Gemeinschaftsantenne

Fernsehkonsum schwächelt - Internet und Telefonie erleben Schub nach vorne

Marcel Eheim, Geschäftsführer der Gemeinschaftsantenne Weissenstein.

Marcel Eheim, Geschäftsführer der Gemeinschaftsantenne Weissenstein.

Die Gemeinschaftsantenne Weissenstein passt sich den vorhandenen Kommunikationsgegebenheiten an: Noch in diesem Jahr soll ein integriertes Paket lanciert werden, das auch das Handy beinhaltet. Offene Fragen kann der Geschäftsführer beantworten.

An der Generalversammlung wurden Zahlen zur Entwicklung der Gemeinschaftsantenne Weissenstein bekannt gegeben. Das Internet floriert, das Fernsehen schwächelt. Herr Eheim, was sind die Gründe dafür?

Marcel Eheim: Das Internet floriert, weil wir eine gute Bandbreite und einen guten Service anbieten. Hier hat unser Kabelnetz nach wie vor einen Vorteil gegenüber dem Kupfernetz der Swisscom.

Und die Glasfaser?

Das Glasfasernetz hat viele Lücken. Aber natürlich werden die Netze immer ähnlicher, das wird sich ausgleichen. Überall, wo Glasfaser eingebaut wird, wird der Unterschied zwischen Kupfer und Kabel wegfallen.

Dann wird nur noch der Preis massgeblich sein.

Der Preis und andere Faktoren wie der Service.

Jetzt, so sagen Sie, entscheidet vor allem die Leistung.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch der Service spricht für uns und die regionale Verbundenheit. Hinzu kommt aber ein allgemeiner Trend, der auf beiden Seiten zu spüren ist: Die Kunden suchen tendenziell das gesamte Angebot bei einem Anbieter.

Deshalb das Plus im Internetbereich und das Minus im Fernsehbereich bei der GAW?

Ja, dies bestätigen unsere Zahlen. Leider wechseln dann auch Kunden von uns weg zu anderen Anbietern.

Ein Verlust, der schmerzt.

Jeder Verlust schmerzt. Vor allem auch deshalb, weil der Kunde, entscheidet er sich für ein Gesamtpaket bei der Konkurrenz, gleich vollständig weg ist. Dieser Trend ist gesamtschweizerisch feststellbar. Kommt hinzu, dass wir als Kabelnetzbetreiber einen recht hohen Anteil im Fernsehgeschäft haben. Da ist es nachvollziehbar, dass wir auch Kunden abgeben müssen. Leider.

Wie entwickelt sich der regionale Markt?

Wir wachsen überdurchschnittlich. Besonders gut stehen wir im Internetbereich da. Rund 34 Prozent unserer Kunden beziehen über das Kabel das Internet und rund 24 Prozent auch die Telefonie. Unser Marktanteil wächst stark. Im Internet haben wir im letzten Jahr um 9,9 Prozent zugelegt. In der Telefonie lag der Zuwachs bei 7,1 Prozent. Beim Fernsehen verloren wir 1,1 Prozent.

Sie sind auch im Handy-Markt aktiv. Wie läuft dieses Geschäft?

Es wächst stetig, aber es ist noch kein grosses Geschäft. Hier sind die Kunden oft lange gebunden, deshalb fällt ein Wechsel nicht leicht. Wir gehen innovative Wege. So haben wir beispielsweise die Entkoppelung von Abo und Gerät eingeführt. Man kann mit einem Handy zu uns
kommen, und wir bieten ein reines Abo, das billiger ist, an. Weiter gibt es keine Mindestlaufzeiten auf den Service
mehr. Das ist eine neue Entwicklung im Mobilebereich.

Ist ein Gesamtpaket Fernsehen, Internet, Handy der nächste Schritt?

Das ist noch in diesem Jahr geplant.

Weil man mit den bisherigen Angeboten genug verdient hat?

Mit dem Verdienen hat das nichts zu tun. Es geht vielmehr darum, dem Bedürfnis der Kunden nach zu kommen. Da wir relativ neu im Mobile-Markt agieren, brauchte es eine gewisse Zeit und Erfahrung, bis wir attraktive Produkte präsentieren können.

