Vor einem Monat wurden Ihnen per Gerichtsurteil alle landwirtschaftlichen Umbaupläne verboten. Wie geht es Ihnen inzwischen?

Vreni Antener: Wir haben keine Ahnung, wovon wir leben sollen. Ich schlafe seit dem Urteil nur noch zwei bis drei Stunden pro Nacht.

Wie geht es mit der Gästebewirtschaftung weiter?

Vreni Antener: Inzwischen beschied uns die Gemeinde Selzach, dass sie uns ab 2018 keine Anlassbewilligung mehr ausstellt. Damit wird neben der Mutterkuhhaltung, der Obstbaumplantage und dem modernisierten Gastro-Angebot unser zweites Standbein verunmöglicht. Wir dürfen überhaupt nichts mehr machen.

Hatten Sie stets eine Bewilligung für die Anlässe?

Simon Antener: In den ersten zwei, drei Jahren nicht. Aber damals führten wir rund fünf Anlässe pro Jahr durch. Als die Nachfrage stieg, hiess es beim Kanton: Wir tun nicht kompliziert, aber es ist gut, wenn wir Bescheid wissen. Da meldeten wir, dass wir von Anfang Mai bis Ende September Brunches, Apéros und Grillpartys durchführen. Dafür zahlten wir eine Pauschale. Möglicherweise war es ein Fehler, dass ich vor 20 Jahren kein Baugesuch bei der Gemeinde einreichte, als diese eines verlangte, weil wir den Platz umnutzen wollten. Wir wollten ja nichts bauen. Doch dadurch erhielten wir keine dauernde Wirtebewilligung.

Die Situation ist verfahren. Hätte man nicht mehr miteinander reden sollen?

Vreni Antener: Wir kennen in Selzach niemanden, wir haben dort keine Lobby. Möglicherweise waren die Gemeindebehörden von Selzach irritiert, nachdem sie einen Altersnachmittag bei uns durchführten. Damals kamen sehr viele Leute, unsere versprochenen Helfer tauchten erst am Schluss auf. So waren wir überfordert. Seitdem denkt man in Selzach, dass es bei uns immer so läuft. Aber das war eine Ausnahme.

Simon Antener: Wir haben die Gemeindepräsidentin und den Bauverwalter von Selzach mehrmals eingeladen, um sich die Situation anzuschauen. Sie kamen aber nie. Da sagte ich: Jetzt ist fertig.

Was bedeutet es finanziell, wenn Sie keine Anlässe mehr durchführen?

Simon Antener: Wir erzielen ein Einkommen wie ein Erstklasslehrer. Damit waren wir zufrieden. Mit der Nichtbewilligung der Anlässe fallen davon nun 40 Prozent weg. Alleine von der Landwirtschaft leben können wir nicht. Diese wird uns ja auch stark eingeschränkt. Wir sind so nicht überlebensfähig.

Ihre Kinder wollten den Betrieb übernehmen. Wie sieht ihre Zukunft aus?

Vreni Antener: Unser Sohn ist nun der «Löu» im Umzug. Er verbrachte jede freie Minute in der Obstplantage, jätete, schnitt, machte Kompost. Nun müssen wir alles ausreissen und schreddern. Wenn wir es nicht tun, wird es auf unsere Kosten ausgeführt.

Ihre Tochter wollte den Gastrobetrieb übernehmen. Was macht sie nun?

Simon Antener: Das wissen wir auch nicht. Sie hat zwar eine landwirtschaftliche Nachholbildung. Aber wenn es schon für uns beide nicht reicht, wie soll sie dann davon leben?

Wollen Sie nach der Pensionierung auf dem Inseli bleiben?

Simon Antener: Ja. Vorgesehen wäre, dass wir unten wohnen und die Tochter mit ihrer Familie im ersten Stock. Das Betriebskonzept weist ohne Gästebewirtung 136 Prozent auf. Davon wären 100 Prozent für die Tochter und 30 Prozent für den Junior vorgesehen. Wir würden die verbleibenden 6 Prozent übernehmen.

Sie leben in einer hochsensiblen Gegend. Die Witi ist umfassend geschützt. Das wussten Sie doch seit Jahren?

Vreni Antener: Meine Familie lebt seit 110 Jahren hier. Im Urteil steht, dass die Insel 1972 ein Naturreservat wurde. Vieles erhielten wir aber nie schriftlich.

Und wenn Sie statt auf Tourismus mehr auf biologischen Anbau setzen? Dafür gibt es Direktzahlungen.

Simon Antener: Drei Hektaren Blüemlimatte ergeben rund 9000 Franken. Davon soll man leben können? Zudem betreiben wir unseren Hof schon seit 20 Jahren biologisch. Auch die Obstanlage würden wir biologisch betreiben. Was wir nicht verstehen: Auf der Landseite darf bis 15 Meter ans Ufer Totalherbizid gespritzt werden. Auf der Insel wird 30 Meter Abstand gefordert.

Ziehen Sie das Urteil des Verwaltungsgerichts an das Bundesgericht weiter?

Vreni Antener: Höchstwahrscheinlich nicht. Das kostet nur viel, und die Aussicht auf Erfolg ist gering.

Simon Antener: Unser Anwalt verlangte vom Gericht eine Begehung vor Ort. Die fand nicht statt. Im Urteil steht, dass wir den bestehenden Stall abreissen müssen, wenn wir den Mutterkuhstall bauen. Doch der Stall ist ein Teil des Hauses, den können wir gar nicht abreissen. Bei einer Begehung hätte man dies gesehen. Ich glaube nicht, dass das Bundesgericht mehr Bodenhaftung hat als das Verwaltungsgericht.