Luterbach
Fasnachtsposse ums «Rössli»: Dorfnarren wollen nicht in der traditionellen Fasnachtsbeiz feiern

Die Luterbacher Dorfnarren haben das «Rössli» nicht als offizielle Fasnachtsbeiz in die Dorffasnacht integriert. Wirtin Silvia Bonafe kann diesen Entscheid nicht verstehen.

Urs Byland
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Bereichert die Dorffasnacht mit Sambarhythmen: Wirtin Silvia Bonafe.

Bereichert die Dorffasnacht mit Sambarhythmen: Wirtin Silvia Bonafe.

Hanspeter Bärtschi

Geht es um das Restaurant Rössli in Luterbach, häufen sich die Missverständnisse. Seitdem die Gemeinde Anfang 2017 die Liegenschaft übernommen hatte, um die Existenz des Dorftreffpunkts zu sichern, was viele schon als Missverständnis betrachteten, steht das Projekt unter einem schlechten Stern.

Ein Missverständnis war für einen Teil der bisherigen Stammkundschaft die Verpflichtung von Silvia Bonafe als Wirtin. Bonafe, die gleichzeitig (erfolgreich) das La Chiquita Bar Café auf dem Industrieareal Attisholz Nord führt, wollte mit frischem Wind das serbelnde Restaurant wirtschaftlich auf einen grünen Zweig bringen. Einem Teil der Stammkundschaft soll aber die Entwicklung weg von einer traditionellen Dorfbeiz nicht gepasst haben. Und weil das «Rössli» mit dem Kauf durch die Gemeinde und die Bürgergemeinde Allgemeinbesitz wurde, fühlten sich etliche Luterbacher befugt, eine breite Diskussion zu Geschick oder Ungeschick von Wirtin und Betriebsgesellschaft Rössli GmbH zu lancieren.

Kommt hinzu, dass sich die Wirtin nicht an die Abmachung mit der Rössli GmbH hielt, das Wirtepatent innerhalb einer bestimmten Frist nachzuholen. Der Kanton schritt ein und liess das «Rössli» schliessen, worauf Silvia Bonafe das Patent für das «Rössli» durch eine andere Person zur Verfügung stellen liess. Das ist nicht aussergewöhnlich und wird auch andernorts so praktiziert. Aber diese Sache war natürlich Wasser auf die Mühle der Kritiker.

Vor dem Abgang

Silvia Bonafe schaffte es zudem nicht, eine von ihr gewünschte Mietzinsreduktion mit der Rössli GmbH auszuhandeln. Es kam zur Kündigung. Bonafe war mit dieser, laut eigener Aussage, einverstanden, konnte sich aber mit der Rössli GmbH nicht auf den Zeitpunkt einigen. Sie wollte drei Monate länger über den Kündigungstermin hinaus im «Rössli» wirten, weil sie bereits Übernachtungen abgemacht hatte. Um trotzdem länger bleiben zu können, «habe ich gegen die Kündigung Beschwerde geführt», erklärt Bonafe. Die Verhandlung vor der Schlichtungsstelle ist abgeschlossen. «Wenn sie nicht weiterzieht ans Amtsgericht, akzeptiert sie die Kündigung und muss gehen», erklärt Richard Schwaller Präsident der GmbH die aktuelle Lage. Die GmbH habe, so Schwaller, bereits im November das Lokal neu ausgeschrieben und diverse Interessenten gefunden. «Diese mussten wir aber vertrösten, bis der Rechtsfall mit Bonafe abgeschlossen ist», so Schwaller.

Silvia Bonafe wiederum hofft auf einen Kompromiss. «Ich glaube, es ist Zeit für mich, zu gehen.» Und das «Rössli» verlassen werde sie, wenn die GmbH ihr finanziell entgegenkomme.

Dorfnarren wollen nicht mit ihr

Ein weiteres «Missverständnis» sorgt nun dafür, dass das «Rössli» auch Luterbachs Dorffasnacht aufwirbelt. Das «Rössli», neben der «Post» und der «Krone» eine der drei traditionellen Fasnachtsbeizen, soll in diesem Jahr nicht zur Verfügung stehen. Dies behaupten zumindest die offiziellen Dorfnarren. «Die Narren sind an mich getreten mit der Idee, das Klublokal des FC Luterbachs anstelle des ‹Rössli› als offizielle Fasnachtsbeiz zu nutzen», erklärt Gemeinderat Hans Peter Schläfli. Weil dieses Klubhaus etwas weit weg vom Dorfzentrum mit den beiden anderen Beizen liegt, hat Schläfli entschieden, einen Shuttledienst zu organisieren. Das Ressort Kultur will dafür die Kosten übernehmen. Die Feuerwehr stellt das Fahrzeug und den Fahrer. Die Gemeinde wolle, begründet Schläfli, das fasnächtliche Treiben unterstützen und Autofahrten betrunkener Fasnächtler verhindern.

Aber warum soll das «Rössli» für Fasnächtler geschlossen sein, wie es Schläfli ausdrückt? Dazu sagt Thomas Hänni, Präsident der Strümpfli-Zunft Luterbach: «Wir haben bereits im letzten Jahr den Entschluss gefasst, aufs Rössli zu verzichten. Dies wegen den Unabwägbarkeiten, wie es im Rössli weitergeht», so Thomas Hänni. Die organisierenden Luterbacher Narren hätten den Entscheid lange hinausgezögert, fügt er an. Luterbachs Obernarr und Gemeinderat Remo Moser will nichts dazu sagen, bestätigt aber Hännis Aussage. «Wir haben uns unabhängig dazu entschieden, das Rössli nicht als offizielle Fasnachtsbeiz in die Dorffasnacht zu integrieren.»

Samba im «Rössli»

Silvia Bonafe kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. «Ich wurde nicht angefragt, ob ich auch in diesem Jahr Mehlsuppe kochen wolle. Man ignoriert mich einfach.» Das «Rössli» sei offen für alle, auch für Narren. An der Eingangstüre klebt ein Flyer, auf dem das Programm für den «Schmutzigen Donnschtig» verkündet wird. Ab 5 Uhr schöpft Bonafe Mehlsuppe und ab 20 Uhr kann zu Samba getanzt werden. «Ja, ich mache Karneval im Rössli. Eine Sambagruppe sorgt für die Musik.» Gut möglich also, dass der Shuttledienst die Gemeinde wenig kostet. Wer will da noch in den kalten Bus steigen und Fasnacht im FC-Klubhaus feiern?