Finanzen
Deitinger Jahresrechnung schliesst mit einem Ertragsüberschuss

Gute Kennzahlen und ein hübsches Eigenkapital sorgen in Deitingen für Zuversicht.

Gundi Klemm
Merken
Drucken
Teilen
Gemeindeverwaltung: Die Jahresrechnung von Deitingen sieht positiv aus.

Gemeindeverwaltung: Die Jahresrechnung von Deitingen sieht positiv aus.

Hanspeter Bärtschi

Längst ist der Bilanzfehlbetrag früherer Jahre abgetragen, und die in allen Gemeinden gefürchtete Coronasituation hat sich in der Rechnungsperiode 2020 noch nicht niedergeschlagen. Deshalb kann sich Deitingen bei einem Gesamthaushalt von 11,1 Mio Franken an einem Ertragsüberschuss von 963'000 Franken freuen. «Das gibt uns ein Polster für mögliche Einbussen, die sich schon in diesem Jahr abzeichnen könnten», betonten Finanzressortleiter Michael Tüfer und Finanzverwalter Christoph Lütolf.

Der Überschuss stammt zur Hälfte von juristischen Personen, die damit auch Nachzahlungen der letzten Jahre beglichen. Dazu flossen neben Quellensteuern mit der Härtefallregelung (zum Ausgleich für die gesenkte Unternehmenssteuer) Gelder in der Höhe von 260'000 Franken an die Gemeinde. «Zudem war die Gemeinde in ihren Ausgaben budgetkonform auf Kurs», so Lütolf.

Allerdings ergebe sich mit einer Viertelmillion weniger als budgetiert bei den Steuereinnahmen der natürlichen Personen (6,3 Mio. Franken) und in Steuerforderungsverlusten ein Problem. Das Eigenkapital ist auf 1,6 Mio. Franken gestiegen und bietet eine sichere Reserve.

Auch die Investitionsrechnung im Betrag von netto 161'000 Franken, budgetiert waren 716'000 Franken, mit ihrem Finanzüberschuss von 1,2 Mio. Franken ergibt ein erfreuliches Bild. Bei den Spezialfinanzierungen Wasser, Abwasser, Abfall sollten bauliche Massnahmen im jeweiligen Jahr realisiert und nicht verschoben werden, riet der Finanzverwalter. Alle Kennzahlen befänden sich im «guten Bereich», und die Pro-Kopf-Verschuldung sei auf 841 Franken gesunken.

Namens der Rechnungsprüfungskommission informierte deren Präsident Mirko Brudermann über die Schwerpunkte der vorgenommenen Kontrollen gemäss kommunalen und kantonalen Vorschriften. Mit: «Wir haben nichts Nachteiliges entdeckt», schloss er seine positive Beurteilung. Der Gemeinderat verabschiedete die Jahresrechnung zuhanden der Gemeindeversammlung vom 27. Mai.

«Wir wollen gewappnet sein»

Mit seiner Grundlagenarbeit für eine «finanzpolitische Entwicklungsstrategie» vermittelte Finanzressortchef Michael Tüfer seinen Gemeinderatskolleginnen und -kollegen einen Gedankenanstoss, sich mit den Auswirkungen steigender Einwohnerzahlen auseinander zu setzen. Fakt sei, dass grosse Bauvorhaben im Dorf wie etwa die «Bahnweid» mit 59 Wohneinheiten und später möglicherweise die Überbauung Stöcklimatt die Einwohnerzahl von aktuell 2241 Bewohnerinnen und Bewohnern in den nächsten fünf Jahren um rund 200 Erwachsene und 60 Kinder steigen lassen könnte.

Diese Zahlen belegte Tüfer mit statistischen Erkenntnissen sowie Wohnungsanzahl und –grösse. «Was bedeutet eine solche Zunahme an Chancen, aber auch an Risiken für unser Dorf?», fragte er und forderte die Ressortleitungen auf, dies jeweils für ihre Verantwortungsbereiche in Bildung, Sozialwesen, Bauwesen und Infrastruktur, Gemeindeverwaltung, mehrjähriger Finanzplanung und schliesslich auch für die dörfliche Gesellschaft und die Bevölkerungsstruktur zu überlegen. Müssen Planungen rechtzeitig «grösser» gedacht werden?

Vorgesehen ist, dass die Ergebnisse Ende Juni zusammengetragen werden und im Rahmen eines späteren Ratsseminars als Grundlagen für die neue Legislatur diskutiert werden. «Wir müssen einige Jahre in die Zukunft denken und dafür gewappnet sein», war sich der Rat einig, der jedoch in der Erarbeitung einer solchen Prognose noch etliche Schwierigkeiten sah.

Vier Jahre für die Revision der Ortsplanung

Daniel Schreier, an der Sitzung vertreten durch Gemeinderat Jürg Schärli, informierte als Präsident im Ausschuss Ortsplanung über die in vier Jahren erfolgte Ortsplanungsrevision, deren Abschlussrechnung und über Kreditüberschreitung. 2017 hatte die Gemeindeversammlung 160'000 Franken bewilligt. Die Gesamtkosten beliefen sich schliesslich auf 251'000 Franken, weil im Auftrag Kantonaler Fachstellen weitere Aufgaben wie die Schaffung eines Naturinventars hinzukamen. Finanziert wurde es durch Einnahmen im Betrag von 36'164 Franken aus der Mehrwertabgabe. Die Mehrwertabgabe in Höhe von 20 Prozent wird fällig, wenn nicht überbaute Grundstücke um- oder neu eingezont werden. Mit Subventionen kostete die Gesamtrevision Ortsplanung noch 200'000 Franken.

Schreier schlug weitere Projekte wie eine Entwicklungsstudie für den Ortsbildschutz, ein Unterhaltskonzept für die örtlichen Bäche zur Finanzierung durch die Mehrwertabgabe vor. Der Rat genehmigte einstimmig den Kreditabschluss, die Verwendung der Mehrwertabgabe und dankte den Beteiligten für den gemäss Gemeindepräsident Bruno Eberhard «raumplanerischen Meilenstein». Festgelegt wurde der Quadratmeterpreis für die Landabtretung zur Verlängerung der Gewerbestrasse mit 150 Franken. Die Verlängerung Stichstrasse neu ab Grabmattstrasse wird im Landverkauf 10 Franken für Landwirtschaftsland und 220 Franken für Bauland erbringen.