Deitingen

Für einmal wirklich mit Dudelsack

Der Dudelsackbläser Tom Freiburghaus überraschte das Publikum.

Der Dudelsackbläser Tom Freiburghaus überraschte das Publikum.

Echte und perfekt gewählte Konzertstücke prägten das Jahreskonzert der Musikgesellschaft – im ersten Teil. Danach gab es sogar eine Dudelsack-Einlage.

Im ersten Teil des Jahreskonzertes der MG Deitingen unter Roger Siegentaler gefiel besonders Naoya Wadas «Voyage Into the Blue» – nicht nur wegen seinen leichtfüssig und oft transparent instrumentierten Stellen. Da vermochte Siegentaler zudem mit den vorgegebenen Tempowechseln und perfekt genutzter Dynamik die Spannung konstant zu halten. Kaum anders war das bei den «Böhmischen Skizzen» von Josef Jiskra.

In diesen Teil passte auch die Plauder-Polka. Damit meinte der Chinese Tianyi Zhang – der bei den Deitingern Flöte spielt – die «Tritsch-Tratsch Polka» von Johann Strauss. Für deren Blasmusikfassung hat der Amerikaner Alfred Reed gesorgt.

Da brauchts vier Flöten

Eine Solonummer gehört eigentlich immer ins Konzert der MG Deitingen. Diesmal sorgte der Es-Tubist Felix Hulliger mit «Latin Tuba» von Mario Bürki überzeugend dafür. Eine schöne, gefühlvoll gespielte Flöten-Einleitung eröffnete den zweiten Konzertteil. Aufgenommen von den Saxofonen und ins Tutti überführt, entwickelte sich das gefällige Arrangement von Ron Sebregts. Es bot auch die Gelegenheit zu einem Saxofon-Solo. Komponiert hat dieses «Everything I do, I do for you» jedoch Bryan Adams.

Ein Gespür für gute Arrangements prägten den zweiten Teil auch in der Fortsetzung. Barry Manilows gut gespielter «Copacabana» hatte sich Johan de Meij angenommen. Frank Bernaerts bearbeitete Bert Kaempferts «L.O.V.E.». Klaus Butterstein nahm sich die von Ennio Moricone geschriebene Titelmelodie zu «My Name is Nobody» vor. Kein Arrangement, sondern eine Originalkomposition war hingegen «Flying Flutes». Die kann man nur wählen, wenn man über vier Flöten verfügt. Das trifft bei den Deitingerin glücklicherweise zu.

Arno Hermann schrieb eigentlich ein reines, vierstimmiges Flötenquartett mit einer Blasmusikbegleitung dazu. Dementsprechend muss die Begleitung dezent ausfallen und das tat sie auch. Niemand wunderte sich, als Schlussnummer «Celtic Crest» aufgelistet zu finden. Das wird schliesslich oft gespielt – aber nicht so, wie es die Deitinger präsentiert haben. Kaum jemand ist in der Lage den Dudelsack einzusetzen, den Christoph Walter in seiner Komposition im Hinblick auf die Tattoo-Paraden optional berücksichtigt.

Dudelsackspieler begeistert

Zufälligerweise haben die Deitinger bei der Hochzeit eines Mitgliedes jedoch einen Solo-Dudelsackbläser kennen gelernt. Sie haben ihn kurzerhand für das Konzert und diese eine Nummer verpflichtet. Dass die so gut ankam beim Publikum, hatten sie höchstens erhofft.

Die geforderte Wiederholung war damit schon fast eine Überraschung. Wirklich überrascht war Tom Freiburghaus – der Gast-Dudelsackbläser – offensichtlich selber, als er mit Zurufen zu einer Zugabe gebeten wurde. Das bot Freiburghaus die Gelegenheit, ausser Programm eine eindrückliche Kostprobe seiner Virtuosität abliefern zu können.

Die Grenze des Machbaren

«Just A Gigolo» als erste und der fast obligate «Solothurner Marsch» als zweite Zugabe vervollständigten das Konzertprogramm. Mit seinem Umfang von total 17 Titeln und einem zusätzlichen Gastvortrag erreichte es damit sicher die Grenze des Machbaren für die nicht ganz 30 Amateurmusiker. Aber nie vermittelten die Musiker den Eindruck, den Spass zu verlieren.

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