Aareinseli
Familie Antener lässt sich nicht «wortlos beerdigen»

Auf dem Aareinseli wird umstrukturiert. Die Obstplantage soll die weggefallene Milchwirtschaft ersetzen. Baulich sind aber noch Stolpersteine zu überwinden.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Sohn Adrian will künftig die Obstplantage unterhalten. Seine Eltern Vreni und Simon Antener hoffen auf ein gutes Ende im Verfahren mit den Behörden.

Sohn Adrian will künftig die Obstplantage unterhalten. Seine Eltern Vreni und Simon Antener hoffen auf ein gutes Ende im Verfahren mit den Behörden.

Hanspeter Bärtschi

Das im «Azeiger» publizierte nachträgliche Baugesuch der Familie Antener auf dem Aareinseli enthält nun auch die neue Obstplantage. Gesuchsteller ist neu, wie angekündigt, die Generationengemeinschaft Antener, in welcher Vater, Tochter und Sohn vereint sind. Bauplatz ist das Aareinseli auf Gemeindegebiet Selzach, welches ausserhalb der Bauzone liegt.

Die Familie Antener plant eine Umstrukturierung. Hintergrund ist der weitere Einbezug der Kinder in den Betrieb und die Sicherstellung von deren Zukunft. Geplant ist ein Ausbau des bereits bestehenden Gastrobetriebes einerseits. Andererseits soll auf Mutterkuhhaltung umgestellt werden, und eine Obstplantage die wegfallende Milchwirtschaft ersetzen. Dieser Ersatz ist nötig, damit der Landwirtschaftsbetrieb weiterhin als solcher gelten kann. Ohne Obstplantage erwirtschaftet der Betrieb zu wenig im landwirtschaftlichen Bereich. Die erforderliche Standardarbeitskraft wäre nicht garantiert und der Betrieb würde nicht mehr als Landwirtschaftsbetrieb gelten.

Alles wird publiziert

Mit der Baupublikation ist aber auch der Weg frei, dass die Gemeinde Selzach ihrerseits Einsprache halten kann. Diese Absicht hatte der Gemeinderat angekündigt im Zusammenhang mit der Obstanlage, welche zu nahe an die Aare gebaut worden sei. Nur: Die Baupublikation entspricht nicht dem Ansinnen der Familie Antener. «Man hat uns gesagt, wir müssen einzig für die bereits erstellte Obstplantage nachträglich ein Gesuch einreichen, aber nicht für die restlichen Bauten», berichtet Vreni Antener.

Diese seien bereits im Oktober 2014 publiziert worden. Damals hatte die Gemeinde keine Einsprache gehalten. «Und damals hat uns der Kanton gesagt, dass ein Baugesuch für die Obstplantage nicht nötig sei.» Schon früher hatte Sohn Adrian Antener, gelernter Baumschulist, mit dem Aufziehen von Fruchtbäumen begonnen. Diese mussten im Herbst 2015 verpflanzt werden. Deshalb ist ein Viertel der Obstplantage bereits erstellt.

Plötzlich ist alles infrage gestellt

«Die Bau- und Werkkommission hat entschieden, dass alles nochmals aufgelegt werden soll», berichtet Bauverwalter Thomas Leimer. Denn falls eine Einsprache zur Obstanlage Erfolg habe, könnte auch die gesamte Umstrukturierung der Familie Antener auf dem Aareinseli gefährdet sein. «Die Auswirkungen auf das gesamte Konzept zu beurteilen, ist schwierig», so Leimer.
Mit der neuen, nachträglichen Baupublikation sind aber nicht nur die Voraussetzungen gegeben, dass zur Obstplantage Einsprache gemacht werden kann, sondern auch gegen die weiteren Bauten. Dabei geht es um den Abbruch des bestehenden Futtersilos, den Neubau Mutterkuhstall, den Umbau des bestehenden Stalles zu Gastroräumen und den Neubau einer Kleinkläranlage.

Familie Antener ist deshalb wegen der Baupublikation beim Kanton vorstellig geworden. «Es kann doch nicht sein, dass man sich einfach wortlos beerdigen lässt», ärgert sich Simon Antener. Sie wollen wissen, ob das rechtens ist. «Ob wir wirklich die bereits genehmigten Bauten nochmals ausschreiben müssen.» Die Antwort hat Vreni Antener bereits erhalten. «Es sei möglich.» Dennoch will sie nun vom Kanton wissen, wie es weitergehen soll. Die ganze Angelegenheit mache ihr zu schaffen. «Wir wissen nun nicht mehr, wie wir uns verhalten sollen. Müssen wir beispielsweise den Kunden, welche bereits einen Sommeranlass gebucht haben, absagen?»