Renaturierung
Für ökologische Aufwertung wird Staatsland gezielt vernässt

Beim Renaturierungsprojekt im Aeschimoos arbeiten Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand.

Rahel Meier
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Die Bedingungen für das Weiterbestehen der Torfflächen im Aeschimoos sollen durch das Unterbrechen der Drainagen verbessert werden.

Die Bedingungen für das Weiterbestehen der Torfflächen im Aeschimoos sollen durch das Unterbrechen der Drainagen verbessert werden.

Rahel Meier

Schon im Jahr 2009 gab es ein Projekt des Burgseevereins, das Aeschimoos ökologisch aufzuwerten. Erst zwei Jahre später fanden sich aber die kantonalen Fachstellen, die Einwohner- und die Bürgergemeinde und der Burgseeverein, nahmen das Projekt erneut auf und definierten ein gemeinsames Ziel. Dieses heisst: Der Abbau des Torfkörpers und die weitere Absenkung des Terrains sollen verhindert und die standortgerechte Artenvielfalt gefördert werden.

Ausserhalb des Staatslandes darf es dabei aber zu keinerlei neuen Vernässungen kommen, und die gesamte Fläche soll weiterhin in der landwirtschaftlichen Nutzfläche verbleiben. Ein Spezialbüro untersuchte daraufhin im Auftrag des Kantons das Aeschimoos und schlug geeignete Massnahmen vor.

Dabei wurde unter anderem ein Relief der Bodenoberfläche aufgezeichnet. So hat man gemerkt, erklärt Jonas Lüthy (Amt für Raumplanung, Projektleiter), dass man sich die Verteilung der Torfschicht rund um den See bisher falsch vorstellte. «Nahe des Sees ist der Torf praktisch verschwunden, während es in Richtung Aeschi mächtige, bis zu drei Meter tiefe Torfschichten gibt.»

Drainagen aufheben

Das Rezept für die Renaturierung ist eigentlich ganz einfach: An 62 Stellen müssen Drainagen unterbrochen werden. Die Werkeigentümerin, die Einwohnergemeinde Aeschi, ist mit diesem Vorgehen einverstanden. Auch das Amt für Landwirtschaft befürwortet die Massnahmen in diesem Fall. Mit einem Randgraben und einer Sickerleitung soll das Übergreifen von Vernässungen auf Nachbarparzellen verhindert werden.

Drainagen von ausserhalb sollen abgenommen und stellenweise in geschlossenen Leitungen in die Vorfluter geführt werden. Zwischen Erlenwäldli und Erlenschachen zerschneidet heute ein Flurweg das Aeschimoos. Dieser Weg soll aufgehoben werden. Weiter nördlich, entlang der Grenze des Staatslandes wird ein neuer Weg erstellt, der vor allem der Landwirtschaft dient. Damit der Rundweg um den Burgäschisee für Fussgänger weiterhin möglich bleibt, wird ein rund 135 Meter langer Holzsteg gebaut.

Von Anfang an wurden alle beteiligten Partner mit in die Erarbeitung des Projektes einbezogen. Immer wieder wurde informiert und Anregungen und Anliegen wurden soweit als möglich in die Planung mit einbezogen. Vom Start bis hin zum bewilligungsfähigen Projekt dauerte es fünf Jahre. Aus diesem Grund gab es nach der Auflage in der Gemeinde keine Einsprachen vonseiten der Bewirtschafter oder der angrenzenden Grundeigentümer.

Da das Projekt ausserhalb der Bauzone ausgeführt wird, hat die Gemeinde das Gesuch nun an den Kanton weitergeleitet. Hier wird es nochmals durch alle Fachstellen beurteilt. «Ich gehe davon aus, dass es auch hier keine Einwände mehr gibt, da sich die Fachstellen ja auch bereits einbringen konnten», so Lüthy. Der Einbezug aller Involvierten, hat aber am Zeitplan genagt.

Ursprünglich wollte man im August mit dem Bau beginnen. «Viel wichtiger als ein sportlicher Fahrplan ist uns jedoch ein Projekt mit einer breiten Mitwirkung, welches allseitig akzeptiert werden kann und die Wünsche und Anliegen der Einwohner- und Bürgergemeinde sowie der Pächter berücksichtigt.»

Zusätzlich wurde der Solothurner Bauernverband SOBV mit einer Studie zur zukünftigen Bewirtschaftung im Aeschimoos beauftragt. Parallel läuft ein weiteres Baugesuch der Bürgergemeinde Aeschi als Grundeigentümerin zur Aufhebung der Drainagen im Waldreservat Erlenschachen. Auch dieses Vorhaben dient der Renaturierung. Der weitere Fahrplan ist dann abhängig von der Erteilung der Baubewilligung sowie vom Verlauf der Witterung.

Aeschimoos und Erlenschachen

Das Aeschimoos wurde mehrmals durch die Absenkung des Seebachs entwässert. Letztmals wurde es im Rahmen der sogenannten Anbauschlacht in den Jahren 1942 und 1943 trocken gelegt. Damals wurde der Burgäschisee um rund zwei Meter abgesenkt. Während der Kriegsjahre und kurz danach konnten erfolgreich Kartoffeln angepflanzt werden. In der Zwischenzeit ist der Ackerbau schon lange eingestellt worden. Denn die Torfschicht begann sich zu zersetzen, und der Torfkörper bedeckt heute die darunter liegende unfruchtbare Seekreide stellenweise nur noch knapp.

Durch den Ackerbau erlitt auch die standortheimische Artenvielfalt grosse Verluste. Diverse Libellenarten, Braunkehlchen und Grauammer, verschwanden ebenso wie der Grauschierling, der wilde Reis, gelbliches und schwarzbraunes Zypergras, Fieberklee und diverse Hahnenfussarten, welche die früheren Feuchtwiesen und Wassergräben besiedelt hatten.

Mit einer Vereinbarung zwischen der Bürgergemeinde Aeschi, dem Kanton Solothurn und Pro Natura wurde das Erlenmoos 1992 zum Waldreservat und somit nicht mehr bewirtschaftet. Da das Land nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt wird, können die Drainagen dort problemlos aufgehoben werden.

1999 haben Bürgergemeinde und Kanton einen Landabtausch vorgenommen. Die seenahen Parzellen der Bürgergemeinde wurden gegen Ackerland des Kantons beim Gallishof getauscht. Die neuen Pachtverträge auf dem Staatsland im Aeschimoos lassen naturschützerische Gestaltungsmassnahmen ausdrücklich zu. Das gesamte Staatsland wird heute im kantonalen Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft als ungedüngtes Wiesland genutzt.

Auch der Burgseeverein setzt sich für die Artenvielfalt im Aeschimoos ein. So werden seit vielen Jahren am Seeufer Bäume gefällt und Sträucher ausgerissen, um das Röhricht zu fördern. Die Riedflächen werden regelmässig gepflegt. Deshalb brütet die sehr seltene Zwergdommel weiterhin am Burgäschisee. Mit einem speziell angepassten Unterhalt konnte zudem am Weissenstein-Kanal der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling gefördert werden. (rm)

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