Selzach
Für die Störche ein gedeckter Tisch: Hier liegt das modernste Biotop im Kanton

Eine der artenreichsten Heumatten und Heimat für seltene Pflanzen- und Tierarten. Der wirtschaftliche Ertrag sei dank der Beiträge aus dem Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft fast besser als vorher. Und auch für den Naturschutz sei die Wiese eine super Fläche.

Rahel Meier
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Selzach: Modernstes Biotop im Kanton Solothurn
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Das Feuchtgebiet bietet diversen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum
Das Grundwassr wird mit Solarstrom gepumpt
Die Storchenwiese bietet vielen verschiedenen Tierarten eine neue Heimat.
Hier läuft das Wasser in den Tümpel
Damit das Wasser den ganzen Sommer stehen bleibt, brauchte es einige Bau...

Selzach: Modernstes Biotop im Kanton Solothurn

Rahel Meier

Es sieht aus wie eine überflutete Wiese. Es ist aber gleichzeitig auch das modernste Biotop im Kanton Solothurn, wie Jonas Lüthy (Amt für Raumplanung, Abteilung Natur und Landschaft) am Montagmorgen bei der offiziellen Einweihung mit Freude und Stolz verkündete. Die Rede ist von der Storchenwiese in der Herrenmatt in der Selzacher Witi. Entstanden ist sie aus privater Initiative der Eigentümer Erich und Urs Wyss (Berghof Brüggli AG). Im Winter trocknet die Wiese in der Geländemulde in aller Regel aus, im Frühling wird sie überflutet. «So war es früher überall in der Witi», erklärt Lüthy. Allerdings hilft nun Technik mit. Die Storchenwiese ist heute «ein klimasicheres Feuchtgebiet in der landwirtschaftlichen Nutzfläche mit unabhängiger, steuerbarer Wasser- und Energieversorgung».

Drainage reichte nicht

Bereits im Jahr 2009 reichten die zuständigen kantonalen Behörden beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) im Rahmen der «Artenförderung Weissstorch» des Bundes eine Projektskizze «Storchenwiesen in der Witi ein». 2014 wurde versuchsweise eine Solarpumpe eingerichtet, welche Wasser aus einem Drainageschacht auf das Grundstück GB Nr. 64 pumpte. Der Versuchsbetrieb zeigte, dass das Wasserangebot auf der Storchenwiese nur in den Niederschlagsperioden verbessert werden konnte. «Schon da zeigte sich aber, dass die Wiese sich aus Sicht des Naturschutzes gut entwickelt.»

Schliesslich entschied man sich, dass die Storchenwiese künftig aus einem Grundwasserbrunnen gespiesen werden soll. Nun begann ein Marathon durch diverse Amtsstellen. Der Heimatschutz äusserte Bedenken zur Zonenkonformität des Solarpanels in der Witi. Auch die Flurgenossenschaft musste ihre Einwilligung für das Projekt geben. Dies tat sie, nachdem sichergestellt wurde, dass bei einem Störfall keine Überschwemmungen auf angrenzendem Landwirtschaftsland geschehen. Mit einer Sondierbohrung wurde die Grundwassersituation geklärt (siehe Kasten unten) und es brauchte eine Bewilligung für die diversen Bauarbeiten. Weiter wurden die Solarinstallationen und der Wasserzähler montiert. Die Arbeiten wurden zwischen März und Mitte Mai 2017 ausgeführt.

Spezielles Saatgut

Bewirtschafter Urs Wyss hat in Zusammenarbeit mit dem Amt für Raumplanung auf der Storchenwiese spezielles Saatgut angesät und hat nun eine der artenreichsten Heumatten in der Witi. «Wir haben so eine Winwin-Situation», ist Jonas Lüthy überzeugt. Der wirtschaftliche Ertrag sei dank der Beiträge aus dem Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft fast besser als vorher. Und auch für den Naturschutz sei die Wiese eine super Fläche. «Hier rasten Wattvögel. Die Grauammer brütet. Es finden sich diverse seltene Libellenarten, und dieses Jahr siedelte man mehrere tausend Larven der Kreuzkröte um, weil diese im Tümpel Ostportal A5 in Grenchen zu vertrocknen drohten. Auch 100 Laubfroschlarven wurden in der Herrenmatt angesiedelt.»

Die Arbeiten kosteten rund 100'000 Franken. Finanziert wurden sie durch das BAFU und dem Fonds naturmade star KW Ruppoldingen. «Der Bau ist ein Pilotprojekt und erregt viel Aufsehen. Bereits gibt es erste Interessenten, die etwas Ähnliches realisieren möchten», so Lüthy abschliessend.