erratischer Block

Findling in Hessigkofen: Ein 920 Kubikmeter grosser «Afrikaner»

Kinder sind auf den grossen Findling «Afrikaner» geklettert.

Kinder sind auf den grossen Findling «Afrikaner» geklettert.

Der «Pro Buechibärg» erkundete im Rahmen des dritten Sommeranlasses Findlinge und Schalensteine. Die Geologin Yvonne Kaufmann hielt dazu einen Vortrag.

Weit gereist sind erratische Blöcke wie der mächtige, 4x4x3 Meter grosse Findling im Wald bei Hessigkofen. Er stammt aus dem Wallis und wurde durch die Vergletscherung in einer der 13 Vorstösse der Eiszeit hierher verfrachtet. Doch geologisch betrachtet handelt es sich um ein Arola-Gneis-Gestein, ehemals aus Afrika. Denn die Auffaltung der Alpen entstand aus dem Zusammenprall der europäischen mit der afrikanischen Platte, die sich in Teilen nordwärts darüber schob.

Im Kanton Solothurn sind rund 1'000 dieser durch den Rhonegletscher abgelagerten Steine in unterschiedlicher Grösse wie etwa in der Verenaschlucht bei Solothurn oder als «die grosse Fluh» in Steinhof bekannt. Im Laufe der Zeit wurden etliche Findlinge zerschlagen und als Baumaterial verwendet wie etwa beim Turm in Halten.

Die Geologin Yvonne Kaufmann vom Kantonalamt für Umwelt machte in ihrem Vortrag im Rahmen des dritten Sommeranlasses von Pro Buechibärg auf die Besonderheiten des steinernen Gesellen bei Hessigkofen aufmerksam, der im Volksmund «der grosse Stein» oder gemäss kantonaler Kartierung «Rödinger-Stein» genannt wird. Bei Friedrich Rödinger handelt es sich um einen Agronomen mit Forschergeist, der 1848 nach der Revolution aus Sachsen fliehend in Bellach Fuss fasste und die Gegend auf Geotope hin erkundete. Seit 1971 stehen alle solothurnischen Findlinge auf Beschluss des Regierungsrats unter Schutz.

Was ist ein Schalenstein?

Wenige hundert Meter entfernt im Wald befindet sich der «Fuchsenstein» als erratischer Felsblock mit einem Durchmesser bis zu 3 Metern. Als sogenannter «Schalenstein» ist seine Oberfläche übersät mit kleinen schalenförmigen Vertiefungen, die von menschlicher Hand in vorgeschichtlicher Zeit eingehämmert wurden. Der ehemalige Kantonsarchäologe Hans-Peter Spycher erläuterte die Bewandtnis dieser Steine, die in vielen Teilen unserer Welt zu finden sind. «Sie hatten für die Menschen der Jungsteinzeit vermutlich eine wichtige kulturelle Bedeutung wie Analogien aus der Völkerkunde beweisen», so Spycher.

Gelegentlich zu erkennen sind auch eingeritzte Sternbilder wie der Grosse Wagen oder wie die Plejaden an der berühmten Himmelsscheibe von Nebra, die im Umland der Saale ausgegraben wurde.

Um diese Schalensteine ranken sich vielerlei Mythen und Sagen, die zu Bezeichnungen wie Teufels- oder Hexenstein führten und ihnen als Sitz von Geistern geheimnisvolle Kräfte zuwiesen. Bekannt sind etliche auch als «Kindlisteine» für Fruchtbarkeitsriten.

Gut besuchter Sommeranlass

Der 300 Mitglieder zählende Verein «Pro Buechibärg» lädt seit elf Jahren zu Sommerveranstaltungen wie den kürzlich durchgeführten Anlässen «Einblick ins Jagdwesen» oder «Besuch im Wengimoos» ein. «Dies ist jetzt unser 33. Anlass», begrüsste Pro-Buechibärg-Präsident Beat Stähli rund 130 Interessierte aller Altersstufen, die heimatkundliche Führungen dieser Art in der näheren Umgebung sehr zu schätzen wissen. Natürlich lockt jeweils auch der zweite, gemütliche Teil der Zusammenkunft.

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