Horriwil

Flachdächer sind unerwünscht, deshalb gibts eine Attika mit Pultdach

Blick auf das Dorfzentrum, für das nun ein Gestaltungsplan für den Baubereich an der Grabackerstrasse vorliegt.

Blick auf das Dorfzentrum, für das nun ein Gestaltungsplan für den Baubereich an der Grabackerstrasse vorliegt.

Horriwil hat ortsbauliche Richtlinien als Grundlage für Gestaltunsgpläne ausgearbeitet. Fast wäre der erste dieser vorgelegten Pläne gescheitert. Jetzt gibts eine Speziallösung.

Ende gut – alles gut. Mindestens im Moment scheint es, als ob im Horriwiler Dorfzentrum schon bald gebaut werden könnte. Nach zähem Ringen mit allen Beteiligten (siehe auch Update) ist ein Gestaltungsplan erarbeitet worden, der es erlaubt, den Bereich der Grabackerstrasse mit einem Einfamilien- und drei Mehrfamilienhäusern zu bebauen. Der Gestaltungsplan soll der Bevölkerung in einer Informationsveranstaltung vorgestellt werden. Danach folgt die öffentliche Auflage.

Noch Anfang Februar fand sich im Gemeinderat keine Mehrheit für den Gestaltungsplan, wie in den Protokollen vom 13. Januar und vom 3. Februar nachzulesen ist. Wieso? Die Nachfrage bei Gemeindepräsident Franz Schreier ergibt, dass nur ein einziger Punkt umstritten war. «Eine Mehrheit des Gemeinderates konnte sich nicht mit den vorgeschlagenen Flachdächern anfreunden.»

Leitlinien erlauben Attika

Nachdem der Gemeinderat im Jahr 2014 eine Planungszone über das Dorfzentrum verhängte wurden «ortsbaulichen Leitlinien» erarbeitet, die Ende Juni 2015 im Gemeinderat genehmigt wurden. Festgelegt wurde dabei auch, dass bei konkreten Bauvorhaben grundeigentümerverbindliche Gestaltungspläne auf der Grundlage dieser Leitlinien erarbeitet werden müssen.

Der Gestaltungsplan, um den es nun konkret geht, wurde für den sogenannten Baubereich B erarbeitet. Dieser ist an der Grabackerstrasse gelegen und soll – so steht es in den Leitlinien – mit zweigeschossigen Wohnbauten plus Attika oder Dachgeschoss in hindernisfreier Bauweise bebaut werden.

Ein zweigeschossiger Bau mit Attika ist ein Bau mit einem Erdgeschoss, einem Obergeschoss und einem Attikageschoss mit Flachdach. Sowohl architektonisch als auch umgangssprachlich ist die Bezeichnung Attika mit einem Flachdach verknüpft. Das bestätigt auf Anfrage auch Regula Reber (Juristin Bau- und Justizdepartement Solothurn): «Der Gesetzgeber im Kanton Solothurn versteht unter einer Attika ein Obergeschoss mit Rücksprung von der Fassade und einem Flachdach.»

Der Gestaltungsplan lehnt sich eng an die ortsbaulichen Richtlinien an und wurde in ständiger Absprache mit dem Amt für Raumplanung erarbeitet. Vorgesehen war in der ersten Fassung ein Einfamilienhaus mit Flachdach und drei Mehrfamilienhäuser mit Attikageschoss. An diesen Dächern aber schieden sich im Gemeinderat die Geister. Der Widerstand war so gross, dass einer der Gemeinderäte sich gar dazu gezwungen sah, eine persönliche Erklärung abzugeben, und darauf bestand, dass diese im Protokoll wiedergegeben wird.

Bauen kann man trotzdem

Die Planungszone in Horriwil ist nach wie vor in Kraft. Einzig die Beschwerden dagegen sind sistiert. «Eine Planungszone soll sicherstellen, dass keine baulichen Veränderungen getroffen werden dürfen, die der laufenden Planung widersprechen», erklärt Regula Reber. Eine Planungszone sei aber keine Bauverbotszone. Die Planungshoheit liegt grundsätzlich bei den Gemeinden. Der Kanton genehmigt zwar die Planung, überprüft diese jedoch mit Zurückhaltung. «Der Gemeinderat kann aber das Bauen nicht verhindern, wenn ein Baugesuch den Vorgaben entspricht.»

Mithilfe von Regula Reber wurde in der Zwischenzeit ein Kompromiss ausgearbeitet. Der Gestaltungsplan, der vorgelegt worden war, wurde praktisch unverändert übernommen. Die Flachdächer allerdings – die sind verschwunden.

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