass die Arbeiten auf zwei Jahre verteilt werden müssen. «Sollten es die meteorologischen Bedingungen zulassen, ist es aber möglich, dass die Sanierung in einem Schritt durchgeführt wird», meint Staufer. Bei längeren Zeitperioden mit einer mittleren Lufttemperatur um oder unter dem Gefrierpunkt müssen die Arbeiten eingestellt werden.

Fläche vernässen

Die Arbeiten um und im See stellen einen massiven Eingriff in der Ökologie dar. Aus diesem Grund sind vor allem auf dem Installationsplatz spezielle Bodenschutzmassnahmen auszuführen.

Weiter werden auf einer Parzelle in der sogenannten Seehostet, die dem Kanton gehört, Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen ausgeführt. In der Nordecke der Parzelle werden nach einer Erprobung Vernässungsflächen und Feuchtmulden realisiert. In diesem Bereich steht bereits heute häufig das Wasser. Die landwirtschaftliche Nutzung der umliegenden Grundstücke darf mit dieser Massnahme aber nicht beeinträchtigt werden. Zusätzlich wird auf der Parzelle eine Hecke angepflanzt.

Inkwilersee

Der Inkwilersee ist ein bekanntes und geschätztes Naherholungsgebiet. Der Solothurner Teil des Sees ist als Naturreservat ausgeschieden, das umliegende Gebiet als Vorranggebiet für Natur und Landschaft. Auf der Berner Seite ist der See als kommunales Landschaftsschutzgebiet asugeschieden.

Rund um den Inkwilersee können 38 Libellenarten festgestellt werden. Auch eine Vielzahl von Vogelarten ist dokumentiert: Unter anderem die Zwergdommel. Weiter gibt es im Inkwilersee eine ansehnliche Population von grossen Teichmuscheln und See- und Teichrosen, die geschützt sind.

Als einziger Standort im Kanton Solothurn kommt am Inkwilersee der doldenförmige Wasserschierling vor (auch Gift-Wasserschierling oder selten Wüterich genannt). Seit 2011 gehört der Inkwilersee wegen der archäologischen Funde aus der Pfahlbauerzeit zudem mit 155 weiteren Fundstellen zum Unesco-Weltkulturerbe. (rm)

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