Biologische Methanisierung
EU-Gelder in Zuchwil: Mit Urbakterien soll die Energiezukunft vorangetrieben werden

In der Aarmatt wird an der Energieversorgung der Zukunft getüftelt. Demnächst wird eine Versuchsanlage gebaut, um im grösseren Stil Methan herzustellen. Die Baupläne für eine entsprechende Anlage liegen in Zuchwil nun auf. Für die Öffentlichkeit bestehe keine Gefahr.

Drucken
Teilen
So könnte die Anlage von Süden her gesehen, aussehen.

So könnte die Anlage von Süden her gesehen, aussehen.

ZVG

An nichts weniger als an der Energiezukunft wird in Zuchwil geforscht. Dank einer neuen Technologie namens Power-to-Gas soll es dereinst möglich sein, erneuerbare Energien aus Photovoltaik- oder Windanlagen über längere Zeit zu speichern um sie dann abzurufen, wenn sie von den Konsumenten verbraucht werden. Dazu soll Strom in Methan umgewandelt und in das Gasnetz eingespeist werden.

Derzeit liegen in Zuchwil die Pläne für eine Anlage zur biologischen Methanisierung auf. Laut Bauverwalter Romano Del Frate sei das Projekt zur Vernehmlassung beim kantonalen Amt für Umwelt. In Zuchwil werden die Pläne nach der öffentlichen Auflage voraussichtlich im März in der Baukommission behandelt.

Das Projekt umfasst ein zehn mal zehn Meter grosses Betonfundament und einen 12 Meter hohen Tank mit integriertem Rührwerk. Darin befinden sich Einzeller-Organismen, so genannte Archaeen. Diese Urbakterien wandeln Wasserstoff und Kohlendioxid in Wasser und Methan um. Dieses kann direkt in das Gasnetz eingespeist werden.

Dazu kommen eine CO2-Leitung zwischen der Abwasserreinigungsanlage ZASE und der Aarmatt, diverse Zu- und Abführungsleitungen von Strom, Gas und Wasser sowie ein Kühl- und Heizsystem. Zudem soll der Wasserstoffspeicher auf dem Dach des bereits gebauten Hybridwerks erweitert werden. Für die Arbeitsplätze der Forscher wird ein Container aufgestellt.

Mit EU-Forschungsgeldern

Geplant und betrieben wird die Anlage von der Regio Energie auf dem Gelände ihres Hybridwerks. In den nächsten Jahren soll laut der Regio Energie herausgefunden werden, wie erneuerbare Gase für eine breite Nutzung hergestellt und saisonal gespeichert werden können. «Die Anlage dient primär der Weiterentwicklung der für die Energiestrategie 2050 wichtigen Power-to-Gas-Technologie», teilt Sandra Hungerbühler von Regio Energie auf Anfrage mit.

Sie wird im Rahmen des EU-Forschungs- und Entwicklungsprojekts Horizon 2020 gebaut und finanziert. Neben der Anlage in Zuchwil wird ebenfalls in Falkenhagen in Deutschland und im italienischen Troia an der Technologie geforscht. In der Schweiz steht ein Budget von 5,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Als Projektpartner beteiligt sind die Technologiefirma Electroachea, die Eidgenössische Materialprüfungsanstalt EMPA, die ETH Lausanne, die Hochschule für Technik Rupperswil und der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches.

Versuch, oder doch dauerhaft?

Die Bauprofile in der Aarmatt stehen bereits. Gebaut wird gemäss Sandra Hungerbühler von April/Mai bis Ende 2017, wobei es in dieser Zeit immer wieder zu längeren Pausen kommen könne. Geforscht werden soll dann 2018 und 2019. Ob die Anlage nach der Testphase 2020 wie geplant abgebaut wird, steht noch nicht fest. «Im Projektplan ist der Abbau vorgesehen, eine längerfristige Nutzung ist aber eine Option», so Hungerbühler.

Aus heutigem Wissensstand soll die Anlage weder Lärm noch Geruch verursachen. Die Gase Wasserstoff und Methan würden in der zehn Meter hohen Fackel rücksandsfrei verbrannt. Dabei entstehe kein Russ. Im Normalbetrieb sei die Fackel nicht notwendig, weil das produzierte Gas in das Erdgasnetz eingespeist wird. Das kantonale Amt für Umwelt hat die eingesetzten Mittel geprüft und als nicht gefährdend beurteilt. Auch bezüglich des Gewässerschutzes gebe es keine Auflagen.

Vergangene Woche fand durch die Regio Energie in Zuchwil eine Information für Anwohner statt. Laut Romano Del Frate seien diese stets involviert gewesen. Ihnen sei geraten worden, einen Sichtschutz in Form eines Maschendrahtzauns zu installieren, der von Pflanzen bewachsen wird.

Auf dem Aarmatt-Gelände wird bereits seit einem Jahr als Teil des Hybridwerks Wasserstoff hergestellt und ins Erdgasnetz eingespeist. Aktuell würden zu den Vorgängen Daten erhoben und analysiert. Für eine Bilanz ist es laut der Regio Energie aber noch zu früh.

Die Baugesuchsunterlagen liegen in der Bauverwaltung Zuchwil, Gemeindeverwaltung, Hauptstrasse 65, noch bis zum 23. Februar öffentlich auf.

Aktuelle Nachrichten