Das bestehende räumliche Teilleitbild zum Areal Attisholz Nord wurde 2014 von der Gemeindeversammlung genehmigt. Die darauffolgende Nutzungsplanung lag bereits zur Vorprüfung beim Kanton, als der Prozess wegen des Besitzerwechsels zwei Schritte zurück wieder beim räumlichen Teilleitbild landete. Die neuen Investoren hatten andere Vorstellungen, was die Bebauung des Areals betrifft.

Über den gesamten Entwicklungsprozess, also bis zirka 2040, sollen 750 bis 1200 neue Wohnungen entstehen. Im geltenden Teilleitbild liegt dieser Wert bei 150 bis 350 Wohneinheiten (300 bis 800 neue Einwohner). Rechnet man konservativ, wollen die neuen Besitzer Wohnraum für 1500 bis 2500 Einwohner schaffen.

Dazu sollen neu auch punktuell Hochhäuser gebaut werden dürfen. Und als Folge von dieser Entwicklung sind neu auch öffentliche Strukturen (Schulen, Quartierversorger, etc.) nach Bedarf möglich. Statt wie bisher 600 bis 1000 Arbeitsplätze will Halter AG 800 bis 2200 Arbeitsplätze schaffen. Und anstatt von «klar definierten Etappen» ist laut neuem Teilleitbild von einem «kontinuierlichen Transformationsprozess» die Rede. Damit haben sich die neuen Besitzer viel Freiraum für die künftige Entwicklung des Areals geschaffen.

Downloadpdf - 882 kB

Die Wiederauferstehung

Sie geben aber auch etwas. So übernimmt Halter AG die Altlasten. Die Gültigkeit des Teilleitbildes wird auf 10 bis 15 Jahre verkürzt. Das geltende Teilleitbild war für 30 Jahre vorgesehen. Zudem erhält Riedholz mit der Halter AG einen Investor mit Leidenschaft. «Wir sind beseelt von Attisholz Nord», sagte Markus Mettler, Geschäftsführer der Halter AG. Er betonte die Einzigartigkeit des Areals mit der privilegierten Lage an einem Südhang an der Aare, mit der Insellage und mit dem einzigartigen Bestand an Gebäuden. Und er erwähnte das wirtschaftliche Umfeld mit Biogen ennet der Aare.

Die Vision der Halter AG erinnert an die Wiederauferstehung eines heruntergekommenen Quartiers in einer Metropole. Zuerst sollen Experimentalisten und Individualisten, Künstler und Kulturschaffende Besitz von dem verfallenen Industrieareal nehmen. Ihnen folgen Trendsetter, die in diesem anregenden Milieu leben und arbeiten wollen. Was danach folgt, wird vom Bedarf der Zukunft bestimmt.

Die Gemeinde unterstützt die Schaffung dieses Freiraums mit dem Hinweis auf übergeordnete Ziele. Die Schweizer haben dem Raumplanungsgesetz zugestimmt, sagte Pia Ringenbach, Präsidentin der Ortsplanungskommission. Dieses beinhalte zwei zentrale Punkte. «Die Zersiedlung soll gestoppt werden, indem man bereits überbaute Flächen nutzt. Weiter wird eine verdichtete Bauweise gewünscht.»

In den ersten 10 Jahre bis gegen 2030 sollen aber nur 150 bis 200 Wohnungen mit zirka 250 bis 350 Bewohnern gebaut werden. Zudem werden in dieser Phase rund 100 Arbeitsplätze entstehen. Dieses Wachstum könne die Gemeinde, so Gemeindepräsidentin Jasmine Huber, mit ihren bestehenden Strukturen gut aufnehmen. In der ersten Entwicklungsphase sei voraussichtlich keine zusätzliche Gemeindeinfrastruktur (Schule, Strassen, Kanalisation etc.) notwendig.

Auch interessant fürs Gewerbe

In der Diskussion wollte Willi Lindner das Verhältnis zwischen Miet- und Eigentumswohnungen wissen. In der Schweiz liege der Anteil des Wohneigentums etwa bei 40 Prozent, erklärte Mettler. Im Attisholz rechne er mit weniger Wohneigentumsanteil. Jasmine Huber ergänzt, dass das Areal auch eine Chance für das Gewerbe im Unterleberberg sei, weil Gewerbeland rar ist. Angesprochen wurde zudem die Mobilität, welche aber schon im gültigen Teilleitbild und der folgenden Nutzungsplanung «detaillierter» ausgeführt ist, wie Planer Thomas Ledermann erklärte. Ein Thema war auch die Entwicklung des Steuerfusses, die aber niemand voraussagen konnte.

Nicht zuletzt wurde gefragt, was die Entwicklung des Areals den Riedhölzern überhaupt bringe. «Wir haben keine Brache mehr, und wir erhalten ein urbanes Quartier mit Kultur und Lädeli sowie einen Zugang zur Aare», sagte die Gemeindepräsidentin. Die Frage eines Scheiterns, sei für die Halter AG kein Thema. «Wir sind breit aufgestellt und haben schon viele komplexe Aufgaben gelöst», so Mettler. Für den Erfolg brauche es auch die entsprechenden Rahmenbedingungen. Diese würden sie mit dem vorliegenden räumlichen Teilleitbild erhalten. Die Mitwirkung läuft über zwei Monate bis 25. August.