«Auf einen Kaffee mit...»
Geflohen aus dem Kongo: Er wünscht sich die Schweizer Demokratie in seine Heimat

Luemba Ne Kongo ist ein gebürtiger Kongolese, der aus seiner Heimat fliehen musste. Der 38-Jährige erzählt über die Situation in Kongo und sein Leben in der Schweiz.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Luemba Ne Kongo (38) lebt in Lüterkofen und sorgt sich um seine Heimat.

Luemba Ne Kongo (38) lebt in Lüterkofen und sorgt sich um seine Heimat.

frb

Wir treffen uns mit Luemba Ne Kongo (38) zum Kaffee. Der studierte Pädagoge ist momentan ziemlich verzweifelt. Er stammt aus der Demokratischen Republik Kongo und lebt seit acht Jahren mit seiner Familie in der Schweiz, in Lüterkofen. Er habe damals fliehen müssen, weil er als Anhänger der «Bundu Dia Kongo»-Bewegung um sein Leben fürchtete, erzählt er in recht gutem Deutsch. Und auch jetzt wieder werden die Mitglieder der Bewegung verfolgt.

Die Rechte der Kongolesen

Die «Bundu Dia Kongo»-Bewegung, deren Leiter in der Schweiz Luemba Ne Kongo ist, will die Rechte und die Interessen der Kongolesen in der Demokratischen Republik Kongo aufrechterhalten. Sie ist dem christlich-evangelischen Glauben verpflichtet. Die Bewegung strebt die Einrichtung eines demokratischen Regierungssystems für das Land an und bemüht sich um die Beseitigung sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeiten. Die Bewegung wurde von Ne Muanda Nsemi 1969 gegründet und wird vom ihm bis heute geleitet. Sie verfügt über mehrere tausend Anhänger in Kinshasa und in der Bas-Kongo-Provinz. Vergangene Woche gab es Meldungen, wonach die Polizei mindestens acht Mitglieder dieser Bewegung tötete, manche Berichte sprechen von 20 Getöteten. (frb)

Luemba erklärt: «Der Führer unserer religiösen Bewegung kritisiert Präsident Joseph Kabila wegen der fehlenden Demokratie in meinem Land, und deshalb werden die Glaubensanhänger verfolgt.» In diesen Tagen kommen schlechte Nachrichten aus seinem Heimatland. «Der Führer unserer Bewegung steht unter Hausarrest zusammen mit rund 200 Anhängern.» Luemba befürchtet das Schlimmste. «Diese Menschen müssen schon seit Tagen ohne Wasser und Strom auf engstem Raum leben.»

Bodenschätze gehörten dem Volk

Der 38-Jährige erklärt, seiner Bewegung liege der christlich-evangelische Glaube zugrunde. Darüber hinaus ist jedoch die kongolesische Kultur und Herkunft besonders wichtig. Luemba sagt, Präsident Kabila stamme eigentlich aus Ruanda und habe deshalb gar kein Interesse daran, dass es dem kongolesischen Volk gut gehe. Den Präsidenten interessierten nur die reichen Bodenvorkommen des Landes. Mit deren Ausbeutung werden er und seine Regierung reich. Weltkonzerne sowie das Einverständnis von Politikern in Amerika und Europa helfen bei dieser Ausbeutung mit, ist Luemba überzeugt. «Das kongolesische Volk ist trotz des Bodenreichtums arm. Man stiehlt dem Volk seine Einkünfte, die ihm mit den wichtigen Bodenschätzen Kobalt, Kupfer und Coltan, zustehen würden.»

Das sind alles Stoffe, die zur Herstellung von Elektronikgeräten wie Handys gebraucht werden. Tatsächlich zählt der Staat trotz seines Rohstoffreichtums durch die jahrzehntelange Ausbeutung, die Korruption, Bürgerkriege und die ständige Bevölkerungszunahme heute zu den ärmsten Ländern der Erde. Beim Demokratieindex von 2014 nimmt das Land nur Platz 164 von 167 Rängen ein. Luemba möchte, dass die Leute hier in der Schweiz besser über das Schicksal des kongolesischen Volkes informiert werden. «Es ist traurig, aber es scheint die Leute nicht sonderlich zu interessieren.» Er habe schon viele offizielle Stellen informiert.

«Jeden Tag hören wir von den kriegerischen Handlungen in Syrien. Dabei geht es meinem Volk nicht besser.» Die schlimmen Nachrichten, die er derzeit über seine Heimat via Handy erhalte, belasten ihn. «Dabei müssen meine Informanten aufpassen, denn alles wird vom Staat kontrolliert.» Er selbst kann momentan auch gar nicht in sein Heimatland einreisen, er würde sofort verhaftet und möglicherweise auch umgebracht. Dabei hat er noch einen Bruder dort, der sich aber in einem kleinen Dorf versteckt hält. «Meine Mutter wurde 2006 getötet. Sonst habe ich keine Verwandten mehr dort.»

Sieben Sprachen

Seit einem Jahr besitzt Luemba die Aufenthaltsbewilligung F (vorläufige Aufnahme) für die Schweiz. Damit darf er endlich arbeiten. Doch noch ist er auf der Suche nach einem Job. «Ich habe keine Wünsche», sagt er, «ich würde eigentlich jede Arbeit annehmen.» Am liebsten aber wäre ihm eine Tätigkeit im kirchlichen Bereich oder ein Pensum als Übersetzer. Schliesslich spricht der Mann sieben Sprachen. «Doch fehlt mir für eine Stelle in einem dieser Bereiche ein in der Schweiz anerkanntes Zertifikat. Am besten wäre, jemand gäbe mir eine Chance, weil er mich kennt.»

Luemba ist aber trotzdem zufrieden mit seinem Leben in der Schweiz. Seine drei Kinder besuchen in Lüterkofen die Primarschule und haben keine Probleme, seine Frau kann momentan eine Weiterbildung als Pflegerin wahrnehmen. Und immer noch ist er erstaunt darüber, wie offen man hier seine Meinung sagen kann, ohne Angst haben zu müssen, ins Gefängnis geworfen zu werden. «Eine solche Demokratie wie hier in der Schweiz ist mein grösster Wunsch für meine Heimat.»