Lepa Ingold stellt zwei «Radler» auf den Tisch. So etwas trinke sie nur zwei oder drei Mal pro Jahr, wenn es wirklich heiss sei, sagt sie. Beim Medientermin war es heiss. Draussen im Garten drehen Wildbienen und rund 25 Schmetterlingsarten ihre Runden. Lepa und ihr Mann Willi Ingold sind leidenschaftliche Vogel- und Naturschützer; ihr Garten ist wild, aber mit seinen Tischchen und Bänken dennoch einladend. Für die Mauersegler haben sie Nistplätze angefertigt. «Wir sind extrastolz auf die», sagt Lepa Ingold. «Es ist spektakulär, wenn die Segler hier jeden Abend ihre Akrobatik machen.»

2003 zog die Familie ins Derendinger Elsässli und verliebte sich sofort in das Quartier. 2010 eröffneten sie das Bed and Breakfast im Parterre ihres Hauses. «Mein Mann war skeptisch, weil Derendingen touristisch nichts zu bieten hat, aber wir haben beschlossen, es ein Jahr lang zu probieren», sagt Ingold. Die Investitionen für den Ausbau zur «Pension Stern» hat die Familie innert eines Jahres wieder reingeholt, auch dank deutschen Arbeitern, die am Bau des Synthes-Hauptsitzes in Zuchwil beteiligt waren und gleich anderthalb Jahre im BnB blieben.

Verwandte und Belinda Bencic

«Aber erstaunlicherweise kamen auch Leute, um hier Ferien zu machen», freut sich Lepa Ingold. «Die machen dann Tagesausflüge von hier aus.» Besonders Gäste aus Deutschland habe sie viele. Darunter seien oft Leute, die in der Umgebung Verwandte besuchten. «Die Leute sind begeistert von unserem verwilderten Garten. Und so etwas wie dieses denkmalgeschützte Quartier ist schon aussergewöhnlich.»

Schön fände sie, dass die Gäste oft mit ihr in Kontakt blieben und teilweise wiederkämen. Und erst kürzlich habe sie gemeinsam mit ihrem Mann ehemalige Gäste in Berlin besucht. Auch Tennisspielerin Belinda Bencic habe schon zweimal in der Pension Stern übernachtet, erzählt Ingold, die früher im Tenniscenter Derendingen arbeitete und die aktuelle Weltnummer 22 dort kennen lernte.

«Es ist wie eine Berufung»

Lepa Ingold ist in Bosnien-Herzegowina aufgewachsen. «Bei uns ist Gastfreundschaft das A und O», sagt sie. «Mein Vater liess oft Reisende bei uns übernachten, das ist mir wohl geblieben.» Zwar geben die fünf Zimmer mit den sechs Schlafplätzen viel zu tun, aber die Tochter komme ihr oft helfen, so Ingold. «Ich mache das so gern, das ist wie eine Berufung.»

Reich werden könne man von dem Geschäft indes nicht. So muss sich Ingold auch überlegen, welche Plattformen sie zur Vermarktung nutzen will, denn überall fallen Gebühren an. «Bei ‹BnB Switzerland› bin ich registriert, bei ‹Booking.com› bin ich jedoch nicht, die verlangen zu viele Gebühren», findet sie. «Die sagten mir, ich müsse halt meine Preise erhöhen, aber das wollte ich nicht.»

Und Werbung lässt sich ja auch auf anderen Wegen machen. Ehemann Willi Ingold ist Grafiker und gestaltet die Flyer für das BnB, aber auch Postkarten für das ganze Elsässli.