Gemeinderat
Firma Tschudin kehrt Grenchen den Rücken – Selzach soll neue Heimat werden

Die Firma Tschudin AG, ein international agierendes Technologieunternehmen mit Hauptsitz in Grenchen, zieht es nach Selzach.

Patric Schild
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So soll der Neubau der Tschudin neben der Firma Stryker in Selzach aussehen.

So soll der Neubau der Tschudin neben der Firma Stryker in Selzach aussehen.

zvg

Vor rund fünf Jahren erwarb die Tschudin AG in Grenchen ein Grundstück mit dem Ziel, neu zu bauen. Derweil hatte die zweite Firma der Unternehmerfamilie – die Wenk AG in Biel – Bedürfnis zum Ausbau bekundet, weshalb die Idee aufkam, die beiden Firmen unter einem Dach mit Standort Grenchen zu vereinen.

Nachdem eine Einigung über einen Landtausch mit der Swatch Group nicht zustande gekommen war, schaltete sich Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger (FDP) ein und brachte ein Tauschgeschäft mit der Stadt Grenchen ins Spiel.

Während die Wirtschaftskommission das Unterfangen noch unterstützte, lehnte es die Gemeinderatskommission (GRK) hingegen ab. Die Ausgangslage gestaltet sich für die Tschudin AG nun entsprechend schwierig und man steht unter Zugzwang. «Das Gebäude in Grenchen ist verkauft, dort müssen wir nächsten Juni draussen sein und für das Gebäude in Biel haben wir bereits einen Mieter», erklärte Patron Urs Tschudin.

Baubeginn bereits im Winter?

Nachdem 10 verschiedene Standorte begutachtet wurden, fiel der Entscheid zugunsten von Selzach aus – genauer auf das GB 3369 Längstücki. Die Gemeinde hatte das Land im Sommer für eine Million Franken gekauft, um ein Unternehmen anzusiedeln. «Das Baugrundstück ist praktisch auf den Meter genau gleich wie in Grenchen» sagte Tschudin. So könne das fixfertige Projekt quasi direkt übernommen werden. Aus diesem Grund möchte man bereits diesen Winter mit den Bautätigkeiten beginnen.

Trotz des straffen Zeitplans wollte der Gemeinderat am Donnerstag noch keinen Entscheid fassen, da er noch diverse Unsicherheitsfaktoren ortet. Für Christoph Scholl (FDP) setzt besonders der ablehnende Entscheid der Grenchner GRK ein grosses Fragezeichen hinter die Angelegenheit.

In einem nächsten Schritt wird sich daher zunächst die Verwaltungskommission mit der Thematik befassen, welche dem Gemeinderat dann einen Vorschlag unterbreiten wird. Abschliessend wird das Anliegen an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung traktandiert.

Streit wurde beigelegt

Das Hin und Her zwischen der Genossenschaft Wohnen im Alter und der Gemeinde Selzach gelangt zu einem Abschluss. Grund für den Streit waren die Anschlussgebühren, die die Gemeinde der Genossenschaft 2014 in Rechnung gestellt hatte. Die Verwaltung machte Fehler bei der Berechnung der Bau- und Anschlussgebühren für den Neubau. Gefordert wurden knapp 46'000 Franken. Eine Nachprüfung ergab, dass die Gebühren mehr als doppelt so hoch wären, woraufhin die Gemeinde eine korrigierte Gebührenrechnung aufstellte und von der Genossenschaft über 50'000 Franken einforderte.

Dessen Vorstand erhob daraufhin Einsprache. Anfang September hatte der Gemeinderat die Einsprache der Genossenschaft gegen die definitive Gebührenrechnung abgewiesen. Nach weiteren Gesprächen zwischen Vertretern der Gemeinde und dem Vorstand der Bauherrschaft hat die SP- und CVP-Fraktion einen Rückkommensantrag eingereicht, indem man der Genossenschaft mit einer 50 zu 50 Aufteilung der Kosten entgegenkommen will. Als Grund für die Wiedererwägung wurde die monetäre Situation der Genossenschaft angegeben, welche finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet sei und daher die geschuldeten 50 000 Franken kaum aufbringen könne.

Gemeindepräsidentin Silvia Spycher (FDP) erklärte, dass das oberste Ziel eine Einigung sein müsse, um das Verfahren zu beenden. Sie stellte den Antrag, dass die Gemeinde 90 Prozent der strittigen Summe übernimmt und der Bauherrschaft noch 10 Prozent angelastet werden. «Wir müssen hier einen Punkt setzen, da es auch unser Verschulden ist» sagte Spycher. Der Vorschlag stiess jedoch nicht nur auf Gegenliebe. «Können wir es verantworten, für die Gemeinde noch mehr Kosten zu verursachen?», fragte Brigitte Danz (CVP).

Spycher entgegnete, dass sie die Argumente zwar verstehe, aber der Schaden andernfalls durch das Prozessrisiko noch grösser sei. «Es ist für alle ein schwieriger Entscheid», so die Gemeindepräsidentin. Thomas Studer (CVP) erklärte, dass er sich unter dem Strich dazu durchringen könne, das Anliegen von Spycher zu unterstützen, damit das Projekt auf gesunden Beinen stehe und nicht unnötig in ein schlechtes Licht gerückt werde. Der Antrag der Gemeindepräsidentin wurde mit 7 Ja bei 3 Enthaltungen gutgeheissen.