«Könnte ich noch einmal wählen, würde ich wieder dasselbe machen. Nur würde ich etwas früher damit beginnen», erklärt Marti beim Kaffee im Restaurant des «Läbesgarte» in Biberist.

Angefangen hat alles im Jahr 1973. Willi Marti war 25 Jahre alt, sein Beruf als Decolleteur gefiel ihm nicht wirklich und so reiste er per Autostopp nach Amsterdam. Dort erblickte er eine spezielle Maschine, die ihn auf Anhieb faszinierte: Eine Zentrifuge, in die man Papier und Farben geben konnte. Durch die Zentrifugalkraft entstanden ganz spezielle Bilder. Zurück aus Amsterdam baute Marti eine eigene Maschine mit vier Zentrifugen, begann damit herumzureisen – und hatte Erfolg. Alles, was er damals verdiente, investierte er wieder. Zuerst erwarb er eine Schiessbude und 1979 sein erstes Karussell. Und so ging es weiter: Mehr und grössere Anlagen mussten es sein.

Immer noch gefällt Willi Marti das traditionelle Rössli-Spiel, das von Orgelmusik begleitet wird und in der Region praktisch nur noch an der Krebs-Kilbi in Kriegstetten zu sehen ist. «Die Kinder mögen heute andere Anlagen. Autos oder Flugzeuge sind gefragt.» Auch die Schiffschaukel oder die Kettenflieger seien praktisch verschwunden. Martis grösste Anlage ist heute ein sogenannter «Octopus», mit dem sich vor allem Jugendliche durch die Luft wirbeln lassen. «Je grösser die Bahn, desto höher die Verantwortung für die Sicherheit», so Marti. Die Anlagen und Geräte werden deshalb bei jedem Einsatz geputzt, geschmiert, kontrolliert und mit einem Sicherheitstest abgenommen.

Man brauche zwei geschickte Hände in diesem Business. In aller Regel kaufe man eine Anlage als Prototyp und adaptiere sie dann. «Vieles was mit der Elektrizität zu tun hat, kann ich selbst machen. Auch airbrushen habe ich gelernt.» Das lohne sich, meint Marti und gibt ein Zahlenbeispiel. Ein Autoscooter koste heute rund 900 000 Franken. «Da ist aber noch kein Licht eingerechnet, keine Musikanlage.» Bis die Anlage auf dem Rummelplatz eingesetzt werde, seien in der Regel 1,2 Mio. Franken investiert worden. In Deutschland lohne es sich, in eine grosse und verrückte Maschine zu investieren. «Die Plätze sind grösser dort, die Städte sind grösser und damit gibt es auch viel mehr Publikum.»

Sohn ist Nachfolger

Willi Marti hat Glück. Sein Sohn Patrick führt das Geschäft weiter. Viele von Martis Kollegen haben keinen Nachfolger. «Der Druck ist auch in unserer Branche grösser geworden.» Man sei oft mit dem Lastwagen unterwegs auf der Strasse. «So wie der Verkehr heute läuft, ist das oft stressig.» Zudem seien auch die Vorschriften massiv verschärft worden: Die Lastwagen und Anhänger müssten jährlich in der Motorfahrzeugkontrolle vorgeführt werden.

Aber das Reisen als solches, von einem Chilbiplatz zum anderen, hat es Willi Marti angetan. «Nach all diesen Jahren habe ich ein riesiges Beziehungsnetz und treffe immer wieder dieselben Leute.» Und noch heute wird er häufig von seiner Frau Monika begleitet. «Früher hat sie auch beim Aufstellen der Anlagen geholfen.» Dies erledigen heute Angestellte. Rund acht Monate pro Jahr ist Marti als Schausteller unterwegs.

Die ganz grossen Anlässe, wie etwa in Zürich, besucht er heute aber nicht mehr. Auch in Solothurn wird nur noch der Mai-Markt durchgeführt. In Reiden (Luzern), in Kriegstetten, Derendingen, Subingen, in Laupersdorf, Mümliswil und natürlich in Grenchen ist Marti aber seit Jahren mit dabei. Ebenso an der HESO oder der Luzerner Messe. Neu dazugekommen sind in den letzten Jahren Einzelanlässe wie Weihnachtsmärkte, Hornusser- oder Turnfeste.

Preise sind immer noch gleich

«In den letzten Jahren habe ich nicht nur die Zahl der Anlässe, sondern auch den Anlagenpark heruntergefahren», so Marti. Längst hat er nämlich das Pensionsalter erreicht. Im Dezember wird er 67 Jahre alt. Zurzeit geniesst er aber das Heimspiel in Biberist, wo er schon seit Jahrzehnten mithilft, die Chilbi zu organisieren. So war Willi Marti gestern Morgen auf dem Chilbiplatz anzutreffen, wo er selbst Hand anlegte. «Am Morgen früh, wenn die Sonne noch nicht zu hell scheint, sieht man die Lichter am besten», erklärt er und wechselt kaputte Lämpchen aus.

«An unseren Anlagen haben wir Zehntausende kleiner Lämpchen», so Marti. Und diese werden ab heute Abend in der Bleichematt wieder die Nacht erleuchten. Übrigens: Eine Karussellfahrt kostet bei Martis immer noch Fr. 2.50 und ein Schuss in der Schiessbude einen Franken – wie zu den Anfangszeiten.