Hals über Kopf durch die Luft wirbeln, einen Teller Älplermagronen oder eine Pizza essen, alte Freunde Treffen oder ein neues «Schätzeli» finden: An der Krebskilbi war über das Wochenende all dies und noch viel mehr möglich.


Zum Auftakt läuten um acht Uhr die Kirchenglocken und dann marschiert die Musikgesellschaft Kriegstetten über den Dorfplatz. Die jungen Männer chlöpfen mit ihren riesigen Geisseln – wie seit 1350. Der Jodlerklub Waldrösli ist ein weiterer Höhepunkt, gefolgt von der Aufführung der traditionellen Tänze durch die Trachtengruppe. All das kennt und liebt man an der Krebskilbi, die es seit über 500 Jahren gibt und die früher als Erntedankfest galt. Und wenn die Musikgesellschaft auf dem Karussell fahrend den Chilbimarsch spielt, dann ist das der Startschuss für den ganzen Lunapark.


Mittlerweile ist es aber der zweite Startschuss, denn der Kilbibetrieb beginnt jetzt am Samstag schon um 14 Uhr. Zur Freunde der Marktgänger: «Das Wetter ist perfekt, schön aber nicht zu heiss. Das Geschäft läuft sehr gut», freute sich Helmuth Achermann, der das traditionelle Magenbrot und feine «Nidletäfeli» verkauft. «Der grösste Aufwand ist der Aufbau des Marktstandes und es macht deshalb Sinn, dass wir am Samstag unsere Zeit möglichst gut ausnützen dürfen.»


«Es hat viel mehr Leute, als ich erwartet hätte»


Sie sei zunächst etwas skeptisch gewesen, ob der frühere Start der Kilbi überhaupt etwas bringe, meinte Silvia Stampfli aus Luterbach. Sie verkauft seit über 30 Jahren Schmuck und Dekorationen, die sie selber herstellt. «Nun bin ich positiv überrascht. Es hat viel mehr Leute, als ich erwartet hätte und das Geschäft läuft gut.» Der zusätzliche Umsatz durch die neuen Stunden kommt gelegen. «Es ist schwieriger geworden, auf den Märkten seinen Lebensunterhalt zu verdienen», sagt Silvia Stampfli, «aber ich wollte nie etwas anderes machen, ich reise gerne herum und der Marktstand ist mein Leben.»

Auch bei den Besuchern ist der frühere Start sehr gut aufgenommen worden. «Meine Kinder lieben den Lunapark, aber am Abend wäre es zu spät für die Kleinen geworden», meinte Stefan Huber, während sich sein Nachwuchs durch die Luft wirbeln liess.
Und so strömten die Leute aus dem Wasseramt in Scharen nach Kriegstetten. Weniger laute Partys, keine Kopie der Streetparade, kein Ballermann. Dafür mehr gemütliches Zusammensitzen. Freunde treffen und Ideen austauschen für die ältere Generation, Lunapark und ein wenig «karisieren» für die Jungen. Nach dem Gesundschrumpfen der letzten Jahre scheint das neue Rezept zu wirken, die Krebskilbi ist wieder im Aufschwung.


Nur die gekochten Flusskrebse fehlen


Aber wo findet man eigentlich noch die gekochten Flusskrebse, die der Kilbi einst den Namen gaben? An ihre Stelle ist das feuerrote, freundliche Maskottchen getreten, das zur Freude der Kinder und der Kindgebliebenen die Erinnerung an die Ursprünge des schönen Dorffestes wach hält. Und eines ist geblieben, wie es immer war: Der letzte, der nach Hause geht, der nimmt dann den Sommer mit. Auch diesmal strichen im Morgengrauen nach dem grossartigen Fest die ersten Nebelschwaden durch das Wasseramt – der Herbstbeginn gehört irgendwie zur Krebskilbi.