Naturschutz

Fertig renaturiert: Jetzt hat das Hochmoor «Chlöpfibeerimoos» eine Zukunft

Das Hochmoor "Chlöpfibeerimoos" im Grenzgebiet der Kantone Bern und Solothurn ist aufgewertet worden. Das Gehölz soll die offenen Flächen nicht weiter erobern können.

Das Hochmoor "Chlöpfibeerimoos" im Grenzgebiet der Kantone Bern und Solothurn ist aufgewertet worden. Das Gehölz soll die offenen Flächen nicht weiter erobern können.

Das Hochmoor «Chlöpfibeerimoos» im Grenzgebiet der Kantone Solothurn und Bern ist renaturiert. Damit ist die Zukunft der Naturoase gesichert. Die Moorflächen können wieder feuchter und nährstoffärmer werden.

Im März 2014 legten die Regierungsräte Andreas Rickenbacher (Kanton Bern) und Roland Fürst (Kanton Solothurn) selbst Hand an und halfen mit, die ersten Bäume im «Chlöpfibeerimoos» zu fällen. Damit wurden die Arbeiten zur Regeneration des einzigen Hochmoores im Kanton Solothurn gestartet.

Am Donnerstag trafen sich wieder zwei Regierungsräte und freuten sich über das Resultat der guten Zusammenarbeit der beiden Kantone. Roland Fürst tat dies in Gummistiefeln, in denen auch der grösste Teil der anderen Teilnehmer an der kleinen Feier erschienen war. Christoph Ammann – als Moor-Neuling – erschien allerdings in den Strassenschuhen, was er damit begründete, dass sich Politiker auch sonst ab und zu mit Halbschuhen im Sumpf bewegen würden. Dies führte in der Runde ebenso zu Gelächter, wie die Tatsache, dass die eigens hingestellte Berner Fahne doppelt so gross war, wie diejenige des Kantons Solothurn.

In einem waren sich aber beide Regierungsräte einig: Die Regeneration des ‹Chlöpfibeerimooses› sei ein handfester Beweis einer gelebten und guten Zusammenarbeit im Sinne des Ganzen. Dass die Arbeiten im Moor nicht ganz einfach waren, machte Thomas Schwaller (Abteilungsleiter Natur und Landschaft, Amt für Raumplanung Kanton Solothurn) deutlich. «Alle die hier gearbeitet haben, mussten ihr ganzes technisches Wissen einsetzen, damit die Regeneration gelingen kann.» 

20 einzigartige Pflanzenarten

Die kleine Feier am Donnerstagnachmittag diente auch dazu, zu danken. Regierungsrat Roland Fürst tat dies gerne. Er erwähnte unter anderem die Equipe von Bauern, die seit 2013 immer im Herbst das Moor pflegen. «Innerhalb weniger Tage wird hier gemäht, das empfindliche Moor wird freigeschnitten und das Schnittgut mit Heugabeln abgeräumt.» Pflege sei, so Fürst, die halbe Miete für den langfristigen Bestand des ‹Chlöpfibeerimoos›. Zusammen mit den ausgeführten technischen Sanierungsarbeiten – den Regenrinnen die gebaut wurden, den eingebauten Spundwänden und den aufgehobenen und umgebauten Drainagen – sei dies die Basis für den langfristigen Bestand des einzigen Hochmoores im Kanton Solothurn. «Über 20 Pflanzenarten haben hier ihr einziges und letztes Vorkommen», meinte Fürst weiter. Unter anderem das «Chlöpfibeeri», das dem Moor seinen Namen gebe.

Sein Berner Kollege Christoph Ammann betonte nochmals die Wichtigkeit der Zusammenarbeit über historische und kulturelle Grenzen hinaus. Der administrative Aufwand für die Regeneration des Moores sei nicht einfach gewesen, da drei Gemeinden und zwei Kantone involviert waren. «Aber gerade wegen der guten Zusammenarbeit wurde viel Vertrauen untereinander und gegen aussen geschaffen.» Dabei sei es auch wichtig, unterschiedliche Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Und manchmal, so Ammann, sei es besser, eine Lösung zu realisieren, die zwar nur 80 Prozent aller Ansprüche beinhalte, dafür aber umsetzbar sei.

Fenster zur Geschichte

Das «Chlöpfibeerimoos» gehört Pro Natura Schweiz und Pro Natura Kanton Solothurn. Geschäftsleitungsmitglied Urs Tester freute sich, dass der Patient «Chlöpfibeerimoos» behandelt wurde. Ob der Patient ganz gesund werde, könne man heute noch nicht sagen. «Moore waren eine lange Zeit für viele Menschen einfach nur ein unproduktiver Sumpf. Nur wenige interessierten sich dafür und wussten, dass ein Moor ein aussergewöhnlicher Lebensraum ist, in dem aussergewöhnliche Pflanzen und Tiere leben.»

Urs Tester, Geschäftsleitungsmitglied pro Natura Schweiz: «Lange Zeit galt ein Moor für viele Leute als unproduktiver Sumpf»

Urs Tester, Geschäftsleitungsmitglied pro Natura Schweiz: «Lange Zeit galt ein Moor für viele Leute als unproduktiver Sumpf»

Moore seien zudem Fenster der Geschichte der Landschaft. «Man kann im Moorboden ablesen, was bis zurück in die Eiszeit hier alles passiert ist.» Pro Natura setze sich schon seit ihrer Gründung für Moore ein. «Im ‹Chlöpfibeerimoos› engagieren wir uns allerdings erst seit rund 50 Jahren.»

Der Fonds Landschaft Schweiz finanzierte einen Teil der Arbeiten. Bruno Vanoni, Informationsbeauftragter, freute sich darüber, dass hier ein grenzüberschreitendes Projekt unterstützt werden konnte. Es sei allerdings nicht das erste. Der Fonds habe sich auch für den Biotopverbund im grossen Moos, zwischen den Kantonen Bern und Freiburg, und für die Wässermatten, in den Kantonen Bern und Luzern, eingesetzt. Der Fonds habe im Kanton Solothurn bisher 25 Projekte unterstützt und 0,9 Mio. Franken ausgeschüttet. Im Kanton Bern waren es 330 Projekte und 12 Mio. Franken.

«Das Projekt hier zeigt schön auf, dass es in den Kantonen und bei den Gemeinden an Geld für solche Arbeiten mangelt», so Vanoni. Damit machte er darauf aufmerksam, dass die Gelder für den Fonds im Jahr 2021 auslaufen würden. Zwei Mal habe das Parlament den Fonds bereits gegen den Willen des Bundesrates verlängert. «Hoffen wir, dass dies noch ein weiteres Mal gelingt», warb Vanoni.

Im Chlöpfibeerimoos werden gefällte Bäume mit dem Heli abtransportiert

Im Chlöpfibeerimoos werden gefällte Bäume mit dem Heli abtransportiert (September 2016)

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