Das jüngstes Beispiel am Balmfluhköpfli zeigt, dass selbst einfachere Wanderrouten gefährlich werden können. Am Ostermontag stürzte eine 29-Jährige beim Ostgrat in den Tod. Ihr Begleiter musste mit der Rega aus den Felsen geborgen werden. Er blieb unverletzt.

Die Frage zur Ursache des Unfalls bleibt bisher ungeklärt. Die Solothurner Staatsanwaltschaft führt derzeit eine Untersuchung betreffend einen aussergewöhnlichen Todesfall (Art. 253 StPO). «Die genauen Umstände sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen, welche noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürften», sagt Mediensprecher Jan Lindenpütz. 

In der Zwischenzeit haben sich aber einige Kenner der Wander- und Kletterrouten am Balmfluhköpfli und auch besonders des Ostgrats zu Wort gemeldet. Unter den Kennern sticht Ueli Kölliker besonders hervor. Als Präsident der Solothurner Sektion des Schweizerischen Alpen-Clubs (SAC) und ausgebildeter Bergführer weiss Kölliker, wovon er spricht. Auf Anfrage beschreibt der Präsident des SAC Weissenstein ausführlich, auf was es beim Wandern und Klettern ankommt. Von grosser Bedeutung sei es, den richtigen Ein- und Ausstieg zu kennen. Das möge banal klingen, führe aber immer wieder zu Unfällen und Rettungsaktionen, weil die Kletterer die Route nicht gut genug kennen oder eine Erstbegehung vornehmen.

Sogenannte «Topos» – topografisch Karten, die Geländeformen abbilden – sind unverzichtbar im Bergsport. Besonders beim Ostgrat sei es enorm wichtig, diesen nach Norden auf die Balmbergstrasse zu verlassen, betont Kölliker. Laufe man gerade aus, so führe dies direkt zu steil abfallenden Felsen. «Den Ostgrat aber auf die rechte Seite zu verlassen, dazu muss man diesen Abstieg genau kennen, sonst wirds gefährlich».

29-Jährige verunfallt beim Abstieg des Balmfluhköpflis tödlich

29-Jährige verunfallt beim Abstieg des Balmfluhköpflis tödlich

Am Montagabend stürzte eine Frau beim Abstieg vom Balmfluhköpfli in Solothurner Jura mehrere Meter in die Tiefe. Ihre Begleitung musste von der Rega aus den Felsen gerettet werden.

«Schnellster Weg ist nicht immer der einfachste» 

Besonders wichtig im Bergsport sei, in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. «Die aufkommende Dämmerung oder Zeitdruck können einen so stark blockieren, dass man nicht mehr weiter kann», erklärt Ueli Kölliker. In solchen Situationen müsse man versuchen ruhig zu bleiben und seine nächsten Schritte gut planen. «Am besten man errichtet ein Notbiwak und wartet den Tagesanbruch ab». Er rede aus Erfahrung. Am Matterhorn passierte nämlich genau das. Kölliker konnte nicht mehr weiter und errichtete kurzerhand ein Notbiwak, um den Tagesanbruch abzuwarten. «Der schnellste Weg ist nicht immer der einfachste» fügt er hinzu. 

Mit Rot ist der Weg auf dem Ostgrat des Balmfluhköpfli eingezeichnet.

Mit Rot ist der Weg auf dem Ostgrat des Balmfluhköpfli eingezeichnet.

Das trifft auch auf den Ostgrat am Balmfluhköpfli zu. Ueli Kölliker empfiehlt nicht ortskundigen bis zum «Chöpfli» hinauf zu wandern und für den Abstieg einen der gewöhnlichen Wanderrouten zu nehmen. Zudem seien Markierungen auf dem Ostgrat zwar vorhanden, aber durch die Verwitterung nur schwer zu erkennen.

Auf die Frage, was seiner Meinung nach zum Absturz der 29-Jährigen geführt hat, hält sich der Präsident des SAC Weissenstein bedeckt. Er gehe aber davon aus, das fehlendes Licht und somit eine eingeschränkte Sicht zum Unfall geführt haben muss. «Taschenlampen werden oft vergessen und mit der Handy-Lampe eine Wanderroute auszuleuchten, reicht schlicht nicht aus. Was am Ostermontag am Ostgrat auf dem Balmfluhköpfli wirklich passierte, darüber können wir nur spekulieren», so Ueli Kölliker abschliessend.