Schon 2016 soll die Gemeinde Kammersrohr von der Bildfläche verschwinden. Der Gemeinderat der Mini-Kommune plant eine Fusion ab dem nächsten Jahr. Infrage kommen Feldbrunnen, Günsberg und Hubersdorf. Die Anfrage aus heiterem Himmel irritiert die möglichen Fusionspartner. «Das kam für uns zackig rüber», sagt der Gemeindepräsident von Günsberg, Thomas Jenni (parteilos). An der Gemeinderatssitzung vom Donnerstag habe man den Vorstoss zur Kenntnis genommen. Günsberg zeigt sich gesprächsbereit und wird das Thema an der Gemeinderatssitzung vom 11. Mai besprechen. Bis Anfang Juni will Kammersrohr wissen, ob Interesse besteht. Bereits am 15. Juni könnte die Gemeindeversammlung von Günsberg über das Eintreten auf die Fusion abstimmen.

«Finanziell wäre Kammersrohr eine Bereicherung», sagt Jenni angesichts des Vermögens von 900 000 Franken. Auch die guten Steuerzahler würde man nicht verschmähen. Kammersrohr hat einen rekordtiefen Steuerfuss von 60 Prozent. In Günsberg liegt er mit 116 Prozent fast doppelt so hoch. Geografisch würde ein Zusammenschluss eher passen. Ausserdem müsste die Gemeindeverwaltung wegen 33 neuen Einwohnern nicht aufgestockt werden.

«Vorgehen ist speziell»

«Das Vorgehen von Kammersrohr ist speziell», sagt Hubersdorfs Gemeindepräsident Andreas Rüegger (FDP). Am 7. Mai will er die Anfrage mit seinen Gemeinderatskollegen besprechen. Hubersdorf (mit einem Steuerfuss von 119 Prozent) sei offen für Gespräche. Zumal man in der Vergangenheit mehrfach Zusammenschlüsse mit anderen Gemeinden geprüft habe. Auch die knappe Million an Gemeindevermögen würde man natürlich nicht ablehnen. «Was wir halt nicht kennen, sind die Konsequenzen auf die Infrastruktur», so Rüegger. Bereits heute führt Hubersdorf die Einwohnerkontrolle für Kammersrohr. 

Am 11. Mai wird im Gemeinderat Feldbrunnen diskutiert, ob Interesse an einer Fusion besteht. «Bis Anfang Juni können wir sagen, ob wir bereit wären», sagt Gemeindepräsidentin Anita Panzer (FDP). Abgefahren ist der Zug für ein mögliches Eintreten auf das Geschäft an der kommenden Gemeindeversammlung. Diese findet in Feldbrunnen bereits am 19. Mai statt. So wäre eine ausserordentliche Versammlung nötig.

In diesem Jahr noch möglich

Weil Kammersrohr Schwierigkeiten anmeldet bei der Ämterbesetzung, ist auch der Kanton an einer Fusion interessiert. «Es ist wichtig, dass die Gemeinden funktionieren», sagt Dominik Fluri von der Koordinationsstelle Gemeindefusionen beim kantonalen Amt für Gemeinden. Der Zeitplan von Kammersrohr sei zwar knapp, aber nicht unmöglich. Das Gesetz schreibt einen Beschluss der Gemeindeversammlung vor, die über das Eintreten auf das Fusionsgeschäft abstimmt. Kommt dies zustande, folgt eine Urnenabstimmung. «Das wäre dieses Jahr noch möglich», sagt Fluri. Auch der Kantonsrat muss die Fusion bewilligen. Dies wäre aber auch Anfang 2016 noch möglich.

Es gebe Gemeinden, die bräuchten mehr Vorlaufzeit. Etwa wenn die Gemeindeordnungen sehr unterschiedlich sind. Da Kammersrohr seine Finanzverwaltung bereits nach Feldbrunnen und die Einwohnerkontrolle nach Hubersdorf ausgelagert hat, ist sie mit den möglichen Partnern bereits verbunden.

Keine Aussicht besteht auf einen finanziellen Zustupf des Kantons. Die Fusionsbeiträge wurden im Rahmen des kantonalen Sparpakets gestrichen.

«Wollen jetzt vorwärtsgehen»

Terry Spillmann räumt ein, dass der Zeitplan sportlich ist. «Kammersrohr möchte aber jetzt vorwärtsgehen.» Denn der 72-jährige macht sich Gedanken über einen Rücktritt. Spillmann ist überzeugt, dass Kammersrohr fast nur positive Eigenschaften zu bieten habe. Allen voran natürlich das Vermögen von 900 000 Franken. «Wir sind klein, bescheiden, und wir stehen gut da.» Und die Infrastruktur? Eine Strasse müsse saniert werden, ansonsten stünden keine grossen Investitionen an. In Verhandlungen will Kammersrohr den möglichen Partnern alles offenlegen, und dann am liebsten aus drei Gemeinden auswählen.

Bereits am 22. Juni soll die Gemeindeversammlung von Kammersrohr über das Eintreten auf die Fusionsvorlage abstimmen. Im Oktober soll das Geschäft an der Urne besiegelt werden. Immer vorausgesetzt, einer der drei möglichen Partner sagt ebenfalls Ja. «Davon gehen wir aus», sagt Spillmann.