Auch wenn es etwas ruhiger wurde um Mobilfunkstrahlen und Elektrosmog. Der Kampf gegen Natelantennen, der vor wenigen Jahren erbittert geführt wurde, ist nicht vorbei.

Gerade rückt ein neuer Schauplatz ins Blickfeld. Auf dem Feuerwehrmagazin in Niederwil will Swisscom einen Mobilfunkmast bauen. Sie bietet der Gemeinde einen jährlichen Mietzins von 5000 Franken. Doch trotz der mangelhaften Abdeckung empfangen die Unterleberberger die Telekomanbieter nicht mit offenen Armen wie das Beispiel von Günsberg zeigt.

Dort zog eine Gruppe sogar bis vor Bundesgericht. Verhindern konnte sie die Antenne auf dem Sportplatz aber nicht. Sie steht seit 2015.

Ein Teil der Niederwiler hofft nun, dass es bei ihnen soweit nicht kommen muss. Eine Achterdelegation aus dem Dorf, das politisch zu Riedholz gehört, besuchte die Gemeinderatssitzung und deponierte ihre Sorgen. Sie befürchten, an der Gemeindeversammlung vom grösseren Riedholz überstimmt zu werden.

Der Standort sei aus ästhetischen, finanziellen und gesundheitlichen Gründen nicht ideal, erklärte Therry Briggen. Sie stört sich daran, dass Swisscom keine verbindlichen Angaben zur Strahlenstärke und zum Abstrahlungswinkel macht, bevor sie keine Zusage hat. «Das schürt den Widerstand», vermutet Briggen. Auch Daniel Affolter, der 25 Meter neben der geplanten Anlage wohnt, ist in Sorge.

Nachwuchs bleibt aus

Ob Mobilfunkstrahlen schädlich sind, ist umstritten. «Wir haben die gesundheitlichen Aspekte geprüft. Sie bieten wenig Angriffsfläche», sagte Beat Graf (SP), Ressortleiter Umwelt. Auch Patrick Galli, Präsident des Vereins Günsberg ohne Mobilfunkantenne auf dem Schul- und Sportplatz (Gomas), wollte nicht «Kaffeesatzlesen».

Es gebe sowohl Argumente für als auch gegen die Schädlichkeit der Strahlen. Aufhorchen liess eine Aussage des Günsberger Dorfarztes Reto Dicht, den Galli zitierte. Dieser habe beobachtet, dass viele junge Paare keine Kinder mehr kriegen. Da riet der Arzt, das Handy für drei Wochen nicht mehr im Hosensack zu tragen. «Und plötzlich schlug es ein.»

Wissenschaftlich untersucht sei dies aber nicht, räumte Galli ein. Zudem erwähnte er jenen Herrn aus Günsberg, der sich nach dem positiven Beschluss zum Bau der Antenne über Kopfschmerzen beklagte. Zu einem Zeitpunkt, als die die Anlage noch gar nicht in Betrieb war.
Gemeinderat Marcel Eheim (CVP) gab zu bedenken, dass sich Swisscom bei einem abschlägigen Entscheid der Gemeinde einen privaten Vermieter suchen könnte.

Dort habe man keinen Einfluss auf die Verhandlungen. Die Alternative: «Das Funkloch bleibt bestehen.» Schliesslich wurde moniert, dass der Standort gar nicht seriös geprüft wurde. Denn das Feuerwehrmagazin steht in einer Senke («in einem Loch») und sei topografisch ungeeignet. Mindestens 30 Meter hoch müsste der Antennenmast werden, damit Niederwil abgedeckt ist.

Gar nicht Niederwil im Fokus?

Der Verdacht kam auf, dass gar nicht Niederwil, sondern umliegende Gemeinden versorgt werden sollen. Etwa Hubersdorf, wo ebenfalls teilweise Funkstille herrscht. Jacqueline Rüede (SP) schlug eine Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden vor. So könne die Antenne an einem Alternativstandort ausserhalb der Bauzone zwischen Bäumen versteckt werden. Auch die Installation von Mikrozellen, einer Art W-Lan-Router mit verminderter Strahlung, wurde diskutiert.

Gemeindepräsidentin Jasmine Huber (FDP) regte schliesslich an, das Geschäft zurückzustellen und der Swisscom mitzuteilen, dass der Gemeinderat den Standort als nicht geeignet erachte. Man wolle zuerst wissen, welche Gebiete genau abgedeckt werden sollen. Sollte die Abstimmung doch vor die Gemeindeversammlung kommen, soll darüber im Geheimen abgestimmt werden.

«Damit niemand negative Reaktionen von Mitbürgern oder wirtschaftliche Nachteile befürchten muss, wenn er Nein stimmt.» Beweis genug, wie emotionsgeladen die Strahlendiskussion noch immer geführt wird.

Zankapfel Repla

Uneinig war sich der Gemeinderat, wie es im Konflikt mit der Regionalplanungsgruppe Espace Solothurn (Repla) weitergeht. Streitpunkt sind insbesondere die Kostenbeteiligungen an den Zentrumslasten, vor allem an Kultur- und Freizeitstätten in Solothurn. Riedholz hatte eine Kostenvereinbarung ausgeschlagen. Man wolle seinen Teil zwar beisteuern, aber ohne Verpflichtung, so der Tenor.

Nun soll die nächste Budgetgemeindeversammlung nochmals auf das Geschäft zurückkommen. Im Hinblick darauf beharrte ein Teil der Gemeinderäte auf einem scharfen Fragebogen, der dem Repla-Vorstand im Vorfeld geschickt werden soll.

Stephanie Ritschard (SVP) befürchtet, dass die Organisation zu viel Macht anhäufe. «Bald hat sie überall ihre Finger drin.» Ausserdem sei die Repla zu wenig transparent, etwa bezüglich der Protokolle, die nur einem kleinen Kreis zur Verfügung stünden. Auch Stefan Ruch (CVP) hat den Eindruck, dass mit der Repla «ein zweiter Staats- und Verwaltungsapparat» aufgebaut wird. «Wir wollen wissen, welche Ziele die Organisation mittelfristig hat.» Weitere Fragen stellten sich zu den Verwaltungskosten.

Marcel Eheim entgegnete, dass die Repla auch positive Aspekte biete für Riedholz. Man solle nicht auf diesen kritischen Fragen «herumreiten», da ein Teil davon bereits bei einem Besuch des Repla-Präsidenten Roger Siegenthaler behandelt wurde. Auch Jasmine Huber will sich nicht darin verbeissen. «Dies könnte als Trotzreaktion wahrgenommen werden.»

Beschlossen wurde schliesslich, einen Repla-Vertreter direkt an die Gemeindeversammlung im Dezember einzuladen, um die geharnischten Fragen direkt zu beantworten.