Die Musikgesellschaft begann ihr Konzert mit dem längsten Stück des Programms. Geschrieben wurde es von Jacob de Haan. Dieser liess sich durch die beeindruckend lange Kirchengeschichte Waldkirchs bei Waldshut inspirieren. Geschichtliche Perioden, markiert durch Unglücke erlaubten ihm unterschiedliche musikalische Abschnitte. Für das musikalische Hauptthema nutzte er den gregorianischen Gesang «Viderus omnes». Das Aufblühen der Gemeinde nach dem zweiten Kirchenbrand, also nach 1637 stellt er mit einem festlichen Jubilate dar, das dem Werk den Namen gibt.

Festliche Klänge war genau das, was die Musikgesellschaft Luterbach für ihr Adventskonzert im Jubiläumsjahr suchte. Zwar nimmt sie an, dass bereits ab 1884 eine Gruppe von Musikanten gemeinsam spielten. Protokolle zu einem geordneten Vereinsleben gibt es jedoch erst seit 1917. Dort ist nachzulesen, dass 1922 eine erste Vereinsfahne angeschafft wurde. Die wurde 1958 ersetzt. Die heutige Fahne wurde 1998 beschafft. Ein bedeutendes Ereignis war jeweils der Kauf einer Unform. Die erste gab es zwei Jahre nach der ersten Fahne. Sie wurde 1948 wieder ersetzt. Die dritte, 1978 beschaffte Uniform wurde 1998 durch die heutige abgelöst. Die anfängliche Wettbewerbsfreude verflog nach dem Besuch der Kantonalen Musikfeste 1926 in Grenchen und 1934 in Dornach etwas. Es dauerte bis 2014 zum nächsten Kantonalen Musikfest in Kriegstetten. 1996 stand der erste Besuch eines Eidgenössischen Musikfestes, damals in Interlaken an. Unter ihrem neuen Dirigenten Felix Heri entschloss sie sich auch 2016, in der dritten Klasse Harmonie an den Genfersee ans Eidgenössische zu fahren. Offensichtlich hat man erkannt, dass man an Wettbewerben wachsen kann.

Genau das war auch in der Kirche hörbar. Nach einem de Haan, einen Philip Sparke anzubieten, kann nicht falsch sein, fanden die Luterbacher. Allerdings hat dieser das gewählte Werk nicht selber geschrieben. Der Komponist ist ein englischer Organist, der von 1805 bis 1876 lebte. Philip Sparke fand darin genügend Material, um daraus «Once in Royal Davids’s City» für Blasmusik zu formen. Extrahiert hat auch der Belgier André Waignein unter dem Pseudonym Roland Kernen. Er bediente sich beim Choral von 1647 von Martin Rinckart «Nun danket alle Gott». Daraus wurde «Präludium und Choral», besonders passend zum Advent.

Mit Gesang und Vibrafon

Meist lädt die MG Luterbach zum Adventskonzert Gäste ein. Das war beim Jubiläumsanlass nicht anders. Dabei waren diesmal Gabriela Grob, Gesang und Walter Grob Vibrafon. Für einen ersten Einschub wählten sie das bekannte «Over the Rainbow» von Harold Arlen und das 1970 von Paul Simon und Art Garfunkel kreierte «Bridge over troubled Water». Die herrliche, gut tragende Stimme von Gabriela Grob passte für das 1987 von Julie Gold geschaffene «From a Distance» im zweiten Einschub perfekt. Die weich schwingenden Klänge des Vibrafons von Walter Grob bildeten den idealen Klangteppich dazu.

Die beiden bestritten auch einen Teil gemeinsam mit der Musikgesellschaft. Dabei vermochten aber leider die elektronischen Komponenten bei der geforderten Lautstärke qualitativ nicht ganz Schritt zu halten. Trotzdem blieb das vom blinden José Feliciano 1970 geschaffene «Felice Navidad» hörenswert. Noch mehr gilt das für «Les Feuilles Mortes», das unter dem englischen Titel ein Welthit ist, aber tatsächlich 1945 in Frankreich entstand. Für das gemeinsam vorgetragene Weihnachtslied «O du fröhliche» wurde das Publikum eingeladen mitzusingen. Das tat es auch, gut und überraschend gepflegt. Gebannt lauschte es aber danach die überraschend angefügte verkürzte jazzige Version, die als Zugabe gespielt wurde. Nach deren Verklingen war es einige Sekunden ruhig, dann begann das rhythmische Klatschen, mit dem üblicherweise Zugaben gefordert werden.