Vor 100 Jahren, als der Erste Weltkrieg auch die Schweiz vor Herausforderungen stellte, wurde das Maikäfersammeln für obligatorisch erklärt. Dies wurde wegen Nahrungsmittelknappheit angeordnet, denn die Lebensmittel waren begrenzt und wurden immer teurer.

Die Schulkinder bekamen frei und wurden auf die Felder geschickt, um die Schädlinge zu minimieren. Es wurden Tücher um Bäume gespannt, geschüttelt und fleissig Käfer gesammelt. Einerseits sollte verhindert werden, dass die Insekten landwirtschaftliche Erzeugnisse dezimieren, andererseits wurden sie als Tierfuttermittel eingesetzt. Übrigens mit Maikäfer sind nicht die kleinen, rot-schwarz-gepunkteten Marienkäfer, sondern die Feldmaikäfer gemeint. Für die Käfer gab es ein kleines Entgelt pro Liter Maikäfer rund 20 Rappen.

Waren die Käfer einmal verkauft und abgeliefert, ging es ihnen an den Kragen. In grossen Waschzubern wurden sie mit heissem Wasser verbrüht. Danach wurden sie entweder den Hühnern oder den Schweinen vorgeworfen. Das Federvieh frass begierig. Was nicht verspeist wurde, wurde anschliessend in ausgehobene Gruben geschüttet und zugedeckt. Mit dem Hühnerfutter hörte man später wieder auf, als man bemerkte, dass sich dadurch der Geschmack der Eier veränderte. Das Käfersammeln wurde bis Ende der 60er-Jahre des früheren Jahrhunderts praktiziert.

Heute gibt es die «Krabbler» nur noch selten. Wer einen sieht, kann sich glücklich schätzen, denn diese werden heute bereits als Engerlinge im Boden bekämpft, weil sie eigentlich Schädlinge sind. So werden die Maikäfer immer weniger, denn sie mögen intensiven Ackerbau genauso wenig wie überbaute Gebiete.

Käfer sind also auch ein Indikator für ein naturbelassenes Gebiet. Seit 1980 haben Forscher zudem einen natürlichen Pilz weiterentwickelt, der als biologische Schädlingsbekämpfung gegen Engerlinge eingesetzt wird. Mit grossem Erfolg. Es bleibt zu hoffen, dass die Maikäfer nicht ganz ausgerottet werden. Sie sind faszinierende Tiere und das Ziel sollte mindestens eine Co-Existenz mit der Landwirtschaft sein. Ausserdem sind sie beim Volk beliebt als Boten des Frühlings.

Vorbei ist es auch mit der genauen geografischen Angabe, wo in welchem Jahr Maikäfer fliegen. Früher gab je nach Gebiet, verschiedene Flugjahre – das Basler, das Urner Flug Jahr, etc. – doch die Käfer halten sich schon längst nicht mehr an ihre Zuordnung. So war 2017 offiziell ein Berner Flug Jahr, die Käfer flogen aber 2017 häufig im Thurgau und Graubünden.

Seit 2017 gibt es die Grille, die Heuschrecke und den Mehlwurm offiziell als Lebensmittel in der Schweiz. Obwohl stark proteinhaltig und einheimisch, fehlt der Maikäfer auf einer anerkannten Liste. Dabei soll die Maikäfersuppe bis Mitte des 20. Jahrhunderts eines der wenigen in Europa verbreiteten Insektengerichte gewesen sein.

Auf alten Rezepten ist zu lesen, dass man etwa 30 Stück für eine Mahlzeit benötige. Angeblich schmeckte die Maikäfersuppe ähnlich wie Krebssuppe. Auf jeden Fall enthalten die Käfer jede Menge Mineralstoffe und Eiweiss.