Ein Thema ist auch der Netzbau. Die Konkurrenz verbessert in den Dörfern, aktuell im Bucheggberg und Halten, das Netz und bedrängt damit die GAW.

Mit Glasfaser in der Strasse holt die Konkurrenz nach, was die GAW bereits vor über 10 Jahren gebaut hat, verkauft es aber als etwas Neues. Inzwischen haben wir begonnen, unser Netz auf Glasfaser zu migrieren. In den Gemeinden Solothurn, Zuchwil, Biberist und Langendorf tun wir dies in Kooperation mit der Swisscom. Swisscom baut das Netz in Solothurn und die GAW baut die Netze in den Gemeinden Biberist, Zuchwil und Langendorf.

Wird Glasfaser bis zum Haus aufs ganze Gebiet ausgedehnt werden?

Ja, das kommt überall, aber nicht sofort. In den vier angesprochenen Gemeinden werden wir bis 2018, 2019 fertig. Damit ist unser Versorgungsgebiet zur Hälfte abgedeckt, zumal in Derendingen das EWD das Netz bereits bis zum Haus erstellt hat. Anschliessend geht es weiter. Momentan sind wir dank unserem leistungsfähigen Netz problemlos in der Lage, grosse Bandbreiten im ganzen Gebiet anzubieten. Ziel ist es, die Migration abgeschlossen zu haben, wenn das koaxiale Netz aus Kapazitätsgründen nicht mehr reicht. Wir gehen heute davon aus, dass dies zwischen 2025 und 2030 der Fall sein wird.

Gleichzeitig bauen Sie weiter am freien Netz für Mobile. Konkurrenzieren Sie sich mit WLAN nicht selber?

Nein, das WLAN ist eine Zusatzleistung für unsere Kunden. Sie können beispielsweise ein günstigeres Abo wählen und bei kurzfristigem grösseren Bedarf das WLAN nutzen.

WLAN wird aber nur an einzelnen Punkten angeboten.

Wir bieten das Netz dort an, wo sich viele Leute aufhalten. So kann man es vom Bahnhof bis zum Bieltor nützen und am Landhausquai. Weiter in der Reithalle, in der Badi und im CIS. Wir können uns auch vorstellen, Dorfplätze in den Gemeinden ins Netz zu integrieren.

Angebote für interaktives Fernsehen, also beispielsweise Sendungen zeitversetzt abrufen, werden stark beworben. Um dem Kunden Geld aus der Tasche zu ziehen?

Ziel ist es, einen guten Service zu bieten, um das konventionelle Fernsehen in die neuen Medien zu transportieren. Das entspricht dem Wunsch unserer Kundinnen und Kunden. Wir brauchen diesen Dienst, sonst riskieren wir einen grösseren Kundenverlust. Vor einigen Jahren rechnete ich mit höchstens 30 Prozent unserer Kunden, die ein solches Produkt wollen und aktiv nutzen. Heute sind wir bei 50 bis 60 Prozent.

Am Ende bleiben laut Ihrer Einschätzung nur zwei Anbieter übrig. Ist die GAW mit dabei?

Ich würde es nicht mehr so krass formulieren. Es gibt sicher mehrere Anbieter und auch Nischenanbieter. Die GAW hat sehr gute Argumente und wir sind sicher, dass wir im Markt bestehen werden. Der Service, die Regionalität und das Preis-Leistungs-Verhältnis sind einige davon.

Sie prangerten die Werbemethoden der Swisscom an. Hat sich das Verhältnis normalisiert?

Im Zusammenhang mit der Abschaltung des analogen Angebotes gaben zwei Dinge zu reden. In der Empfindung unserer Kunden war die Swisscom grenzlastig unterwegs, weil sie sehr viel Werbung machte. Das andere war die uns zugetragene Behauptung, mit dem Bau der Glasfaser müsse man zu Swisscom wechseln, ansonsten könne man nicht mehr fernsehen. Was natürlich überhaupt nicht zutreffend ist. Jetzt ist es aber in dieser Beziehung eher ruhiger geworden.

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