Ein Gefühl bekommen für Ortsplanung. Sensibilisieren. Das war das Ziel von Ladina Schaller und Reto Affolter an der Inputveranstaltung zur Ortsplanung. Beide arbeiten bei WAM Planer und Ingenieure AG. Sie als Raumplanerin, er als Projektleiter. Affolter ist zudem Ortsplaner von Luterbach.

Können die Einwohnerinnen und Einwohner von Luterbach noch ihre Ziele und Wünsche in der Revision einbringen, oder ist das meiste schon klar? Geregelt beispielsweise durch das Räumliche Leitbild, das Ende 2017 von der Gemeindeversammlung genehmigt wurde. In diese Richtung sprach Gemeinderat Jürg Nussbaumer, Ressort Planung und Umwelt. «Die Strategie ist klar. Wir schaffen Raum für maximal 4500 Einwohner in den nächsten 15 Jahren. Das wurde bereits im Räumlichen Leitbild festgelegt», sagte er.

Oder er wies darauf hin, dass der Gemeinderat bereits entschieden hat, ebenfalls auf Grundlage des Räumlichen Leitbildes, das in den 1950er-Jahren entstandene grosse Einfamilienhausquartier im Westen von Luterbach nicht anzurühren. «Mit der Ausnahme vielleicht, dass am Kanalweg oder an der Friedhofstrasse ein Stockwerk höher gebaut werden kann.»

Zeitreise durch Luterbach

Ortsplaner Reto Affolter widersprach. «Mit welcher Strategie wir die Ortsplanung revidieren, ist noch nicht definiert. Das ist abhängig von ihren Inputs. Die Strategien werden nun neu erarbeitet, beispielsweise in der Mitwirkungsphase zur Ortsplanungsrevision», wandte er sich an die Anwesenden. Mit einer Zeitreise durch die Ortskarte dokumentierten Affolter und Schaller die Veränderungen Luterbachs.

Mit dem Bau der Verbindungsstrasse von Luterbach nach Zuchwil und dem gleichzeitigen Bau des Kraftwerkes anfangs des 20. Jahrhunderts bildete sich im Westen von Luterbach eine Exklave. Ab Mitte des Jahrhunderts füllte sich der Raum zwischen dem Dorfkern und der Exklave mit Einfamilienhäusern. Ende des 20. Jahrhunderts wuchs Luterbach im Osten. Der Raum zwischen dem Affolterwald und dem Dorfkern wurde überbaut.

Zersiedlung stoppen

«Gebaut wird immer, das Dorf entwickelt sich weiter. Mit der Ortsplanung haben wir ein Instrument, bestimmte Ziele umzusetzen», so Reto Affolter. Er beantwortete damit eine Frage aus dem Publikum, in der befürchtet wird, dass ein unnützer Papiertiger entsteht. Beispielsweise soll der Zersiedlung Einhalt geboten werden, so Affolter weiter.

Das Schweizer Volk habe 2014 mit dem Raumplanungsgesetz einer Siedlungsentwicklung nach innen zugestimmt. «Im Gesetz steht Entwicklung nach innen und nicht Verdichtung, wie heute überall gesagt wird.» Konkret sollen bestehende Bauzonen besser ausgenutzt werden, aber unter Wahrung bestmöglicher Siedlungs- und Wohnqualität. So werde Kulturland geschützt.

Affolter erwähnt aber auch die Herausforderungen. «Der Boden wird knapp und damit auch teurer. Es gibt Interessenkonflikte der verschiedenen Akteure und das Verkehrsaufkommen wächst.» Gleichzeitig soll die Identität des Orts bewahrt werden, und es droht eine Verringerung der Freiräume sowie der Aussenraumqualität.

Unterschiedliche Dichten

Ladina Schaller und Reto Affolter erklärten Messwerte wie Bebauungsdichte (Anteil Wohnfläche im Verhältnis zu Grundfläche), Einwohnerdichte (Anzahl Bewohner zu Grundfläche), Wohnungsdichte (Anzahl Wohnungen zu Grundfläche) und Soziale Dichte (Intensität der Beziehungen zwischen den Bewohnern eines Quartiers).

Sie beschrieben Bebauungstypen vom Einfamilienhausquartier bis zum Hochhausquartier, und sie erläuterten Strategien der Veränderung von Wohngebieten wie Erhalten, beispielsweise von historischen Baustrukturen, Erneuern, Weiterentwickeln, Umstrukturieren bis hin zu Neuentwickeln, etwa einer Überbauung auf freiem Bauland.

Mit der Entwicklung nach innen werde auch das Verkehrsaufkommen wachsen, befürchtete eine Besucherin. Reto Affolter widersprach nicht, sagte aber, dass die Entwicklung verträglich gestaltet werden soll, was ebenfalls ein Ziel der Ortsplanungsrevision sei.

Gut 20 Personen der 3500-Seelen-Gemeinde besuchten den dritten Anlass in der Startphase der Ortsplanungsrevision. Bereits durchgeführt wurden zwei Dorfrundgänge. Am 17. September folgt eine Ausstellung zum Thema Planungsgrundlagen. Und am 24. Oktober hat die Planungs- und Umweltschutzkommission die Abschlussveranstaltung mit Workshop geplant.