Derendingen
Für die Sanierung der «Elsässli»-Gärten werden Sponsoren gesucht

Eine Sanierung der mit Schadstoffen belasteten Böden im Derendinger «Elsässli»-Quartier ist wohl nicht zu umgehen. Die IG Elsässli hat schon mal eine Broschüre zusammengestellt, um Geld für die Sanierung zu sammeln.

Rahel Meier
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Sehen die Gärten im «Elsässli»-Quartier nach einer Sanierung alle gleich aus?

Sehen die Gärten im «Elsässli»-Quartier nach einer Sanierung alle gleich aus?

zvg

Immer noch sind die Bewohnerinnen und Bewohner des «Elsässli»-Quartiers im Ungewissen. Zwar verfügte das Amt für Umwelt im letzten Sommer Nutzungseinschränkungen für die Gärten mit den belasteten Böden, aber weil die Gemeinde Derendingen erneut den Rechtsweg beschreitet und an das Bundesgericht gelangte, sind die Verfügungen noch nicht rechtskräftig. Die IG Elsässli, mit Präsident Hansruedi Meyer, versucht in der Zwischenzeit alles, damit das Quartier mit seiner Charakteristik und den grossen und vielfältigen Gärten erhalten bleiben kann.

Unter Denkmalschutz gestellt

Ein schöner Teil des Industrielehrpfades Emmenkanal ist dem «Elsässli» gewidmet. Auf einer der Tafeln steht: «Die Arbeitersiedlung Elsässli stellt in ihrer Grösse und Einheitlichkeit eines der bedeutendsten Beispiele eines Arbeiterdorfes in der Schweiz überhaupt dar. Die zweigeschossigen Kleinhäuser weisen ein schlichtes und gleichartiges äusseres Erscheinungsbild auf. Zu jedem Haus gehört ein ehemaliger Gemüsegarten, der von einem Staketenzaun eingefasst ist.»

Tatsächlich habe die Unterschutzstellung des «Elsässli» verhindert, dass die Häuser abgerissen und durch Neubauten mit einer dichteren Überbauung ersetzt wurden. So seien die für die heutige Zeit grosszügigen Gartenanteile erhalten geblieben, erklärt Hansruedi Meyer. Im Quartier selbst ist die Entwicklung der Gärten gut ablesbar. Sie wurden von Gemüsegärten (in den 50er-Jahren) zu Gebrauchsgärten, die den jeweiligen Besitzern und Nutzern angepasst sind. Viele der Bewohner halten auch Kleintiere. Die Bepflanzung in den Gärten ist sehr oft kontinuierlich gewachsen, es wurde meist auf Bestehendem aufgebaut. Dadurch, so Meyer, würden die Gärten sehr harmonisch wirken, ohne aber allzu perfekt zu sein. Durch die Bodensanierung, die wegen der Schadstoffbelastung wohl nötig werde, werde diese langjährige Entwicklung unterbrochen und es bestehe die Gefahr, dass nach der Neubepflanzung ein Einheitsbrei entstehe.

Sanierung wohl unumgänglich

Die Nutzungseinschränkungen, die das Amt für Umwelt verfügte, sind laut Meyer kaum umsetzbar. «Wie sollen wir unseren Kindern erklären, dass sie auf der Strasse, nicht aber im Garten, spielen dürfen?» Die Bewohner könnten also entweder die Verfügungen missachten, oder auf die Nutzung der Gärten verzichten. Konkret bedeute dies, dass eine Sanierung wohl unumgänglich werde.

Die Sanierung eines einzelnen Gartens dürfte um die 70 000 Franken kosten. Der Boden müsste ausgehoben werden (Kosten von rund 10 000 Franken), danach müsse die Erde entsorgt werden (44 000 Franken). Danach folgen der Auftrag neuen Bodens und eine Neubepflanzung. Dazu kommen Kosten für einen Geologen, der die Arbeiten begleitet sowie Planungs- und Bewilligungskosten.

Begleitkommission einsetzen

Bewohner, die ihren Garten sanieren wollen, sollen unterstützt werden. Einerseits durch ein Fachgremium in dem auch der Denkmalschutz und Naturschützer vertreten sind. Andererseits aber auch finanziell.

Die IG Elsässli kann sich vorstellen, dass die Gemeinde Derendingen, der die Häuser vor 1992 gehörten, sich an der Sanierung beteiligt. Möglich wäre es zudem, Gelder beim Heimat- oder dem Naturschutz und von privaten Stiftungen zu erhalten. Speziell für diesen Zweck hat die IG Elsässli eine 12-seitige Broschüre zusammengestellt, die die Problematik für die Quartierbewohner, aber auch die Vielfältigkeit der Arbeitersiedlung aufzeigt.