Die Bänklete ist die samstägliche Fasnachtsveranstaltung der Chräbszunft. So etwas wie ihr Rückgrat ist die eigene Musikformation, die Zunftmusik. Sie ist nicht ganz alltäglich besetzt. Eine Klarinette, zwei Trompeten und eine Posaune sind mit einem Drumset nicht gerade spektakulär. Das wird es erst mit der Helikontuba.

Eine solche liefert der Chäbsmusig die Tiefen, also den musikalischen Boden. Für die Feinheiten und gelegentliche Soli sorgt ein Akkordeon. Notenblätter oder gar Notenpulte gibt es bei ihr nicht. Alle spielen alles aus dem Kopf. Dabei scheint das Repertoire schier unerschöpflich zu sein und stammt aus den verschiedensten Bereichen der Unterhaltungsmusik. Sie eröffnete traditionsgemäss auch die Ausgabe 2019.

Nach wenigen Stücken räumten sie vorerst die kleinere Bühne für die neue Oberin Claudia Hürlimann. Diese begrüsste - dem Motto entsprechend in einem zauberhaften Kostüm – die zahlreichen Gäste, die Helfer und die Mitwirkenden. In ihre –notabene gesungene – Begrüssung schloss sie den Dank an diese alle ein. Sie fügte aber auch erste närrische Nadelstiche an. Über die Ernährung gelangte sie dabei zu den möglichen und vor allem absurdesten Apps. Die Chräbszunft bediente sich bei unterschiedlichen Themen. Einen witzigen Einfall hatte sie zum Lehrplan 21. Erstmals in Kriegstetten dabei war s’Kuni us em Gundeli aus Basel. Die kleinen Hunde in den Handtaschen und die richtige Bezeichnung der bisher Mohrenkopf genannten Leckerei waren ein Thema. Die Schnäderpänsli aus Wiedlisbach brachten ihre lokalen Probleme zur Sprache. Sie befassten sich aber auch mit Pierre Maudet.

Ein Zusammenschnitt der Bänklete 2019 in Kriegstetten

Ein Zusammenschnitt der Bänklete 2019 in Kriegstetten

Ganz aus weiblicher Sicht verfolgten sie die Beziehungen zwischen Helene Fischer und Florian Silbereisen. Gemäss den Seegrundwüeler aus Biel braucht man bald eine umfassende Expeditionsausrüstung um noch eine echte Poststelle zu finden. Die Bänklischliffer aus dem Baselland wiesen auf neuere prominente Rücktritte hin und stellten fest, dass Pierre Maudet weiterhin Spesen aufschreibe. Den Abschluss der Bänkler machten die «Die 3 Musketiere» aus Bern. Sie produzierten die lautesten Lacher und das fast pausenlos. Teils wurden sie fast selber davon erfasst. Eines ihrer Themen war der Genfer Pierre Maudet. Mehrfach tauchte auch der Herr Fischer von der entsprechenden Bettwarenfabrik auf.

Frühere ihrer Auftritte waren aber sicher auch schon subtiler gestaltet. Gerade umgekehrt ist das bei den einheimischen Senklochtauchern. Sie traten meisterlich als französische Gilets jaunes auf. Bei ihnen stimmte der Mix aus – natürlich „französisch gefärbtem“ Zwischentext, den Versen und dem Gesang. Ihr bewusster Verzicht auf ein durchgängiges Versmuster brachte Abwechslung und damit Spannung. Toll war auch diesmal ihr schier unendlicher „Simseli-Gesang“ in den sie – übrigens gut vorgetragen – raffiniert Pointen vorbereiten und sie dann wirksam platzen lassen konnten. Nebst Weltbewegendem fanden in ihrem Auftritt auch kleine lokale Missgeschicke Eingang wie offene Autoscheiben beim Waschen oder dem Salz statt Zucker im Dessert.

Protestierten in Gilets jaunes: die Sänklochtoucher, unzensiert

Protestierten in Gilets jaunes: die Sänklochtoucher, unzensiert

Hochs und Tiefs gibt es eben auch bei den Bank-Autoren. So ist es in der Kunst – manchmal küssen die Musen innig und manchmal eher weniger. Mit musikalischen Einschüben wurden die Bankvorträge gegliedert. Da durften natürlich die lautstarken Baukis nicht fehlen. Sie füllten mit gepflegtem Guggensound die Halle. Den Schallpegel der Baukis erreichten die Tambourenboys aus Biberist nicht. Sie überzeugten zunächst mit ihrer raffinierten Perkussionsschau. Regelrecht überrascht haben sie jedoch mit ihrem Auftritt mit den abgestimmten Klangröhren. Da erklangen aus einem Kinderliedchen plötzlich Welthits oder sogar eine Rossini-Komposition. Einzige Instrumente waren dabei die auf die eigenen Schenkel geschlagenen Röhren. Auch die Zunftmusik bekam einen Zwischenauftritt. Ihre grösste Zeit begann jedoch nach dem Programm.