Gegen 16 Uhr hatte die routinierte Fahrerin mit dem Pony den Wettbewerb absolviert. Gemäss Augenzeugen war sie auf der Ausfahrt nach ihrer Siegesfahrt, als das Tier plötzlich durchbrannte. «Sinnvollerweise wurde danach das rote Seil beim Ein- und Ausgang zum Parcours an den Metallpfosten ausgehängt. So wurde verhindert, dass sich das Pony in der Abschrankung verfängt», schildert der Nennigkofer Hausarzt Josef Wyser.

In gestrecktem Galopp und unkontrolliert preschte das Tier Richtung Aare. Die Lenkerin hatte keine Möglichkeit, den Ausreisser zu kontrollieren. «Es hatte ein Riesentempo drauf.» Bei der Fischerhütte nördlich des Veranstaltungsplatzes brach der 13-jährige Schimmel mitsamt Gespann durch eine Öffnung im Ufergebüsch, stürzte in die Aare und versank.

Situationsplan: Ort des Fahrturniers Lüsslingen-Nennigkofen und des Unfalls.

Situationsplan: Ort des Fahrturniers Lüsslingen-Nennigkofen und des Unfalls.

Die Frau konnte sich ans Ufer retten, blieb aber unverletzt. Sie erlitt einen Schock.

Mit Seilwinde und Traktor geborgen

Um 16.24 ging bei der Feuerwehr die Alarmmeldung ein. Kurze Zeit später war die Ortsfeuerwehr Lüsslingen-Nennigkofen mit rund acht Männern auf dem Platz. Weil der Hinterteil des Ponys bereits aus dem Wasser ragte, konnte ein Feuerwehrmann mit einem Kanu rund zehn Meter auf den Fluss fahren und ein Seil an dessen Fuss befestigen.

Mit Seilwinde und Traktor wurde das tote Tier ans Ufer gezogen, wo es abgespannt wurde. Pony und Kutsche wurden schliesslich separat an Land gehievt. Auch der anwesende Tierarzt des nationalen Pferdezentrums in Bern konnte nichts mehr ausrichten. Zu lange war der Schimmel unter Wasser.

Der Nennigkofer Hausarzt Josef Wyser, der als Mitglied des Reit- und Fahrvereins vor Ort war, kümmerte sich um die verunfallte Frau. Sie war am Dienstag für die Redaktion nicht erreichbar.

«Tosender Siegesjubel»

Weil weder die Polizei noch die Organisatoren des Fahrturniers informierten, kam der Vorfall zuerst nicht an die Öffentlichkeit. Keine näheren Angaben zum Hergang kann René Heiniger machen. Der Präsident des Organisationskomitees war zum Zeitpunkt des Unfalls zu weit weg vom Geschehen. Er konnte am Samstagabend aber mit der Pony-Halterin sprechen. Sie sei bestürzt gewesen. Ein Tier zu verlieren, mit dem man eine starke Beziehung hat, sei schwierig.

Heiniger hält selber Pferde und nimmt an Fahrturnieren teil. «Man ist am Morgen, am Mittag und am Abend bei den Pferden, verbringt jede freie Minute mit ihnen. Sie sind wie Familienmitglieder.» Warum das Pony durchbrannte, weiss Heiniger nicht. Ob es wegen des «tosenden Siegesjubels» des Speakers und des Publikums aufschreckte und Richtung Aare schoss, wie ein Zuschauer schildert, könne er nicht sagen. Oft brauche es gar nicht viel, damit ein Pferd das Weite sucht. Den Vorwurf der mangelhaften Einzäunung weist Heiniger von sich. Das Gelände sei ordentlich eingezäunt worden.

Seit zehn Jahren engagiere er sich im Fahrsport, sagt Heiniger. «Noch nie gab es einen Unfall.» Das Turnier deswegen abbrechen wollten die Organisatoren nicht. Auch die Tandem-Prüfung, an der jeweils der Schweizer Meister gekürt wird, fand am Sonntag wie geplant statt. Und wie vorgesehen will der Reit- und Fahrverein am kommenden Sonntag die Vereinsmeisterschaften durchführen.

Bilder vom Fahrturnier: