Spezielle Zeit, spezieller Ort, spezielle Umstände: Die Gemeindeversammlung war so speziell, dass der Etziker Gemeinderat zusätzlich ein Erinnerungsinserat schaltete. Letztlich fanden sich 31 Stimmberechtigte in der Mehrzweckhalle ein. Sie stimmten über Rechnung und Schulverband ab und erfuhren, dass Gemeindepräsident Bruno Meyer sein Amt 2017 abgibt. Zudem würdigten sie mit Heinz Frei einen der erfolgreichsten Schweizer Rollstuhlsportler und verabschiedeten sich von ihm.

Letzten Herbst habe Heinz Frei angerufen und ihm mitgeteilt, er werde nach Oberbipp ziehen, erzählte Bruno Meyer. Frei habe in der Nähe seiner Eltern ein Haus gefunden – im Hinblick darauf, dass auch er nicht jünger werde, eine grosse Chance. Das verstehe er natürlich, so Meyer lächelnd. «Aber sang- und klanglos deine Schriften holen und abhauen? Das kommt nicht in Frage!» Und so habe man mit der Bürgergemeinde einen Anlass gefunden, um mit Frei sowie seiner Frau und seinen Eltern zurückzuschauen.

Immer noch Weltrekordhalter

Mit einer berührenden Rede unter dem Motto «Es ist Zeit» würdigte Bürgergemeindepräsident Rolf Ochsenbein den Rollstuhlsportler. Dabei blickte er auf wichtige Etappen in Freis Leben zurück: Seine Geburt 1958, seinen Sturz bei einem Berglauf 1978, die erste Teilnahme an den Paralympics 1984. «Seit 32 Jahren ist er ständig an Paralympics, hat unzählige Medaillen und Titel erworben und hält sogar zwei Weltrekorde.» 1993 zog Heinz Frei nach Etziken, 2001 wurde er zum Ehrenbürger ernannt. Zudem heisst der Weg, an dem er bis im Januar lebte, schon länger «Heinz-Frei-Weg». Seine Erfolge hätten die Dorfgemeinschaft gestärkt, so Ochsenbein. Sei es am Flughafen, wo man den Sportler nach den Paralympics stets lautstark in Empfang nahm, oder in Etziken selbst, wo man anschliessend ausgiebig feierte.

Anerkennende Worte fand Ochsenbein zudem für die positive Lebenseinstellung, die Frei weitergebracht habe aber auch manchem in seinem Umfeld helfe. Nun gönne man ihm ein Leben in seiner zweiten Heimat. «Du bleibst aber ein Teil von uns.» Und mit einem Schmunzeln bot er den Oberbippern Hilfe an, falls sie nicht wissen sollten, wie man einen Heinz Frei standesgemäss in Empfang nimmt. Zum Abschluss durfte ein Geschenk nicht
fehlen.

Lebensschule Sport

«Es ist gerade schwierig, die Fassung zu behalten», sagte Heinz Frei. Er sei nicht weggezogen, weil es ihm nicht mehr gefalle, so Frei und fügte mit einem Lächeln an: «Ich bin ein Etziker geworden in den letzten 23 Jahren. Das könnt ihr nicht verhindern.» In seiner Rede nahm er Bezug auf den Sport, der für ihn eine Lebensschule sei und auf seine Berufung, in die er durch seine Situation «hineingerutscht» sei: Im Paraplegikerzentrum Nottwil dürfe er Jüngeren seine Erfahrung weitergeben und ihnen helfen, nach schweren Unfällen wieder eine Perspektive zu finden. So wie er sie als 20-Jähriger wieder finden durfte.

Rechnung fällt positiv aus

Die Gemeindeversammlung genehmigte die Rechnung 2015 mit einem Ertragsüberschuss von 68'000 Franken sowie die Investitionsrechnung, welche 392'000 Franken umfasst. Grundsätzlich habe man in den beeinflussbaren Positionen im Rahmen des Budgets oder darunter bleiben können, so Meyer. Weiter sei die Kostensteigerung im Sozialbereich dank der Intervention des Einwohnergemeindeverbands gebremst worden. Die Steuern der natürlichen Personen bleiben im budgetierten Rahmen, bei den juristischen Personen könne man hingegen nur die Hälfte des erwarteten Betrags verbuchen, so Finanzverwalter Peter Felder.

Weiter stimmte die Gemeindeversammlung dem Austritt aus der Regionalen Schule äusseres Wasseramt (rsaw) zu. Damit folgt Etziken der Gemeinde Aeschi, welche ihre Mitgliedschaft auf Sommer 2018 gekündet hatte. Wie Meyer erklärte, halte man sich so alle Optionen offen: für eine Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden, aber auch für einen Alleingang. Aufgrund stetig steigender Kosten wird derzeit diskutiert, wie die Schulen des Verbands künftig organisiert und ob allenfalls Schulstandorte geschlossen werden.

Zum Schluss der Versammlung erinnerte Bruno Meyer an die Gemeindewahlen 2017 und ermutigte die Einwohner dazu, sich für ein Amt im Gemeinderat oder einer Kommission zu melden. Auch das Präsidium wird frei: «Es ist mir nicht verleidet, aber nach 20 Jahren ist es an der Zeit.»