Markus Ziegler, stellvertretender Direktor der Biogen Schweiz, sowie Geschäftsführerin Natascha Schill stellten an der Informationsveranstaltung den Luterbachern und Luterbacherinnen die Firma und das Projekt vor. Aber trotz Lobpreisungen auf diverse Auszeichnungen wie «weltweit nachhaltigste Firma», «klimaneutral» oder «drittbeste Arbeitgeberin der Welt» blieben die Anwesenden skeptisch. Auch das hehre Motto, das Ziegler mit Enthusiasmus kundtat, nämlich Medikamente schwerkranken Patienten zur Verfügung stellen zu können, wo immer sie sind und wann immer sie sie brauchen, überzeugte nicht vollkommen.

Befürchtungen aus dem Publikum wurden laut, dass die Zellkulturen in die Umwelt gelangen und dort Schaden anrichten könnten. «Was passiert, wenn ein Fermenter ausläuft und 15 000 Liter Wasser in die Aare gelangen?», fragte ein Anwesender. Schill beruhigte, dass die Zellen nur in einer warmen, wässrigen Lösung aus Zucker, Aminosäuren und Kochsalz existieren können. Ausserhalb hätten sie keine Chance zu überleben. Zudem sei das System doppelt geschlossen und die Gefahr, dass die Behälter auslaufen, bestehe kaum. Die Angestellten trügen zwar Schutzanzüge, aber nur, um die Zellen vor den Menschen zu schützen, nicht umgekehrt. «Wir arbeiten mit Zellen, die Produkte sind Proteine», erklärte Ziegler. In keiner Art und Weise sei dies eine chemische Produktion, die gefährliche Substanzen freisetzen könnte. Das mit Abstand Gefährlichste in der Anlage sei der Dieselmotor, der bei Stromausfall eingesetzt werden müsse, meinte er. Der Direktor beteuerte, dass die Sicherheit der Patienten, der Mitarbeiter und der Bevölkerung im Zentrum aller ihrer Aktivitäten stehe. Schill kam ethischen Bedenken zuvor: «Es sind nicht menschliche Zellen, mit denen wir arbeiten, sondern Zellen von den Eierstöcken eines chinesischen Hamsters.»

Auch allfällige Ängste vor einem massiven Verkehrsaufkommen versuchte Ziegler zu zerstreuen. Der Umweltverträglichkeitsbericht sei zwar noch nicht abgeschlossen, er rechne jedoch nur mit einigen wenigen Lastwagen pro Tag. Zudem seien öffentliche Verkehrsmittel vorhanden. Wunder nahm das Publikum, was das für 400 Stellen sind, die geschaffen werden. «Sind dies vorwiegend Akademikerstellen?», fragte jemand. Schill betonte, dass die Biogen den Standort Schweiz unter anderem wegen des dualen Bildungssystems ausgewählt habe, weil es auch Angestellte mit Berufslehren brauche. «Die Administrationsabteilung verlangt nach kaufmännischem Personal. Es wird auch Stellen für Mechaniker oder Elektriker zu besetzen geben», versicherte die Geschäftsführerin.

Guido Keune, stellvertretender Kantonalbaumeister, schwärmte von der öffentlichen Parkanlage, die der Kanton auf 560 Aren am Aareufer erstellen wird. Somit beantwortete er gleichzeitig die Frage, ob der Weg der Aare entlang weiterhin durchgängig sei. Jürg Nussbaumer, Gemeinderat und Ressortleiter Planung, erläuterte das weitere Vorgehen: «Nächste Woche beginnt die Bau- und Projektplanung auf Gemeindeebene. Am 20. August findet ein Mitwirkungsverfahren statt.» Erst wenn der Gemeinderat und die Bevölkerung hinter dem Projekt stehen können, werde es zum Planungs- und Baubewilligungsverfahren an den Kanton weitergeleitet.