Im Rahmen ihrer Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere» organisierte Pro Natura Solothurn einen Informationsanlass bei der Wildtierüberführung Riemberg. Sie dient als Verbindung im überregionalen Wildtierkorridor zwischen dem Bucheggberg und dem Jura. Als Referenten hat Pro Natura Rolf Glünkin vom kantonalen Amt für Raumplanung gewinnen können. Er hat die Geschichte der Wildtierüberführung wie auch der A5 von Anfang an miterlebt, beispielsweise mit der Güterregulierung beim Bau des Strassenwerks.

Als 2002 die Autobahn von Bundesrat Moritz Leuenberger dem Verkehr übergeben wurde, habe man noch nicht gewusst, wie eine Wildtierüberführung effektiv gebaut werden müsse. «Damals wusste man einfach, dass man die Verbindung will und Strukturen schaffen muss für den Hasen», erklärt Rolf Glünkin den 25 interessierten Besucherinnen und Besuchern des Anlasses. Die Anlage ist auf der Nordseite beinahe 80 Meter und auf der Südseite über 120 Meter breit. Sie verbindet beinahe perfekt den Hang des Riembergs mit der Fläche im Aarefeld. In der Zwischenzeit akzeptierten die Wildtiere die Überführung, wie die Spuren vor Ort zeigen. Wildwechselwege sind klar sichtbar. Im Schutz von Wiesenstücken und geführt durch Hecken nutzen die Tiere den Übergang. Damals seien viele Versuche durchgeführt worden, um die «richtige» Wiesenmischung zu erhalten. Wiesen, die von den Hasen und anderen Wildtieren wirklich genutzt werden. Heute werden die Wiesen von Landwirten unter Anleitung eines Beauftragten unterhalten.

Dank dem Naturschutzbund

Mit dem 6-Spur-Ausbau der Autobahn A1 ist die Wildtierüberführung ein aktuelles Thema geworden. Verbände, und Kanton streiten sich im Gäu über die beste Ausführung der dort geplanten Wildtierüberführung. Dass beim Riemberg eine Wildtierüberführung entstehen konnte, hat eine lange und spannende Vorgeschichte.

Schon 1964 beim Start zum Bau des Autobahnnetzes Schweiz lagen erste Studien über die Autobahn zwischen Solothurn und Biel vor. Das Teilstück Luterbach-Zuchwil der A5 wurde bereits im Sommer 1971 eröffnet. Der Abschnitt von Solothurn bis nach Biel erst 2002. Die erste Auflage des Teilstückes erfolgte 1982. Mit einer Standesinitiative habe es der Kanton erreicht, so Rolf Glünkin, dass das Autobahnprojekt überprüft und verbessert wird. «Gleichzeitig hat der Solothurnische Naturschutzverband in Strassburg darauf gepocht, dass die Berner Konvention eingehalten wird.» Das Abkommen verlangt, Sorge zu wild lebenden Tiere und Pflanzen und deren Lebensräume zu tragen. Die Einsprache habe bewirkt, so Glünkin, dass das Bauprojekt noch einmal hinterfragt wurde.

Eine Folge der Einsprache des Solothurnischen Naturschutzbundes (dem Vorläufer der Pro Natura) war die Diskussion über die Hasenkammer der Schweiz. Diese sollte nicht von einer Autobahn zerschnitten werden. Also schuf der Kanton die Landwirtschafts- und Schutzzone Witi durch den Kanton, «quasi als Beweis, dass es den Witi-Tunnel braucht», so Glünkin. Dank der Schutzzone soll die Aareebene als landwirtschaftlich genutzte Landschaft erhalten bleiben. «Eine offene Landschaft für die Hasen und die Lerchen.»

Im letzten Moment

Die Autobahn A5 erfuhr diverse Anpassungen. So wurde beispielsweise im Bereich der Wildtierüberführung auf einen dort geplanten Rastplatz verzichtet. Das Ausführungsprojekt der A5 wurde 1992 genehmigt. Dann erst verlangte die Kantonale Umweltkommission eine bessere Verbindung vom Aarefeld in den Bucheggberg, insbesondere auch für die Hasen. «Das führte zur Wildtierüberführung Riemberg.» 1998 erfolgte eine separate Auflage für die Wildtierüberführung. «Aus Kostengründen verzichtete man dafür auf eine Galerie beim Spitalhof.»