Arbeitsgruppe
Gegen Negativschlaufe und das Empfingen «alle gegen Gerlafingen»

In Gerlafingen fanden seit 2012 Freiwillige zusammen, die die Situation der Gemeinde analysiert. Die Arbeitsgruppe Gemeindezukunft ist ein Bollwerk gegen Mutlosigkeit.

Gundi Klemm
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Vor zwei Jahren hat ein geplantes Asylzentrum in Gerlafingen für Aufregung gesorgt. Die Gemeinde entledigte sich des Problems, indem sie eine Planungszone über das entsprechende Gebiet errichtete. Zudem unterschrieben 5300 Personen eine Petition «Nein zum geplanten Asylzentrum im Gerlafingerhof».

Vor zwei Jahren hat ein geplantes Asylzentrum in Gerlafingen für Aufregung gesorgt. Die Gemeinde entledigte sich des Problems, indem sie eine Planungszone über das entsprechende Gebiet errichtete. Zudem unterschrieben 5300 Personen eine Petition «Nein zum geplanten Asylzentrum im Gerlafingerhof».

Urs Byland

2012 erlebte Gerlafingen eine schwierige Zeit: Der kommunale Haushalt rutschte ins Defizit, das Ranking einer Zeitung gab der Wasserämter Gemeinde schlechteste Noten, und zudem sollte in einem örtlichen Hotel eine grosse Asylunterkunft errichtet werden. Gegen dies alles revoltierte der Dorfgeist. Der Gemeinderat setzte daraufhin die Arbeitsgruppe «Gemeindezukunft» ein.

Freiwillig haben sich seither inspirierte Leute zusammengefunden, unter Mithilfe des im Ort ansässigen Unternehmensberaters Karl Kellenberger die Gerlafinger Situation einer tiefgehenden Analyse unterzogen und auf dieser Grundlage Visionen entwickelt.

«Aus dieser Negativschlaufe und dem Empfinden ‹alle gegen Gerlafingen› mussten wir dringend heraus», erinnert sich Gemeindepräsident Peter Jordi. Gemeinsam erkannte man, dass eine verbreitete Mutlosigkeit überwunden werden musste, damit wieder so etwas wie Zukunftsglauben entstehen konnte. Die Arbeitsgruppe, die mehrfach tagte und drei Untergruppen bildete, versteht sich seither als wichtiges emotionales Rückgrat, als Ansprechpartner für den Gemeinderat und als Ideenpool, in dem Informationen und Anregungen auch aus der Bevölkerung verarbeitet werden.

Inzwischen sehen die Gemeindefinanzen wieder besser aus, und mit guten Gründen konnte die Ansiedlung des Asylheims abgewehrt werden. «Das Ranking interessiert uns überhaupt nicht mehr, weil wir wissen, dass unser Dorf ein lebenswerter Ort ist», heisst es aus der Arbeitsgruppe Gemeindezukunft. Angestossen im Gemeinderat wurden zudem vielerlei Projekte insbesondere im Bauwesen, weil offenbar Investoren an Gerlafingen glauben.

«Den guten Geist weiter stärken»

Im Gespräch kamen die Gruppenmitglieder überein, dass die zahlreich eingebrachten Ideen weiter bearbeitet werden müssten, und man keineswegs an eine Auflösung der Gruppe denken dürfe. Dies gelte auch für die Mitarbeitenden in der Gruppe Liegenschaften, die dringend noch Verstärkung sucht.

Ihr Ziel ist es, das Dorfbild zu verschönern. Dazu besteht eine Prioritätenliste. Erste Diskussionen mit Eigentümern haben stattgefunden, und weitere Hausbesitzer sollen begrüsst werden, berichtete Roland Gisler.

Die Dorfzeitung kommt

Erfreulich ist eine erste Bilanz der Untergruppe Kommunikation. Anfang Mai wird die erste Gerlafinger Dorfzeitung produziert. Der Name ist noch geheim, aber sicher ist, dass sich das 16-seitige, professionell aufgemachte Blatt um interessante Themen und Persönlichkeiten aus dem Dorf drehen wird. «Wir wollen damit ein echtes Wir-Gefühl schaffen und nicht nur blosse Imagepolitur betreiben», sagte ein Gruppensprecher.

Um Dorfidentität und Zusammenhalt geht es auch in der Schulgruppe. Deren Mitglieder haben als Botschafterinnen und Botschafter bereits im letzten Jahr ihr Anliegen den Lehrerkollegien vorgestellt und einen Postenlauf mit Sechstklässlern veranstaltet, an dem charakteristische Punkte im Dorf und in der Industrie besucht wurden. Auf Wunsch der Heranwachsenden fand im Kulturkeller ein Kinoabend statt.

Weitere Aktivitäten, damit die Kinder auf ihren Wohnort stolz sein können, seien in Planung. «Und wir hoffen natürlich, dass die Schuljugend am Dorffest vom 8. bis 14. Juni begeistert mitmacht», ergänzte der Gemeindepräsident. Für diesen Grossanlass ist im Budget ein von keiner Seite bestrittener Kredit vorhanden. Präsent am Dorffest werden auch Angehörige der Arbeitsgruppen sein, um in einen Gedankenaustausch mit allen Interessierten zu gelangen, denen Gerlafingen am Herzen liegt.